90-Jährige beansprucht Urheberrecht an beschädigtem Kunstwerk

Kunstwerk
Foto: Symbolbild

Der Anwalt einer 90-jährigen Dame, die im Juli in Nürnberg ein Kreuzworträtsel-Kunstwerk in einem Museum beschädigt hat, indem sie es einfach mit einem Kugelschreiber ausgefüllt hat, behauptet nun, sie habe durch die Beschädigung ein eigenes Urheberrecht an dem Kunstwerk erworben, welches durch die anschließende Restaurierung zerstört worden sei. 

Die 90-jährige frühere Zahnärztin Hannelore K. ergänzte und vervollständigte im Neuen Museum in Nürnberg  das Kunstwerk „Wall“, eine Kreuzworträtsel-Collage des bereits verstorbenen Künstlers Arthur Köpcke mit einem Kugelschreiber. Hannelore K. meinte, es sei im Sinne des Künstlers, dass sein Werk vervollständigt werde. Aktuell wird gegen die Dame wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ ermittelt. Ihr Anwalt, Heinz-Harro Salloch geht davon aus, dass die 90-Jährige sich in einem „nicht vermeidbaren Verbotsirrtum“ befunden habe und damit schuldlos handelte, weshalb sie nicht bestraft werden könne.  Außerdem gehe es in dem Werk um die schöpferische Idee und auf der Collage stehe eindeutig „insert words“. Seiner Meinung nach hätte das Museum – wenn es nicht gewollt hätte, dass jemand das Kreuzworträtsel ausfüllt – Vorkehrungen treffen und das Werk absperren müssen. Er geht sogar soweit, dem Museum in der 7 Seiten umfassenden Einlassung „fehlende Sachkunde über diese Kunstart“ zu bescheinigen.

Der Kugelschreiber-Eintrag auf dem Kunstwerk konnte mittlerweile mit einem Lösungsmittel wieder beseitigt werden, was laut Angaben des Museums aber eine dreistellige Summe gekostet habe. Die Ermittlungen laufen aber weiter. Die Museumsdirektorin ist der Ansicht, dass man schließlich auch der Mona Lisa keinen Schnurrbart malen dürfe, was für den Anwalt ein Beleg dafür sei, dass auch sie die Kunstrichtung Fluxus nicht verstanden habe.

Der Anwalt der 90-Jährigen ist nicht nur der Ansicht, dass dem Museum kein Schaden entstanden sei, sondern das Kunstwerk eine Wertsteigerung erfahren habe, nachdem einerseits der ganze Vorfall in den Medien war und damit das Werk erstmals der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden sei und andererseits die „belebende Weiterverarbeitung“ durch die Mandantin den Wert gesteigert habe. Durch die „Weiterverarbeitung“ habe die Mandantin seiner Ansicht nach sogar ein eigenes Urheberrecht an dem Bild erworben. „Sie hat dem Willen des ursprünglichen Schöpfers folgend auf dem gleichen künstlerischen Niveau des Herren Köpcke weiter geschöpft“, schreibt Anwalt Salloch in der Einlassung, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Durch die anschließende Restaurierung des Werks sei das Urheberrecht von Hannelore K. zerstört worden, wodurch der Eigentümer des Werks, der es an das Museum verliehen hat, sogar Ansprüche gegen das Museum geltend machen könne, wenn das Museum die Lösung des Kreuzworträtsels ohne die Zustimmung des Eigentümers entfernen hat lassen.  Letztlich geht Salloch davon aus, dass Arthur Köpcke, der Schöpfer des Werks, bestimmt keine Strafanzeige gestellt hätte und das Strafverfahren gegen seine Mandantin eingestellt werden wird.

Fundstelle:
Süddeutsche.de vom 02.08.2016

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  • Der Überflieger

    Die gute Dame hat durchaus Recht. Arnulf Rainer ist mit seinen Übermalungen einst berühmt geworden! Er hat damals übrigens ebenso argumentiert, das Werk verschönert und wertvoller gemacht zu haben.

  • Thomas Wiep

    Was für ein Schwachsinn von seiten der alten Frau. Ob das Werk nun besonders reizvoll ist oder nicht aber das beschmieren eines Kunstwerkes nicht eingestehen wollen und die Unfähigkeit sich schlicht zu entschuldigen sind maßgeblich die Ursache für dieses Verhalten. Es ist einfach peinlich das sich hierfür noch ein Rechtsanwalt hergibt und dieses unverschämte Verhalten der Frau stützen will. Ich hoffe, hier werden keine Steuergelder verschwendet um die Überheblichkeit und Ignoranz dieser unverschämten Frau zu maßregeln.