Ein Alkoholtest und seine Folgen

Alkoholtest
Foto: Symbolbild

„Wegen zwei Schorlen und einem Ramazotti macht man in Deutschland so ein Theater.“ Ein 51-Jähriger aus Oberkirch im Ortenaukreis in Baden-Württemberg kämpft mit den Folgen einer Alkoholkontrolle, die er selbst noch verschärft hat. Er kritisiert den Ablauf der Kontrolle durch die Polizei und lässt sich in der Presse noch zu einer Drohung hinreißen, die eine vom Landratsamt angedachte Medizinisch-Psychologische Untersuchung wahrscheinlicher werden lässt.

Ausgangspunkt ist eine Trunkenheitsfahrt im Mai 2016 in der Stadt Oberkich. Wendelin Vogt wird von der Polizei angehalten, eine Blutprobe ergibt den Wert 1,5 Promille. Die Folge: Führerscheinentzug für acht Monate. Bis Januar heißt es nun abwarten für den 51-Jährigen. Gegenüber der Acher-Rench-Zeitung gibt Vogt jedoch an, dass es bei der Kontrolle nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Es soll Missgeschicke und Ungereimtheiten gegeben haben – „Was mir passiert ist, hat mit Normalität nichts mehr zu tun“. Die betroffenen Stellen dementieren das.

Mit einem absoluten Fahrverbot wollte Vogt sich nicht zufrieden geben, die Sache kam im August vor das zuständige Amtsgericht. Für seine Tätigkeit als selbstständiger Landschaftsgärtner und Weinbauer erstritt er die Ausnahme, zumindest landwirtschaftliche Fahrzeuge fahren zu dürfen. Gegenüber der Presse schildert Vogt den Vorfall aus seiner Sicht: „An jenem Abend im Mai war ich in einem Gasthaus, um mir ein Fußballspiel anzusehen.“ Er gibt an: „Ich habe nur zwei Weinschorlen und einen Ramazotti getrunken.“ Ohne größere Sorgen habe er sich deswegen mit dem Auto auf den Rückweg gemacht.

„Ich fuhr durch die Oberkircher Innenstadt, als auf einmal hinter mir die Blaulichter eines Polizeiwagens aufleuchteten.“ In einer Parkbucht hätte er angehalten, ein Polizist fragte ihn, ob er etwas getrunken habe. Dann ergab sich die erste Panne laut Vogt: „Ich sollte einen Atemalkoholtest machen, aber die Streife hatte das Gerät nicht dabei. Dieses wollten sie im Polizeirevier in der Hauptstraße holen, doch sie hatten keinen Schlüssel, so Vogt. „Der Kommissar telefonierte eine halbe Stunde dem Schlüssel hinterher, bis wir rein konnten und ich den Test machte.“ Er sei während der Wartezeit allein mit einer Polizistin im Wagen gesessen: „Ich hätte der sonst was antun können.“

Die Sprecherin des Polizeipräsidiums Offenburg, Nicole Jäger, widerspricht den Ausführungen von Vogt: „Die Kollegen können nachts auf den Posten Oberkirch. Hierzu verfügen sie über einen Schlüssel, den jede Streife bei sich führt.“ Jäger gibt auch an, dass die Beamten bei Kontrollen umsichtig vorgingen: „Der Grundsatz der Eigensicherung wird immer gewahrt.“

Der Atemalkoholtest ergibt 1,2 Promille, Vogt glaubt aber an eine Fehlmessung, lässt sich für eine Blutprobe ins Krankenhaus bringen. Es wurde aber nicht besser, im Gegenteil: Vier Wochen später schreibt ihm die Staatsanwaltschaft, dass bei der Blutabnahme im Krankenhaus 1,5 Promille festgestellt wurden. „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, gibt Vogt in Bezug auf das Ergebnis an. „Das kann einfach nicht sein.“ Vielleicht liegt ein Fehler oder eine Verwechslung vor, denkt Vogt. Doch Dieter Schleier, Leiter der Unternehmenskommunikation des Ortenau-Klinikums, führt aus: „In solchen Fällen wird die Blutprobe im Krankenhaus lediglich entnommen, nicht aber untersucht“. Einen Fehler bei der Blutprobe-Abnahme im Fall Vogt schließt er aus. „Die Polizei nimmt die Blutprobe nach Entnahme mit und die Untersuchung erfolgt in der Regel durch Gerichtsmediziner.“

Doch es gibt noch weitere unangenehme Nachrichten für Vogt: Das Landratsamt hat die Möglichkeit, Vogt zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung aufzufordern, bevor die Fahrerlaubnis wieder erteilt wird. Das war dem Unternehmer dann doch zuviel für die vermeintliche Lappalie: „Mein Betrieb ist gefährdet, wenn ich keinen Führerschein habe. Ich muss mich um meine pflegebedürftige Mutter kümmern, sie ist 85 Jahre alt. Und wegen zwei Schorlen und einem Ramazotti macht man in Deutschland so ein Theater.“

Dann folgt ein „Hinweis“, wie er es nennt: „In meinem Haus befindet sich die Stromtechnik für die Wasserversorgung von Bottenau. Um diese abzustellen, müsste ich nur einen Schalter umlegen.“ Wenn er die MPU über sich ergehen lassen muss – „dann tut es mir leid: Ich könnte den Strom abstellen.“

„Wenn die Stromversorgung unterbrochen wird, springt die Notversorgung an und die Stadtwerke erhalten eine Meldung. Dann reagiert der Bereitschaftsdienst“, gibt Tobias Vespermann, technischer Leiter der Stadtwerke Oberkirch, gegenüber der Presse Auskunft. Man werde die Drohung ernst nehmen. Vespermann bestätigt, dass sich in Vogts Anwesen der Stromanschluss für das Zwischenpumpwerk Bottenau befinde. „Im Ernstfall könnten Techniker ein Notstromaggregat installieren – außerhalb des Geländes von Herrn Vogt.“. Dass die Stadtwerke den dann entstehenden Schaden gegenüber Vogt geltend machen können, wäre die andere Seite.

Fundstelle:
bo.de vom 02.09.2016

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  • Prost

    Na Glückwunsch. Da haben wir einen saufenden Bauern (gut, davon haben wir im Lande viele), und der wird erwischt und dann ist er nicht einverstanden und heult auch noch rum.
    Der soll froh sein, dass er niemanden totgefahren hat mit seinen anderthalb Promille.
    Wer mit anderthalb Promille seine eigenen Füße noch findet (geschweigedenn ein Auto führen kann), ist – mindestens – Gewohnheitstrinker und hat als solcher auf der Straße schlicht nix mehr verloren.
    Und diesen Wert errreicht man auch mit „zwei Schorlen und einem Ramazotti“ nicht. Da braucht es schon (deutlich) mehr. Es sei denn, der Herr wiegt nicht mehr als 30 Kilo.

    8 Monate Sperre nach §§ 69,69a StGB ist EINE Sache.

    Neuer Lappen erst nach der MPU. Und so uneinsichtig wie der Kamerad drauf ist, wird er die nicht auf Anhieb bestehen.

    Wir lernen: Wer sein Mütterchen zu pflegen hat, der sollte halt erst recht nüchtern Auto fahren.

  • Marcus Woida

    „Mein Betrieb ist gefährdet, wenn ich keinen Führerschein habe“

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie vielen Menschen erst nach der Trunkenheitsfahr gewahr wird, dass sie ihren Führerschein brauchen, um ihre Existenz zu sichern.