Frau soll 500 Euro für schlechte Facebook-Bewertung zahlen

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Foto: Symbolbild - Facebook-Bewertung

Wegen der Bewertung eines Bauprojekts auf Facebook soll Jessica Seidel knapp 500 Euro an Anwaltskosten bezahlen. Der Vorwurf: „zielgerichtete Rufschädigung“. Seidel hat nun selbst einen Anwalt beauftragt, der die Forderung abwehren soll. Die Bewertung mit einem Stern sei von der freien Meinungsäußerung gedeckt.

Es war am 21. Juli, als die 25-Jährige Jessica Seidel auf Facebook eine schlechte Bewertung für ein Bauprojekt abgab: Von fünf möglichen Sternen gab sie lediglich einen Stern für das von einem Makler geteilte Angebot auf der Plattform. Dass ihr dieser Klick später noch Probleme in Form rechtlicher Art bereiten wird, daran dachte Seidel nicht.

In einem anwaltlichen Schreiben wurde Seidel der „zielgerichtete Rufschädigung“ beschuldigt. Bei einem mit 5000 Euro bezifferten Streitwert fallen Rechtsanwaltsgebühren in Höhe von 492,54 Euro an. Aber nicht nur der Vorwurf an sich ärgerte Seidel. Auch die Art der Zustellung des Anwaltsschreibens: „Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil der Anwaltsbrief an meinem Arbeitsplatz ankam.“ Die 25-Jährige arbeitet als Controlling-Leiterin beim Unternehmen Unic Blue. Sie informierte auch umgehend ihren Chef über die Angelegenheit: „Ich habe ihm auch gesagt, dass es mir leid tut, dass die Firma da mit rein gezogen wird.“

Firmenchef Franz Przechowski reagierte nicht tragisch, sondern riet seiner Angestellten umgehend, die Anwältin des Unternehmens zu kontaktieren. „Ich wurde in dem Schreiben des Anwalts auch aufgefordert, meine Bewertung auf Facebook zu entfernen“, so Jessica Seidel. Ihr ging es weniger darum, dem Immobilienmakler selbst eine schlechte Bewertung zu geben. „Ich wollte einfach nur zeigen, dass ich die Projekte nicht gut finde, die er unterstützt. Weil durch den Buerschen Waldbogen viel Natur zerstört wird“, so Seidel.

Einen Kommentar gab Seidel nicht bei Facebook ab, sie nutzte vielmehr die Möglichkeit der Sternchen-Bewertung und klickte auf einen Stern. „Warum haben die denn keinen Kontakt zu mir aufgenommen?“ fragt sich die junge Frau. Die Firmen-Juristin vermittelt Seidel an Rechtsanwalt Arndt Kempgens, der nun die weitere Betreuung des Falles übernimmt. Er findet klare Worte zu dem Vorgehen des Makler-Anwalts: „Das ist mit nichts zu rechtfertigen. Wenn man etwas bewertet, muss man das nicht begründen. Das ist freie Meinungsäußerung.“ Zumal, wenn man auf Facebook eine Bewertung zulasse, müsse man auch mit Kritik leben. Kempgens würde diesen Fall gern vor Gericht austragen, weil es noch vergleichsweise wenig Urteile zu Facebook gebe.

Der Aufforderung, die Sternchen-Bewertung zu löschen, kann Seidel – selbst wenn sie wollte – nicht mehr nachkommen: Die Bewertungsfunktion wurde inzwischen deaktiviert.

Fundstelle:
derwesten.de vom 09.08.2016

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