Tadschikistan will Journalisten für unverständliche Texte bestrafen

Tadschikistan

Die autoritäre Regierung der ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan ist der Meinung, dass in Zeitungsartikeln zu oft unverständliche Wörter und Texte verwendet werden. Nun will die Regierung Journalisten bei Verstößen gegen die Sprachnormen mit bis zu umgerechnet 180 Euro bestrafen.

Das zentralasiatische Hochgebirgsland Tadschikistan hat eine Sondergruppe eingesetzt, die ab sofort in Zeitungen, im Fernsehen und im Radio nach unverständlichen Begriffen fahndet.  „In manchen Artikeln stehen bis zu zehn Wörter, die einfache Leser nicht kennen. Das ist ein grober Verstoß gegen die geltende Amtssprache“, sagte Gawhar Scharifsoda vom Komitee für Sprache in der Hauptstadt Duschanbe diesen Montag. Nun droht eine Strafe von bis zu 200 US-Dollar (180 Euro) je Verstoß.

Dieses Vorgehen hört sich zwar erst einmal kurios an, ist jedoch wohl auch ein Instrument, um die Journalisten und freie Presse zu kontrollieren. Die Reporter ohne Grenzen veröffentlichen jährlich eine Rangliste der Pressefreiheit, auf der Tadschikistan im Jahr 2016 den vergleichsweise schlechten Platz 150 von 180 belegt. Zum Vergleich: Deutschland ist auf Platz 16, den ersten Platz belegt Finnland und den letzten Eritrea. Die Reporter ohne Grenzen bemängeln an Tadschikistan, dass die Medien staatlich kontrolliert werden, hauptsächlich Propaganda für den seit 1994 herrschenden Präsidenten Emomali Rachmon verbreiten und die Stimmen der Opposition unterdrückt werden. Auch soll den unabhängigen Journalisten regelmäßig die Arbeit erschwert werden, beispielsweise, indem ihnen der Zugang zu Pressekonferenzen verweigert wird. Journalisten, die über heikle Themen berichten, sollen nicht selten von beauftragten Schlägern oder sogar von der Polizei verprügelt werden.

Fundstelle:
meedia.de vom 02.08.2016

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