Staatsanwalt „Tassilo von Hirsch“ muss ins Gefängnis

Staatsanwalt
Foto: Morty - wikimedia - CC BY 3.0 DE (bearbeitet)

Er nannte sich Staatsanwalt „Tassilo von Hirsch“„Marc von Battenstein“ oder auch „Dr. Dr. Marc Joachim Aubach“. Nun musste sich der 28-jährige Hochstapler Marc G. vor dem Landgericht Düsseldorf verantworten. Er wurde wegen Betrugs und Titelmissbrauchs schuldig gesprochen.

3 Jahre und 9 Monate Freiheitsstrafe – so lautete das Urteil des Landgerichts Düsseldorf. Dem mehrfach einschlägig vorbestraften Marc G. wurden über 30 Taten vorgeworfen. Der Gesamtschaden wurde mit etwa 30.000 Euro beziffert. Die höchste Einzelstrafe wurde verhängt, weil Marc G. eine Prostituierte per Flugzeug aus Berlin nach Ratingen bestellt hat, ihr aber die versprochenen 10.000 Euro nicht bezahlt hat, nachdem sie bei ihm mehrere Stunden mit verbundenen Augen zu Diensten war. Damit seine unter ihm wohnende Mutter nichts hörte, musste die Escort-Dame Balletschuhe tragen.

Marc G. soll mehrere Stellenanzeigen geschaltet und den „Bewerberinnen“ bis zu 20.000 Euro für Sex geboten haben. Nur mit dem Bezahlen hatte er dann „Schwierigkeiten“. Angeklagt waren auch einige Warenbestellbetrügereien. 38 verschiedene Alias-Namen wirft ihm die Anklage vor. Selbst unter dem Namen seiner Mutter soll der Angeklagte Waren bestellt und nicht bezahlt haben. Marc G. hat den Großteil der Taten gestanden, sonst wäre die Strafe wohl deutlich höher ausgefallen. Auch wenn einige seiner Bestellversuche scheiterten, gab er zu, dass er die Waren nie bezahlt hätte, wenn sie jemals geliefert worden wären. Die ihm vorgeworfene sexuelle Ausbeutung von Frauen stritt er aber vehement ab.

Sogar seinen eigenen Anwalt nutzte er für seine Betrügereien aus: Bei Telefonaten mit Sex-Hotlines gab er das Konto der Anwaltskanzlei seines Verteidigers an. Die Kontodaten hatte er einfach vom Briefpapier übernommen. „Er wollte lustvoll betrügen.“ Das sei wie eine Spielsucht. Je dreister der Betrug, desto größer der „Kick“, sagte Rechtsanwalt Ingo Schmitz. Nach eigenen Angaben habe Marc G. bereits eine sechsstellige Summe in Nobel-Clubs, Bordellen, beim Shoppen und im Düsseldorfer Nachtleben verprasst. Alleine für Zigarren soll er Tausende Euros ausgegeben haben. „Ich war der Prahler, der im Mittelpunkt stand, Champagner ausgegeben und das Geld rausgelassen hat“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe in gewissen Kreisen verkehrt und brauchte teure Kleidung, um als gut situierte Persönlichkeit respektiert zu werden. Trotz längerer Untersuchungshaft saß er sorgfältig frisiert auf der Anklagebank.

Der notorische Hochstapler ließ sich von seinen Vorstrafen bisher nicht davon abhalten, weitere Straftaten zu begehen. Früher gab er sich bereits als falscher Pilot, Arzt oder Diplomat aus, diesmal als Staatsanwalt. Ihm wurde schon in einem anderen Prozess vom Gericht vorgeworfen, er begehe seine Taten auch überwiegend nur, um Frauen ins Bett zu bekommen. Prostituierte wollte er schon damals nicht bezahlen. Einmal soll er auf einem Flughafenparkplatz in Pilotenuniform eine Ohnmacht vorgetäuscht haben, um eine herbeieilende Stewardess näher kennenzulernen. Nun stellte er sich vor Gericht teilweise in dieser Hinsicht sogar als Opfer dar: Als er sich eines Tages wieder einmal als Staatsanwalt ausgab, lud er eine Jura-Studentin auf der Düsseldorfer Kö zum Shoppen ein. Diese habe ihn schnell enttarnt, die 3000-Euro-Shopping-Tour aber „noch mitgenommen“.

Das Gericht fand deutliche Worte: „Wir verschonen Sie von der Haft, und dann begehen Sie diese Taten. Die deutlichen Warnzeichen der Justiz haben Sie ständig missachtet. Ich hoffe, dass Sie ihren Weg ändern“, sagte Vorsitzende Richterin Bettina Reucher-Hodges. Sie redete ihm ins Gewissen und hofft, dass der 28-jährige Aushilfskellner mit Realschulabschluss in der Haft nun endlich eine Berufsausbildung abschließen kann. Sein Verteidiger Ingo Schmitz forderte vergeblich eine Bewährungsstrafe und Therapie für seinen Mandanten.

Fundstellen:
n-tv.de
LTO.de

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  • Spastilo von Hirsch

    Genau, als Verteidiger, dessen Kontodaten er für Bunga-Bunga Telefonate missbraucht hat, würde ich ganz anderes für ihn fordern!