Bundeskanzla Makel und da Mörda: Gesetze gendern, aber richtig!

Gender
Foto: Symbolbild

In Deutschland gibt es über 200 Gender-Professuren. Am Bundesverfassungsgericht wurde die juristische Kompetenz durch Gender-Wissen ergänzt. Und selbst Grundschüler lernen schon, dass Geschlecht nur ein soziales Konstrukt ist. Lediglich beim Gesetzgeber hapert es noch. Es gibt aber durchaus innovative Verbesserungsvorschläge.

Der Täter, der Teilnehmer und der Mörder – diese Bezeichnungen finden sich noch immer im Strafgesetzbuch. Eine solche „Häufung maskuliner Personenbezeichnungen“ kann, wie es im vom Bundesjustizministerium herausgegebenen „Handbuch der Rechtsförmlichkeit“ heißt, schnell „den Eindruck erwecken, Frauen würden übersehen“ [1].

Besser ist es daher, so die Empfehlung in dem Handbuch, „Frauen direkt anzusprechen und als gleichermaßen Betroffene sichtbar zu machen“ [2], etwa durch sog. „Paarformen“, also die Nennung der männlichen und der weiblichen Bezeichnung [3].

Das ist schon mal nicht schlecht. Und so wurde z.B. die erhellende Erkenntnis „Einwohner der Gemeinde ist, wer in der Gemeinde wohnt“, mittlerweile in einigen Gemeindeordnungen durch die erheblich erhellendere Formulierung „Einwohnerin oder Einwohner ist, wer in der Gemeinde wohnt“ ersetzt [4].

Zudem sorgen Paarformen dafür, dass Gesetzesbezeichnungen einprägsamer sind. Belegt wird das z.B. durch das „Gesetz über die Vergütung von Sachverständigen, Dolmetscherinnen, Dolmetschern, Übersetzerinnen und Übersetzern sowie die Entschädigung von ehrenamtlichen Richterinnen, ehrenamtlichen Richtern, Zeuginnen, Zeugen und Dritten“.

Gut – aber nicht gut genug

Leider werfen Paarformen aber auch Fragen auf. So dient das „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ gemäß
§ 1 UWG „dem Schutz der Mitbewerber, der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie der sonstigen Marktteilnehmer vor unlauteren geschäftlichen Handlungen“.

Werden Mitbewerberinnen und sonstige Marktteilnehmerinnen durch dieses Gesetz nicht geschützt? Oder sieht der Gesetzgeber Frauen etwa nur als Verbraucherinnen? Und wenn ja, warum werden sie dann in weiteren Vorschriften des UWG nicht genannt, sondern nur die männliche Form verwandt? Fragen über Fragen…

Und das ist nicht das einzige Problem. Viel wichtiger erscheint, dass gesetzliche „Paarformen“ ignorieren, dass die „Gender-Forschung“ festgestellt hat, dass es erheblich mehr als zwei Geschlechter gibt – und das in einer Zeit in der man selbst bei Facebook zwischen 60 Geschlechtern wählen kann.

Besser – aber auch nicht gut genug

Doch der Gesetzgeber ist durchaus lernfähig, wie die am 1. April 2013 in Kraft getretene Neufassung der StVO belegt. Dort sind an die Stelle der Fußgänger, Mofa- und Radfahrer mittlerweile die „zu Fuß Gehenden“ „Mofa“ bzw. „Rad Fahrenden“ getreten.

Das ist im Hinblick auf die 58 anderen Geschlechter schon deutlich besser als „Paarformen“, auch wenn alle zu Fuß Gehenden gemäß § 25 Abs. 3 StVO „Fußgängerüberwege“ benutzen müssen und es laut § 36 Abs. 1, 5 und § 43 Abs. 3 StVO nur „Verkehrsteilnehmer“ gibt.

Allerdings stellt sich die Frage, was eigentlich passiert, wenn die zu Fuß Gehenden bzw. Mofa und Rad Fahrenden einmal anhalten müssen. Sind es dann stehende Gehende bzw. stehende Fahrende? Bedeutet die Regelung in
§ 19 Abs. 2 StVO, dass „zu Fuß Gehende in sicherer Entfernung vor dem Bahnübergang zu warten“ haben, dass sie dort auf der Stelle treten müssen? Und was ist eigentlich bei einem tödlichen Unfall? Sind tote Fahrende die Geisterfahrer, von denen man immer wieder in den Verkehrsnachrichten hört?

Zumindest die sprachlich-grammatikalische Auslegung stößt hier schnell an ihre Grenzen. Und es gibt auch viel bessere Möglichkeiten, Gesetze geschlechtssensibel zu gestalten. Das zeigen die innovativen Sprachideen des „Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien“ und der „Arbeitsgemeinschaft Feministisch Sprachhandeln“ (sic!) an der Humboldt Universität zu Berlin.

Besser als gut

In einem von der genannten Arbeitsgemeinschaft herausgegebenen „Sprachleitfaden“ wird u.a. vorgeschlagen, „er-Endungen“ durch ein „a“ zu ersetzen, also z.B. „unsa Lautsprecha“, „Türöffna, Computa oder „Drucka“ [5].

Noch weiter geht man bei „Xart-Splitta e.V.“, einem Verein, der sich „aktiv gegen vielfach verwobene unterdrückungsverhältnisse“ einsetzt [6] und dessen Aktivitäten auch durch eine Gender-Professorin der Humboldt Universität zu Berlin mit ihren “privilegierten möglichkeiten weiß zu sein, nicht-beHindert (sic!) zu werden (sic!) und ökonomisch abgesichert zu sein“ unterstützt werden [7]. Auf der Homepage dieses Vereins wird „er“ teilweise auch mitten im Wort durch ein „a“ ersetzt, z.B. „weitabewegen“ [8].

Die Eliminierung der Buchstabenfolge „er“ greift, wie die „AG Feministisch Sprachhandeln“ ausführt, die Idee einer „stärkeren Frauisierung von Sprache auf, um mit männlichen Assoziationen zu brechen“ [9]. Und nicht nur das. Sie hätte auch andere Vorteile – gerade für die Gesetzgebung.

Sicherlich – Angela Merkel wäre damit Bundeskanzla Makel. Das wird sie nicht unbedingt gut finden. Dafür könnte man mit der Word-Funktion „Suchen und ersetzen“ selbst umfangreiche Gesetze in ein paar Minuten durchgendern. Und wenn der Täter, der Teilnehmer und der Mörder zu „da Täta“, „da Teilnehma“ und „da Mörda“ werden denkt sich mancher Franke auch: „Endlich schreibd ma´s wie ma´s sprichd.“

Am besten: nicht dagegen sein!

Ablehnen sollte der Gesetzgeber diese Vorschläge übrigens besser nicht. Denn auf der Homepage von Xart Splitta e.V. wird auch dargelegt, wie man mit Andersdenkenden umgeht.

Zu den dort genannten „interventions-ideen_formen_inspirationen“ gehört nicht nur „laternenmasten gestalten und gehwege besprühen“, „aufkleba_poster_plakate_bilder abmachen_überkleben“, „kollektiv stören (…) damit z.B. öffentliche Vorlesungen verhindern“ und „kaugummis auf stühle von sexistischen mackertypen kleben“, sondern z.B. auch „seiten in (sic!) büchern rausreissen“ [10].

Bei ca. 2.000 Gesetzen und ca. 3.500 Verordnungen allein auf Bundesebene, wäre letzteres übrigens eine echte Herausforderung – aber wohl juristisch nicht ganz einwandfrei.

Nachweise:
[1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Handbuch der Rechtsförmlichkeit, 3. Auflage, Rn. 111, abrufbar unter http://hdr.bmj.de/page_b.1.html#an_110, zuletzt abgerufen am 1.10.2016.
[2] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, ebenda.
[3] Vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, a.a.O. Rn. 114.
[4] Siehe z.B. § 6 Abs. 1 GO Schl.-Holst.
[5] AG Feministisch Sprachhandeln, Leitfaden Sprachhandeln, 2. Auflage, abrufbar unter http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel4/ , zuletzt abgerufen am 1.10.2016.
[6] Xart Splitta e.V., Homepage, abrufbar unter http://www.xartsplitta.net, zuletzt abgerufen am 1.10.2016.
[7] Selbstbeschreibung von Lann Hornscheidt (Professur für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien) auf der Homepage von Xart Splitta e.V., abrufbar unter http://www.xartsplitta.net/menschen-bei-xart-splitta, zuletzt abgerufen am 1.10.2016
[8] Xart Splitta e.V., Homepage, abrufbar unter http://www.xartsplitta.net/xart_splitta_ist_fur_uns, zuletzt abgerufen am 1.10.2016.
[9] AG Feministisch Sprachhandeln, Leitfaden Sprachhandeln, 2. Auflage, abrufbar unter http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel4, zuletzt abgerufen am 1.10.2016.
[10] Xart Splitta e.V., Homepage, abrufbar unter http://www.xartsplitta.net/offene-liste-interventions-ideen-formen-inspirationen; zuletzt abgerufen am 1.10.2016.

Ein Beitrag von Prof. Dr. Arnd Diringer
Prof. Dr. Arnd Diringer ist Leiter der Forschungsstelle für Arbeitsrecht an der Hochschule Ludwigsburg. Ferner ist er Mitglied im Beirat des Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU e.V.).

Webseite: http://diringer-online.de/
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  • CB

    Man kann sich diesen ganzen Schwachsinn auch einfach sparen und stellt einfach eine Gleichstellungsbestimmung voran.

    Etwa so:
    „Status- und Funktionsbezeichnungen in diesem Gesetz gelten jeweils in männlicher und weiblicher Form.“

    • 1234

      WOW – da spricht ein wahrer FRAUENHASSER!!!!11

      aber mal im ernst: das („da Mörda“) ist total unrealistisch, vor allem weil es die Aussprache für die meisten vollkommen verändern würde
      da würde ich es einfacher finden, alle männlichen Formen in weibliche zu verwandeln und die Gleichstellungsbestimmung beizubehalten – die Männer verstehen das dann schon

      Na gut, die anderen 58 Geschlechter (?) haben dann halt immernoch ein riesiges Problem…

      • Nimulos Maltibos

        Genau, was fällt dir ein in deinem Gesetzestext von vor 3 Jahren nicht auch auf mein gerade selbst erfundenes Geschlecht Rücksicht zu nehmen?

  • Mensch

    Immer wenn ich diese Genderdiskussionen lese frage ich mich. Habt ihr sie eigentlich noch alle? Jemand der sich unterdrückt fühlt weil in einem Gesetzestext sein Geschlecht nicht ausdrücklich hervorgehoben wird, sollte sich dringends in Behandlung begeben.

  • unimog_andi

    Genda-Spinna!

  • Malt

    Verf verkennt Ziel und Methode geschlechterbewusster Sprache. Stammtisch kann er. Und Grundschul-Witze. Ganz groß!

    • Michael

      Was ist Ziel und Methode geschlechterbewusster Sprache?
      Ziel: Durch „Stammtisch kann er. Und Grundschul-Witze.“-Ausdrücke die Gegner solcher Sprachverrenkungen anzugreifen?
      Methode: Durch „Ganz groß!“-ähnliche Ausdrücke die Gegner der „geschlechterbewussten Sprache“ zu beschämen?

      Was genau soll diese „geschlechterbewusste Sprache“ an Mehrwert für die Gesellschaft bringen?

      • Malt

        Ihre Sätze ergeben keinen Sinn.

        Trotzdem folgende Erwiderung: Es gibt einige Argumente gegen genderbewusste Sprache. Für mich überwiegen die dafür. Darum geht es hier aber nicht (und deswegen werde ich Ihnen den „Mehrwert“ nicht erklären, erst recht nicht im Internet; das können Sie sich bei Interesse schon selbst anlesen). Hier geht es darum, dass ein in Ihren Worten „Gegner“ der genderbewussten Schriftsprache ins Absurde verzerrte Beispiele als Argumente einbringt, ohne sich – das kann man auch im Rahmen eines „lustigen“ Beitrags erwarten – ansatzweise mit Für und Wider derselben auseinanderzusetzen.
        „Kanzla Makel“ – was haben wir gelacht!
        Das ist Kindergartenniveau.
        Kann man machen. Greift man bestimmt auch ein paar der üblichen Claqueure ab. Aber von den an einer ernsthaften Debatte Interessierten wird man dann halt nicht ernstgenommen, auch als Prof nicht.

        • Michael

          „Aber von den an einer ernsthaften Debatte Interessierten wird man dann halt nicht ernstgenommen, auch als Prof nicht.“

          Ja, im inneren Zirkel dieser Eingeweihten scheint mann sehr schwer vordringen zu können.

          Zum „Für und Wider“ das Sie ja so energisch einfordern, gehört auch die „ansatzweise Auseinandersetzung“ mit dem Mehrwert einer „genderbewussten Sprache“.

          Bringen wir dadurch mehr Frauen in MINT? Auch die Frauen, die das nicht wollen? Was hat es denn dann für einen Wert, so eine Sprache zu verwenden?

          Ist vielleicht der Zwang, der dabei ausgeübt wird, diese Sprache zu verwenden, als „Mehrwert“ zu verstehen? Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der Zwang auf die Bürger ausgeübt werden soll?

          Oder wollen wir vielleicht die Bürger überzeugen?

          Wer überzeugen will, muss sich der Diskussion stellen. Wer nicht diskutieren will, sondern nur seine Meinung als die einzig richtige Wahrheit ansieht und alle anderen Menschen in seinem Sinne missionieren will, wird als tief religiös wahrgenommen.

          • Malt

            Ihre „Fragen“ betreffen weder den konkreten Text noch meine Kritik. Sie basteln sich erneut einen bloßen Scheinkommentar zusammen. Ich nehme an, dass Sie inhaltlichsgleiche Sätze nach dem Gießkannenprinzip unter jeden Artikel mit Genderbezug schreiben. Ihre Beiträge in der von Ihnen herbeiprovozierten „Diskussion“ wären von gleicher Natur, selbige also völlig fruchtlos für alle Beteiligten.

            Mir vorzuwerfen, ich würde mich nicht der Diskussion stellen, weil ich meine Zeit nicht dafür verschwende, einem Troll das Googlen abzunehmen, ist absurd. Die von Ihnen verlangte Diskussion findet statt. Nehmen Sie teil. Aber nicht hier.

            Sie können meinetwegen mit weiteren rhetorischen Fragen und Kommentarzitaten antworten. Ich verweise für Drittleser auf meine ursprünglichen Ausführungen zur Kritik am Artikel – dem ist nichts hinzuzufügen.

          • Havishem Coleman

            Ach Herr Malt, sie sind schon ein Schelm. Schaffen Fakten ohne Beleg und blassen Dunst von der Materie. Stammtisch können Sie. Und Grundschulwitze. Prima!

  • Sternzeichen Bananenmarmelade

    ich hab nach der Aussage ‚Geschlecht sei ein soziales Konstrukt‘ bereits Krätze bekommen…
    Ich weiß wie das alles gemeint ist, ja, aber Formulierungstechnisch ist es… ungünstig…
    Zumal das ganze Thema mir in letzter Zeit in den bizarrsten Formen sauer aufstößt. Nichts gegen Gleichberechtigung und Gleichbehandlung, ich bin dafür, nur wie das alles in einigen Bereichen aufgebauscht wird… und wie sich Leute aufregen, wenn man nur den kleinsten Halbsatz gegen diesen gefühlten Wahnsinn sagt.
    Seitdem irgendwo (ich weiß nicht mehr wo, sry) die Diskussion über ‚Ampelfrauchen‘ aufgetaucht war, hatte ich eh den Kaffee auf, weil es einfach vielfach in Dinge abschweift, die kein Schwein interessieren. Ist es für die Otto-Normal-Verbrauchsperson (ja Genderneutral bleiben, es könnte sich ja wer beschweren, Mimimimi!) (P.S. Person ist per deutscher Sprache übrigens Femininum, bezeichnet aber eigentlich alle Personen… erkennt jemand den Witz) wichtig ob in einem Gesetzestext, von dem man eigentlich weiß, dass er ALLE Personen gleich betrifft, ungeachtet des Geschlechtes, das in doppelt, drei und vielfacher ausführung steht? Soetwas sollte selbstverständlich sein, selbst wenn man nur, aus Entwicklungsrichtungen der Sprache her, die männliche Form steht. Das kommt halt aus Jahrhunderten heraus, so reden wir einfach. Meine Güte…
    Bei soetwas hab ich immer das Gefühl es gehen Steuergelder drauf, und das Ergebnis ist mehr als unterwältigend. Und am Ende werden wir vermutlich das Rad (oh, Neutrum, angenehm e_ê) neu erfinden, damit man ja Niemandem mehr auf den Schips treten kann…

    Am Ende des Tages klingelt es dann bei mir immer im Ohr von Peter Fox, aus dem Titel ‚Schwarz zu Blau‘:
    Und überall liegt ———, man muss eigentlich schweben…

  • 60 Geschlechter? Puh! Ich nehme Nr. 38, was ist das?

    • Glückwunsch! Du bist ein Pansexueller Tintenfisch!

      • Egon

        Sollte das wirklich TiNtenfisch heissen?

    • loopsam

      Angriffshelikopter.

    • Elisa Silbe

      Schon faszinierend wie stur das angeblich so freie und kreative Internet Formen wie „I sexually identify as an attack helicopter“ (vgl. z.B. know-your-meme) wiederholt statt wenigstens in der Schmähung von Minderheiten kreativ zu werden.

      Wie sich der Geschlechtsraum durch Annerkennung von anderen Geschlechtern verändern könnte und ob diese irgendwann strukturalisiert oder gar genormt werden, lässt sich natürlich nicht vorhersagen. Eine Möglichkeit um einen Teil der Komplexität abzubilden stellt indes das „Gender Unicorn“ (von Landyn Pann und Anna Moore). dar. Beschränken wir uns auf den gängigen Aspekte von indentität und lassen Darstellung und romantisch / geschlechtliche Anziehung einstweilen außen vor, so haben wir drei bei Geburt zugewiesene Geschlechter mal 3 Skalen. Gehen wir der Einfachheit von einer Skala: Nicht, Mittel, Hoch aus, so wären das 3^3*3 also 81 Möglichkeiten. Möglich, dass sich diese soziologisch clustern lassen und auf 60 reduzieren lassen, ich weiß aber nicht wie Facebook zu seiner Entscheidung gekommen ist. Das Geschlecht Nr 38, wäre dann (in aus aktivistischer Sicht sicherlich unbefriedigendem Vorzug des Geburtszuweisungsgeschlechts): Bei Geburt männlich zugewiesen (38/27 ohne Rest = 1, also im zweiten von drei möglichen Blocks) und hätte den Wert 11 (38-27) auf der Identitätsskala, also 0,1,2(X) 0,3,6, 0,9(X),18 . Diese Person würde sich damit stark als weiblich, nicht als männlich, und etwas als Drittes einschätzen, es würde sich also nach heutigem Sprachgebrauch um eine Transexuelle mit Transgenderanteilen handeln, eine bei Betroffenen übliche Bezeichnung wäre Demifemme (Halb-Frau). Ich gehe im folgenden davon aus, dass diese fiktive Person aufgrund der stärkeren weiblichen Identitätsanteile ein feminines Pronomen bevorzugt, in der Realität würde ich natürlich fragen.

      Mit diesem sehr einfachen Werkzeug nicht erfassbar sind : Verlaufsformen (Ist und war sie schon immer eher so? — schwer vorstellbar vor dem Hintergrund heutiger Zwangserziehung zu einem Geschlecht– gibt es auch Zeiten in denen ihre drittgeschlechtliche Seite überwiegt oder männliche Phasen?), Geschlechtsperformanz (wie kleidet sich unsere Demifemme, wie spricht sie?), ihre romantischen und sexuellen Interessen (verliebt sie sich überhaupt? Wenn ja, in wen? Welche Leute machen sie heiß?) und die Konfiguration ihrer geschlechtlich konnotierten Körpermerkmale (Hat sie Brust? Bart? Uterus, Ovarien, Testikel? Penis?) die Vorraussagen darüber erlauben, mit welchen Menschen sie Kinder bekommen könnte und wie sie von Menschen eingeschätzt wird die — immer noch von genau zwei Geschlechtern mit eindeutigen und konsistenten Geschlechtsmerkmalen ausgehen.

  • Ich weiß nicht, was das soll. Ehrlich nicht. Nehmen wir dieses Zitat aus dem Text:
    „Gesetz über die Vergütung von Sachverständigen, Dolmetscherinnen,
    Dolmetschern, Übersetzerinnen und Übersetzern sowie die Entschädigung
    von ehrenamtlichen Richterinnen, ehrenamtlichen Richtern, Zeuginnen,
    Zeugen und Dritten“

    Und jetzt, was man draus machen kann, ohne zu spinnen:
    „Gesetz über die Vergütung/Entschädigung von sachverständig, dolmetschend, übersetzend und ehrenamtlich richtend Tätigen sowie Bezeugenden und Dritten“

    • Elisa Silbe

      Sie benutzen damit eine Verlaufsform, die so im akademischen Umfeld durchaus gängig ist, aber von (üblicherweiße nur in dieser Hinsicht engagierten) Grammatikfreunden — ja, es sind meiner Erfahrung nach Männer– einerseits (was ist wenn sie gerade nicht tätig sind? Das ist so unästethisch) sowie Wo-soll-das-noch-hinführen-Polemisierenden (schon Grundschüler(!!!) können nicht mehr Goethe dafür aber drei Genderformen und sind Musterbeispiele für antisexistisches Handeln!!!!) andererseits gegeißelt werden wird.

      Sachlicher betrachtet: Das kann man durchaus so machen, es wirkt durch Minimalismus elegant und angemessen, lediglich sollte man es vollständig so machen, da ein paar eingestreute Maskulina die neutralen Formulierungen deutlich in Richtung Maskulinum verändern.

  • jansalterego

    Kommen Sie schon. Ich weiß ja, dass es zum klitzekleinen Einmaleins deutscher Comedy gehört, sich über Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache lustig zu machen. Aber zum einen ist das nun wirklich so originell wie Bananenschalen und zum anderen bringt man damit eine Denkfaulheit und mangelnde geistige Beweglichkeit zum Ausdruck, mit der man sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert – geschweige denn witzig wirkt. Vielleicht ist das von einem Prof, Juraprof zumal, zu viel verlangt, aber nur weil die stromlinienförmigen Studierenden (den Mädels vergeht das Lachen idR erst im Arbeitsleben der Großkanzlei) von heute pflichtschuldig glucksen, wenn das auszugsweise und „colorandi causa“ in der Vorlesung „Das AGG im Arbeitsrecht“ vorgetragen wird, bedeutet das nicht, dass es auf Seiten mit ansatzweise humoristischem Anspruch etwas zu suchen hätte.