Spinnen auf Plakaten – Psychologe verklagt Stadt

Spinnen
Foto: Symbolbild

Der Ekel vor Spinnen und anderen vielbeinigen Insekten ist in Deutschland bekanntlich weit verbreitet. Mit der sehr bildhaften Werbung für eine Spinnen-Ausstellung macht man sich in Landsberg am Lech daher nicht überall beliebt. Ein Psychologe klagt nun gegen die Werbeplakate.

Es geht um eine Insekten- und Spinnenausstellung. Für diese wird in ganz Landsberg am Lech mit Plakaten geworben. Darauf abgebildet im Großformat die Fotos von Vogelspinnen und anderen Insekten.

Der Psychologe Dieter Trautmann hat für diese Form der Werbung kein Verständnis. Laut ihm gibt es in Deutschland über 200.000 Spinnenphobiker. Für diese sei die bildhafte Werbung eine unfreiwillige Therapie. Zwar sei es üblich, Phobiker mit Bildern ihrer Ängste zu konfrontieren, doch dürfe den Patienten keine Therapie aufgezwängt werden. Die ist nach der Meinung des Psychologen in Landsberg gerade der Fall. „Das ist genauso, wie wenn ich als Arzt jemandem ein Medikament spritze, ohne vorher sein Einverständnis eingeholt zu haben. Deswegen stellt es eine Körperverletzung dar.“, so Trautmann. Er klagt gegen Stadt und Betreiber der Ausstellung.

Dabei geht es ihm nicht nur ums Prinzip. Einige seiner Patienten erleben tatsächlich Beeinträchtigungen durch die Plakate. Eine Frau traut sich wegen der Bilder nicht mehr aus dem Haus, eine andere könne zumindest mit dem Auto nicht mehr durch die Stadt fahren und müsse Umwege in Kauf nehmen. Die Aufmerksamkeit von Phobikern wird von den Objekten, vor welchen diese Angst haben geradezu angezogen, erklärt Trautmann. Dies sei eine massive Gefährdung im Straßenverkehr. So könne ein Phobiker aus Panik das Lenkrad loslassen und in den Gegenverkehr geraten.

Der Leiter des Bauordnungsamtes teilte mit, dass die Plakatierung ordnungsgemäß beantragt und genehmigt wurde. Es gäbe daher keine Rechtsgrundlage, aufgrund welcher die Stadt eine Beseitigung der Werbung anordnen könnte. Man versprach jedoch, dafür zu sorgen, dass die Plakate nach Ende der Ausstellung zügig verschwinden.

Trotz der sicher nicht ganz unbegründeten Gedanken des Psychologen – viele Leute werden sich nun denken: „Der Mann -spinnt- doch“.

Fundstelle:
br.de vom 07.09.16

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  • Fabian Kösters

    Da freue ich mich mal auf die gerichtsentscheidung

  • lilienblüte

    Was kommt als nächstes? Eine allgemeine Leistungsklage dahingehend, große Plätze zuzubauen, weil Menschen mit Agoraphobie/Platzangst durch solche Plätze beeinträchtigt werden? Eine Klage auf ein allgemeines Hundehaltungsverbot, weil Menschen mit Canophobie durch Hunde beeinträchtigt werden? Oder doch lieber eine Klage auf das Verbot zu kleiner Räume, um Menschen mit Klaustrophobie zu unterstützen?

    • Nimulos Maltibos

      Als Klaustrophobiker verlange ich, dass ab sofort die Bahnen und Busse größer werden, damit ich auch zu Stoßzeiten mit Öffis verkehren kann. Und der Staat hat gefälligst alle Straßenzüge etc. mit Zwischenböden zu versehen, damit auch Leute mit Höhenangst am Fenster frische Luft schnappen können. Und die Anwendung von Ironie gehört eh verboten, um Leuten mit Angst vor Mistverständnissen nicht unnötiges Unbehagen zu verschaffen.