Schlechte Zahlungsmoral beim NSU-Prozess

NSU-Prozess
Foto: Symbolbild

Es sollte eigentlich ein zusätzlicher Service für Zuschauer, Prozessbeteiligte, Journalisten und Justizangestellte beim NSU-Prozess am Oberlandesgericht München sein: Ein Caterer bot diverse Snacks wie Brötchen und Schokoriegel an. Die Bezahlung sollte auf Vertrauensbasis erfolgen. Nun wird der Verkauf eingestellt, da dem Unternehmen tausende Euro fehlen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Das Snackangebot im Nebenraum war für alle zugänglich. Der Verkauf erfolgte auf Vertrauensbasis. Ein Fehler, wie sich jetzt herausstellte. Als hätte der NSU-Prozess nicht schon genug für kuriose Meldungen gesorgt, kommt nun auch noch der Diebstahl von Lebensmitteln in Gerichtsräumen hinzu. In einer Email erklärt Andrea Titz, die Leiterin der Justizpressestelle, dass sich das Catering-Unternehmen beim Gericht beschwert hat. Die angebotenen Waren würden „gehäuft ohne Bezahlung“ entnommen. Dadurch sei ein Schaden in Höhe von mehreren Tausend Euro entstanden. Der „Imbissverkauf im Sicherheitsbereich“ wird „von sofort an eingestellt“.

Wer sich ein belegtes Brötchen holen wollte, warf einen Blick auf die Preisliste, die sich direkt neben der Schale fürs Geld befand. Sollte man es nicht passend haben, so diente das Geld in der Schale als Wechselgeld. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, waren die Kassendifferenzen schon länger bekannt: „Am Abend hat immer Geld gefehlt“. „Manchmal fehlten fünf Euro, manchmal auch 25 Euro. Es spricht einiges dafür, dass Geld auch direkt entnommen wurde.“

Der Kreis möglicher Täter ist groß: Besucher (darunter beispielsweise Studenten, Schüler, Rechtsextreme, Angehörige der NSU-Opfer und Journalisten) sowie Justizangestellte hatten Zugriff auf die Schale beim verkäuferlosen Angebotsstand, welcher auf dem Weg zur Toilette lag. Die Folge: Der Verkauf wurde vom Caterer eingestellt; übrig bleibt lediglich ein Wasserspender und ein Kaffeeautomat.

Fundstelle:
Süddeutsche.de vom 01. September 2016

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  • Detlef Burhoff

    „….Besucher, Journalisten und Angehörige der NSU-Opfer, Studenten, Schüler, Justizangestellte sowie Rechtsextremisten….“. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht, aber ich frage mich, warum die „Rechtsextremisten“ eine eigene „Unterkategorie“ sind? Auch an der übrigen Kategorisierung kann man zweifeln. Was sind „Studenten, Schüler“ aber auch die „Angehörigen…“ denn anderes als „Besucher“?

    • Besten Dank für den Hinweis! ;) War tatsächlich etwas unglücklich formuliert.

      • Detlef Burhoff

        Befinden sich ja in guter Gesellschaft, denn in der SZ steht es ja ähnlich.

  • DonJon

    Diese Zahlung auf Vertrauensbasis war ein Thema in dem schönen Buch Freakonomics.

    Fazit der dortigen Datenerhebung: Es besteht ein Unterschied je nach dem, wo das Catering angeboten wird; auf Etagen mit überwiegend Führungskräften waren diese unehrlicher, auf der Etagen der „gewöhnlichen Angestellten“ ehrlicher.

    Die sich aufdrängende Frage war dann, ob die Tätigkeit auf Führungsebene ursächlich war für diese Unehrlichkeit, oder diese Unehrlichkeit Voraussetzung für die Tätigkeit auf Führungsebene.

    Ein ganz wichtiger Aspekt hier dürfte auch die Frage sein, welches „soziale“ Risiko eingegangen wird. Ich vermute, dass eine Person, die häufiger bei Gericht tätig ist, es sich zweimal überlegt, ob man zugreift, da das auch auf einen zurückfallen kann, wohingegen ein Besucher derartige Probleme nicht hat.

    • Frank

      Interessante Gedanken und Fakten.

      Deckt sich mit der Erhebung im Hotelbereich: Je höher der Bildungsgrad des Gastes, desto mehr wird aus Hotelzimmern geklaut.