Der humorvolle Cartoon-Richter

Cartoons
Foto: Tim Oliver Feicke

Juristen wird immer wieder nachgesagt, sie seien nicht gerade die humorvollste Berufsgruppe. Wie kann jemand, der sich für eine -angeblich- so trockene Materie wie die Juristerei interessiert, noch einen Sinn für Humor haben? Dass dies durchaus möglich ist, beweist Tim Oliver Feicke, seines Zeichens Cartoonist und Richter.

Der in Hamburg lebende Feicke ist schon seit jeher begeistert von Comics. Los ging es mit Asterix und Obelix in seiner Jugend. Dann folgten erste Versuche, Cartoons selbst zu zeichnen. Zunächst im Kreis der Familie und für Freunde, später dann für Schüler- und Studentenzeitungen. Mittlerweile ist der 45-Jährige Vater von vier Kindern und Jugendstrafrichter in Elmshorn. Seine Leidenschaft für Cartoons hat er nicht verloren, ganz im Gegenteil: Neben seiner Haupttätigkeit als Richter zeichnet Feicke in seiner Freizeit weiter. Speziell Cartoons mit juristischem Bezug zeichnet er gerne. So kam es auch, dass er mit seinen Zeichnungen regelmäßig in juristischen Fachzeitschriften vertreten ist, beispielsweise in der Deutschen Richterzeitung oder in der RENOpraxis. Auch in Tageszeitungen und im Satire-Magazin Eulenspiegel sind seine Cartoons gefragt.

Die juristischen Cartoons sind in erster Linie als „Insider-und Branchenwitze“ konzipiert, sagt Feicke.  Mittlerweile hat er Anfragen nach signierten Zeichnungen und Büchern sowie Ausstellungen aus ganz Deutschland. Seine Juristencartoons in DIN-A4-Größe sind schon bei vielen Aufstellungen in Gerichten zu sehen gewesen. Im Februar 2016 konnte man seine Cartoons am Bundessozialgericht in Kassel bewundern, im Herbst steht das Landgericht in Itzehoe auf dem Terminkalender. Interessierte Gerichtspräsidenten und Direktoren können sich gerne bei ihm melden.

Neben seiner Leidenschaft für Cartoons sammelt Feicke „Aktenperlen“: kuriose Rechtsfälle, Stilblüten und Verschreiber aus Schriftsätzen und Gerichtsakten. Aus diesem Grund hat er bereits drei Bücher veröffentlicht: Das erste Werk aus 2010 trägt den Titel „Komme nicht zum Termin, bin in Südsee.: Aktenperlen aus der Justiz“, danach kam 2012 „Habt Ihr nichts Besseres zu tun?: Mehr Aktenperlen aus der Justiz“ und letztes Jahr schließlich „Wir sind hops, Bruderherz!: Noch mehr Aktenperlen aus der Justiz.“ Alle drei Bände sind kombiniert mit eigenen Cartoons.

Seit zehn Jahren zeichnet Feicke nun schon – nicht nur für Juristen. Sein nächstes Werk, der Jubiläumsband, der im September 2016 beim Lappan Verlag erscheint, ist sein erster reiner Cartoonband, vollfarbig in edlem Hardcover und trägt schlicht den Titel „Juristen!“.

Einer seiner Lieblingscartoons trägt den Titel: „Neue Jobs in der Justiz – Dolmetscher für Jugendsprache“. Darin fragt der Richter den Angeklagten, was er denn so in seiner Freizeit mache. Da dieser nicht ganz folgen kann, übersetzt ihm sein Kollege: „Yo, Digga! Der Top-Master-Checker will von Dir wissen, wo du und die Homies korrekt chillen …“.

Richter Feicke lässt sich so immer wieder von seinen eigenen Verhandlungen im Jugendstrafrecht inspirieren. Aber auch Kollegen und Anwälte bringen ihn auf seine Ideen. So berichtete eine Familienrichterin, dass nach einer Verhandlung der frischgeschiedene Ehemann den Saal verließ und dabei fröhlich Bob Marleys „No woman, no cry“ vor sich hin pfiff. Dies setzte Feicke dann auf seine Weise um:FEICKE 34 No woman Justillon

Neben der Tätigkeit als Richter, Cartoonist und Familienvater kommt Feicke vorwiegend noch am Wochenende dazu, nach Wunsch zu zeichnen. Auf seiner Homepage www.wunschcartoon.de bietet er Cartoon-Zeichnungen auf Bestellung an. Seine Kunden verwenden diese in erster Linie als individuelles Geschenk bei Geburtstagen, Jubiläen und Familienfeiern. Damit aber im Rahmen seiner Tätigkeit als Richter nicht die Besorgnis der Befangenheit entsteht, schaut Feicke aber darauf, dass die Auftraggeber nicht unbedingt Angeklagte oder Anwälte aus seinem Bezirk sind. „Wie würde das aussehen, wenn mir ein Anwalt in einer Sitzungspause Geld für ein Bild bezahlt?“, so Feicke. Sein Hobby sieht er als Gegengewicht zu seinen beruflichen Herausforderungen: „Als Strafrichter hat man überwiegend mit ganz negativen Dingen zu tun und sieht die schlechten Seiten der Gesellschaft. Das kann einen manchmal ganz schön mitnehmen. Da sind die Cartoons ein guter positiver Ausgleich.“

Dramen im Beratungszimmer, keifende Mandanten und der tägliche Kampf mit der Akte – das sind die Themen, die ihm hoffentlich nie ausgehen werden.

FEICKE 111 Urlaub Kopie

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  • Hans Wurst

    Was Juristen eben so unter Humor verstehen…

  • Lexi

    Hehe, die Cartoons von diesem Mann sehe ich nicht zum ersten Mal. Ich finde sie genial. Dass manches für Laien nicht sofort verständlich ist und es auch hilft, schon mal die Atmosphäre im Gerichtssaal (siehe letztes Bild hier auf der Seite) erlebt zu haben, wird schon durch die anderen Kommentare ersichtlich. Weiter so!

    P.s.: Warum gibt es sowas nicht in den gängigen Zeitschriften fürs Studium? Gerade da täte ein Lacher manchmal gut – die Cartoons regen ja auch eher zum Schmunzeln an, als dass man die Bib zusammenbrüllen würde ;-)

    • van Pelt

      Ich kann Sie gerne mal in der Bib zum Schreiben bringen…

  • Meinungsfreiheit und Diskussionskultur ist nicht so euer Ding, oder?

    • Lexi

      Ironie versteht auch nicht jeder…

    • RA Decker

      Wenn man keinen Spaß versteht, sollte man sich vielleicht von solchen Artikeln fernhalten. Mit dem Scheinargument Meinungsfreiheit“ kann man sich an dieser Stelle nur furchtbar blamieren.

      MfG
      W. Decker

  • Gottl. Leb. Müller

    Daumier lässt grüßen.
    Übrigens sind im Arbeitsgericht Berlin auch ein Haufen sehenswerter Cartoons. Von wem die sind, weiß ich leider nicht mehr.

  • Raoul

    Kann es sein, daß die Cartoons alle bereits in seinen drei Aktenperlen-Bänden erschienen sind? 3 der vier zumindest finden sich im ersten Band, ebenso wie das Coverbild. Ändert natürlich nichts an ihrer Komik, aber ein dezenter Hinweis wäre nicht schlecht.