Millionenerbe: 33 Jahre vor Gericht – und kein Ende in Sicht!

Testament
Foto: Symbolbild

Die beiden Enkel von Heinrich Faßbender, der 1935 die ARAG-Versicherung gründete, streiten sich seit 1983 vor Gericht um dessen Millionenerbe.

ARAG ist der größte deutsche Versicherungskonzern in Familienbesitz und gehört mit 6,6 Millionen Policen im Jahr 2015 zu den drei größten Rechtsschutzversicherern weltweit. Das Unternehmen beschäftigt ca. 3.800 Mitarbeiter und verbuchte letztes Jahr einen Umsatz von 1,72 Milliarden Euro. Hauptsitz des in insgesamt 17 Ländern aktiven Unternehmens ist Düsseldorf.

Seit 33 Jahren findet vor dem Düsseldorfer Landgericht nun der Prozess zwischen den beiden Enkeln des ARAG-Gründers statt und noch immer ist kein Ende in Sicht. Als der Sohn des Firmengründers Dr. Walter Faßbender 1972 starb, erbte wiederum dessen Sohn Paul-Otto Faßbender die Anteile am Unternehmen. Seit 1998 ist er Mehrheitsaktionär des ARAG-Konzerns.

Bereits im Jahr 1983 wurde Paul-Otto Faßbender (70) von seiner eigenen Schwester Petra (66) verklagt. Grund war das Testament, in dem Paul-Otto die Anteile am Konzern vererbt wurden, während seine kleine Schwester lediglich eine finanzielle Abfindung erhalten sollte. Diese hängt vom Wert des Unternehmens ab, welcher sich nach der Rendite des Eigenkapitals bemisst.

Nachdem der Prozess 5 Jahre lang geruht hatte, kam diese Woche endlich ein vor sieben Jahren beauftragter Gutachter zu Wort. Dieser sollte sich zum Wert des Unternehmens äußern, um die Höhe des Ausgleichsanspruchs bestimmen zu können. Da das Unternehmen in den 70er Jahren nur wenige Millionen wert gewesen sein soll, will Paul-Otto lediglich 7 Millionen Euro Abfindung zahlen. Seine Schwester bleibt jedoch hart und verlangt weiterhin 15 Millionen Euro von ihrem großen Bruder.

Rechtlich problematisch ist unter anderem, dass es bereits 1989 einen Beweisbeschluss gab. Seitdem wurden immer weitere Ergänzungsgutachten eingeholt. Inzwischen seien sogar einige Prozessbeteiligte verstorben, erklärte Gerichtssprecherin Dr. Elisabeth Stöve.

Wann der Prozess zu Ende sein wird, ist noch nicht abzusehen. Anfang Februar werde es eine Entscheidung des Gerichts geben. Allerdings ist noch nicht klar, ob dabei ein Urteil ausgesprochen werde oder es lediglich zu einem weiteren Beweisbeschluss komme. Sicher ist jetzt schon: Es handelt sich um einen der längsten Zivilprozesse Deutschlands. Bisher gab es 9 Verhandlungstage seit 1984 – da waren die beiden beisitzenden Richterinnen noch gar nicht geboren. Paul-Otto Faßbender sagte, der Prozess sei eine unnötige Ressourcenverschwendung. Er wolle nicht die nächsten 30 Jahre weiter prozessieren. Einen von ihm vor vier Jahren vorgeschlagenen Vergleich lehnte die Schwester ab, nachdem sie herausgefunden hatte, dass auf die angebotenen 10 Millionen Euro fast 40 Prozent Steuern angefallen wären.

Fundstellen:
n24.de
express.de

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  • Nimulos Maltibos

    Der junge Anwalt zu seinem Vater: „Gute Neuigkeiten: Den Erbschaftsprozess, den du mir übertragen hast, habe ich gewonnen!“ „DU IDIOT! Mit diesem Prozess habe ich jahrelang unsere Familie ernährt, dein Studium bezahlt und du hättest dir damit eine gute Existenz aufbauen können!“

  • Anette_Halbestunde

    Schönes Beispiel von: Geld verdirbt den Charakter.