Musiklehrer begeht Freiheitsberaubung in Klassenzimmer

Polizei muss Schüler aus Unterricht befreien

Musiklehrer
Foto: Symbolbild - Musiker mit Gitarre

Lehrer kann ein harter Beruf und der Umgang mit Schülern eine Zerreißprobe für die Nerven sein. Strafaufgaben, Nachsitzen und ähnliche Maßnahmen zur Disziplinierung der Schüler gehören in deutschen Schulen zur Tagesordnung. Ein 50-jähriger Musiklehrer einer Realschulklasse in Neuss bei Düsseldorf hat mit seinen Methoden jedoch deutlich übertrieben. Die Polizei musste die Kinder aus dem Klassenzimmer befreien und der Lehrer sich den strafrechtlichen Konsequenzen stellen.

Die Schulklasse war laut und nicht alle Schüler gehorchten dem Lehrer. Als Bestrafung ließ der Musiklehrer die ganze Klasse den Wikipedia-Eintrag eines Musikers abschreiben. Die Schriftstücke mussten die Kinder nach der Unterrichtsstunde einzeln beim Lehrer abgeben. Bei diesem Vorgang hinderte der Pädagoge einige der Sechstklässler am Verlassen des Raumes, indem er sich mit einer Gitarre vor die Tür setzte und diese damit blockierte. Schließlich alarmierte einer der Schüler mit seinem Smartphone die Polizei.

Für diese Aktion musste sich der Lehrer vor dem Amtsgericht Neuss verantworten. Zwar äußerte der Richter volles Verständnis für den schweren Job des Lehrers und hinterfragt „Was macht ein Lehrer, dem die Schüler auf der Nase herumtanzen?“, dennoch spricht er den Pädagogen der Freiheitsberaubung schuldig. Die Geldstrafe erging jedoch nur als Verwarnung mit Strafvorbehalt (§ 59 StGB). Dem Lehrer wurde auferlegt (§ 59a StGB), sich im Umgang mit undisziplinierten Schülern fortzubilden. Unterlässt er dies, droht die Vollstreckung der Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro. Am Rande bemerkte das Gericht, dass das Abschreiben des Wikipedia-Artikels wohl eine unzulässige Kollektivmaßnahme gewesen sei.

Ferner warf man dem Musiklehrer eine Körperverletzung vor. Bei der Rückgabe einer schriftlichen Arbeit habe er einen Schüler in den Bauch getroffen. Der Schüler wurde im Gericht als Zeuge vernommen, wollte dem Lehrer aber keine Absicht für den Schlag unterstellen. Er hätte auch keine längerfristigen Schmerzen erlitten. Das Gericht sprach den Lehrer daher von diesem Vorwurf frei.

Fundstelle:
LTO vom 24.08.16

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