Potsdamer-Behördenwahnsinn: Hundekot-Regelung für Blinde

Hundekot

Eine blinde Potsdamerin wurde immer wieder beschimpft, weil sie das Häufchen ihres Blindenhundes nicht entfernte und beantragte daher eine Ausnahmegenehmigung beim Ordnungsamt. Diese wurde ihr zuerst verwehrt, nun lenkt das Rathaus aber doch ein.

Auslöser des ganzen Streits ist eine Anfrage von Nicole Einbeck, der Vorsitzenden des Beirats für Menschen mit Behinderung in Potsdam. Die 46-Jährige ist blind und auf ihren treuen Führhund „Jona“ angewiesen. Sie gibt an, immer wieder von Passanten beschimpft zu werden, wenn sie das Geschäft ihres Hundes nicht entferne, da sie es schlichtweg nicht sehen könne.

Aus diesem Grund wollte sich Einbeck beim Ordnungsamt eine schriftliche Ausnahmegenehmigung ausstellen lassen, die sie im Zweifelsfall vorzeigen kann. Das Amt lehnte jedoch ab und fand zur Begründung sehr deutliche Worte: „Sehbehinderte Halter könnten schließlich mit der Hand den Rücken des Hundes entlang fahren – so dass sie merken, wo ungefähr der Kot liegt.“ Dies sei den Sehbeeinträchtigten auch zumutbar, da es spezielle Zangen mit einem langen Griff zur Entfernung der Häufchen gebe.

Das Ordnungsamt beruft sich bei seiner Argumentation auf die Stadtordnung: „Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig die durch von ihm mitgeführten Tiere verursachten Verunreinigungen und Beschädigungen an Verkehrsflächen und Anlagen nicht unverzüglich beseitigt.“ Ausnahmen seien nicht möglich, da sonst ein Präzedenzfall geschaffen werde, der zum Nachahmen provoziere.

Nicole Einbeck und der städtischen Behindertenbeauftragten Christoph Richter sehen dies anders. Einerseits sei den sehbeeinträchtigten Mitmenschen das „Ertasten“ des Hundekots unzumutbar. Andererseits gebe es sowieso in ganz Potsdam gerade einmal drei Blindenhunde. In anderen Kommunen wären Ausnahmeregelungen gang und gäbe.

Nachdem das ZDF das Verhalten des Ordnungsamtes in der Sendung „Länderspiegel“ zum „Hammer der Woche“ gewählt hatte, lenkt nun auch das Rathaus ein. Eine Ausnahmeregelung für Blinde würde favorisiert, ließ der Stadtsprecher mitteilen. Außerdem würde man sich sehr freuen, wenn die Bürger Hilfe leisten würden, anstatt über die blinden Hundeführer zu schimpfen, meint dasjenige Amt, das bisher eine Ausnahmeregelung verweigerte.

Fundstelle:
pnn.de vom 27.09.16

Video:
zdf.de vom 24.09.2016

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  • „Nicole Einbeck und der städtischen Behindertenbeauftragten Christoph Richter sehen dies anders.“
    2 ’n‘ überflüssig.