Profi-Raubkopierer durch legale Downloads geschnappt

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Foto: Symbolbild

Der 30-jährige Ukrainer Artem Vaulin soll Betreiber der größten Tauschbörse für Raubkopien, „Kickass Torrents“, sein. Er selbst kaufte legal Musik im Netz – bei Apple. Apple und Facebook waren es schließlich, die nach umfangreichen Ermittlungen der US-Behörden zur Festnahme des Mannes in Polen führten. Vaulin wartet nun auf die Auslieferung an die USA, wo ihm eine längere Haftstrafe drohen würde.

„Kickass Torrents“ ist eine der beliebtesten Torrent-Seiten für ein breites Spektrum an Musik, Games, Filme und Serien. Die Seite soll Millionen Besucher täglich anlocken und erfolgreicher als „Pirate Bay“ sein. Jetzt wurde der Kopf dahinter festgenommen. Und das aus einem kuriosen Umstand: So soll der Ukrainer selbst Musiktitel auf legalem Wege erworben haben.

Die zuständige US-Justizbehörde teilte mit, dass der 30-jährige ukrainische Staatsbürger Artem Vaulin nach intensiven Ermittlungen der US-Behörden in Polen festgenommen wurde. Doch wie kamen ihm die Ermittler auf die Spur? Ausschlaggebend waren die Werbebuchungen auf der Seite des Betreibers, über die man an die Konten gelangte. Der Durchbruch gelang den Ermittlern aber durch den Kauf von legaler Musik bei iTunes. Zwar war Vaulin bei all seinen Finanztransaktionen immer auf besondere Vorsicht bedacht, doch eine Leichtsinnigkeit verriet ihn schließlich.

Apple und Facebook stellten Daten zur Verfügung, anhand derer die Ermittler nachweisen konnten, dass Vaulin über ein iTunes-Konto Musik erwarb und sich sodann von derselben IP-Adresse aus am Facebook-Konto von „Kickass Torrents“ anmeldete. Dasselbe Spiel einige Monate später, auch wenn zwischen den Anmeldungen eine kurze Verzögerung von einigen Tagen lag. Für die US-Ermittler war das ausreichend: Die polnische Polizei führte den Zugriff durch. Vaulin sitzt in Auslieferungshaft. Seine Bankkonten und Webseiten wurden gepfändet, die Plattform „Kickass Torrents“ selbst wurde abgeschaltet.

Im Falle einer Anklage drohen Vaulin bis zu 20 Jahre Haft, wie die Tech-Seite „Heavy.com“ berichtet. Vorgeworfen wird dem Ex-Betreiber konkret die Verbreitung von Raubkopien, Geldwäsche und Beihilfe bei Urheberrechtsverstößen. Die Wirtschaftlichkeit der ehemaligen Plattform konnte sich sehen lassen: Der Wert von „Kickass Torrents“ soll bei etwa 54 Millionen US-Dollar liegen. An Werbeeinnahmen sollen zwischen 12 und 22 Millionen US-Dollar jährlich geflossen sein.

Doch auch die Schäden waren enorm: Den Rechteinhabern sollen durch die Raubkopien knapp eine Milliarde US-Dollar an Einnahmen entgangen sein. Wie man genau auf diese Schadenssumme kommt, ist jedoch nicht dargelegt. Dass nicht jeder illegale Download als entgangener Gewinn gerechnet werden kann, dürfte klar sein. Bei mehreren Millionen Downloads am Tag ist die Höhe allerdings nicht unbedingt als überzogen anzusehen.

Fundstelle:
stern.de vom 21. Juli 2016

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