Treppensturz auf dem Weg zur Küche im Home Office – Arbeitsunfall?

Home Office
Foto: Symbolbild

Immer mehr Arbeitgeber gestatten ihren Angestellten das Arbeiten daheim – im sogenannten Home Office. Im vorliegenden Fall kam es zu einem Sturz der Arbeitnehmerin auf dem Weg zu ihrer Küche. Die Unfallkasse verneinte das Vorliegen eines Arbeitsunfalles, wogegen die Geschädigte gerichtlich vorging.

Für die Arbeit in der eigenen Wohnung richtete die Klägerin ein eigenes Zimmer im Dachgeschoss ihrer Wohnung ein. Der Unfall ereignete sich auf der Treppe zwischen Home Office und der Küche der Wohnung durch einen Sturz auf besagter Treppe.

Nachdem die Unfallkasse einen Arbeitsunfall nicht anerkannt hatte, entschied zunächst das Sozialgericht und wies die Klage ab. In der Berufungsinstanz verurteilte das Landessozialgericht die Unfallkasse hingegen, einen entsprechenden Arbeitsunfall anzuerkennen. Schließlich musste das Bundessozialgericht ein Urteil fällen und entschied, dass das Urteil des ursprünglich urteilenden Sozialgerichts wieder hergestellt wird. Ein Arbeitsunfall lag danach also nicht vor.

In den Gründen heißt es, der Unfall sei nicht auf einem Betriebsweg geschehen. Der Treppensturz ereignete sich im persönlichen Lebensbereich der Klägerin. Den Weg zur Küche habe sie nicht aus Gründen der versicherten Beschäftigung zurückgelegt, sondern um sich ein Wasser zu holen. Dies sei eine eigenwirtschaftliche, nicht versicherte Tätigkeit.

Im Gegensatz zur Betriebsstätte unterliegt die Arbeitnehmerin in der eigenen Wohnung keinerlei betrieblichen Vorgaben oder Zwängen. Trotz der arbeitsrechtlichen Vereinbarung zur Erfüllung der Arbeitsleistung in den eigenen vier Wänden nähme dies der Wohnung nicht den Charakter einer privaten und damit nicht versicherten Lebenssphäre.

Schließlich habe der Arbeitgeber auch nicht die der privaten Wohnung anhaftenden Risiken zu verantworten. Den Trägern der Unfallversicherung fehle es schon an der Möglichkeit, präventive, gefahrenreduzierende Maßnahmen in den privaten Räumen zu unternehmen. Daher sei es sachgerecht, das vom privaten Lebensbereich ausgehende Risiko im Home Office auf den Versicherten aufzuerlegen.

Fundstellen:
rechtsindex.de vom 05.07.16
Bundessozialgericht, Urteil vom 05.07.2016; Az. B 2 U 5/15 R

Schlagworte:
, , , , , , , ,