Nudelauflauf „nicht kross genug“ – Sohn überfährt Vater

Nudelauflauf
Foto: Symbolbild

Ein Streit über einen Nudelauflauf bringt einen 22 Jahre alten Schüler aus Essen wegen versuchten Totschlags auf die Anklagebank vor dem Schwurgericht. Dem jungen Mann wird vorgeworfen, seinen Vater mit einem Mercedes der C-Klasse nicht nur umgefahren, sondern danach auch noch körperlich misshandelt zu haben. Streitgegenstand war sein Lieblingsgericht, dessen Zubereitung der Schüler gegenüber der Mutter bemängelte: „Der Nudelauflauf war nicht kross genug überbacken“. Der Vater mischte sich ein, musste aber teuer dafür bezahlen.

Man kann sich vorstellen, wie Richter Andreas Labentz die Frage „Und darum gab es so einen Streit?“ stellte. Der Angeklagte verstand die Aufregung darum aber nicht: „Das war doch ein Streit mit der Mutter und der Vater hat sich eingemischt.“ Das Verhältnis zu seinem Vater ist schlecht („Mal gut, mal schlecht. Er hat mich geschlagen und gedemütigt“), zur Mutter hingegen gut („Ich ehre sie, wie keine andere“).

Die Tat ereignete sich am 3. Dezember. Der Schüler lebt im elterlichen Haus, ein Reihenhaus am Rande von Essen-Altendorf. Seine Mutter bereitete ihm zum Abendessen einen Nudelauflauf zu, der für den jungen Mann allerdings Anlass für Kritik gab, was er auch sofort zu verstehen gab. Er kündigte an, zu einem Schnellimbiss fahren zu wollen. Er schnappte sich die Schlüssel des Familienautos und wollte los. Sein Vater ging ihm nach, der Sohn saß aber bereits hinter verschlossenen Türen im Auto.

Sein Vater fordert ihn auf, aus dem Wagen zu steigen. Doch der Sohn weigert sich, sagt aus: „Ich bin ganz langsam aus unserer Straße herausgefahren. Aber mein Vater hat sich dann auf die Straße gestellt und den Weg blockiert.“ Er habe ihn gewarnt: „Wenn du nicht gehst, fahre ich dich über den Haufen.“ Gesagt, getan. Der Angeklagte setzte mit dem Wagen zurück, fuhr durch den Carport des Nachbarn direkt auf den Vater zu, rammte dabei noch zwei Holzstützen des Carports. Laut Anklage wurde der getroffene Vater zu Boden geschleudert und der Wagen krachte vor die nachbarliche Hauswand. Dann sei er ausgestiegen und habe den Vater vor den Kopf getreten, mehrmals.

Der Angeklagte findet die Schilderung übertrieben, räumte aber Vorsatz ein: „Ich bin schon losgefahren mit der Absicht, ihn zu treffen.“ Er habe es sich aber im letzten Moment anders überlegt und den Wagen am Vater vorbei gegen die Hauswand gelenkt. Richter Labentz entgegnet darauf, dass im Verkehrsgutachten geschrieben steht, es sei zu keinen Lenkbewegungen gekommen. Auch die anschließende Körperverletzung – Tritte „vor den Kopf und die Brust““- gestand er ein: „Er wollte aufstehen“, sagt er, „aber bevor er was machte, trat ich gegen seinen Kopf“. Er hätte Angst vor dem Vater gehabt.

Ausführlich schilderte der Angeklagte aber auch die Misshandlungen durch seinen Vater: Dieser haben ihn zweimal vor seinen Mitschülern geschlagen,um ihn für ein angebliches Fehlverhalten zu tadeln. „Dabei wurde ich zu Unrecht beschuldigt“, sagt er. „Das Schlimmste in meinem Leben“ sei 2014 und 2015 gewesen. Sein Vater habe ihn niedergeschlagen und gewürgt. In den beiden Fällen sei es auch um einen Streit mit der Mutter gegangen, in den der Vater sich einmischte.

Es sei jedes Mal darum gegangen, dass der Sohn von seiner Mutter „etwas haben wollte„, was diese aber ablehnte. Dies führte zu Konflikten. Im Prozess wollen die Eltern die Aussage verweigern. Ein Mann, der angibt, sein Vater zu sein, erzählte vielmehr vor Prozessbeginn den Journalisten, es wäre alles nicht so tragisch: „Ein paar Kratzer, ein bisschen Blut.“ Die ärztlichen Feststellungen allerdings sprechen von Kopf-, Gesichts- und Wirbelsäulenverletzungen und künstlichem Koma.

Fundstellen:
derwesten.de vom 01.06.2016

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