30-jähriger Lügenmeister muss in Haft

Lügenmeister
Foto: Symbolbild

Ein 30-jähriger Unterallgäuer muss für 22 Monate ins Gefängnis, weil er mit einem umfangreichen Lügengerüst seine Freundin beeindrucken wollte. Mit fatalen Folgen für die Betroffenen. Dabei war der Mann erst vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden und wollte sich ein ehrliches Leben aufbauen. „Irgendwann ist Schluss“, befand Richterin Barbara Roßdeutscher.

Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, wurde der 30-Jährige August vergangenen Jahres vorzeitig aus der Haft entlassen und auch sonst lief es anfangs nicht schlecht: Einen neuen, gut bezahlten Job und den Vorsatz, auch auf dem legalen Weg erfolgreich zu werden. Doch der vermeintliche Vorsatz hielt nur wenige Wochen, wie sich in der Verhandlung vor Gericht herausstellte.

Der Angeklagte baute ein Lügengerüst auf, in das er sich immer weiter verstrickte: So gab er gegenüber seiner Freundin an, er habe nach dem Tod seiner Mutter mehrere Friseursalons geerbt, die er ihr gerne überschreiben wolle. Einer Kollegin seiner Freundin bot er in der selbstverständlich nicht existierenden „Haarscharf GmbH“ eine leitende Funktion an und versprach ihr hierfür ein fürstliches Gehalt von monatlich 3600 Euro. Wie vermutet, erhielt die neue „Angestellte“ kein Geld. Stattdessen musste sie an den Angeklagten für ein vermeintliches Notebook vorab 150 Euro Anzahlung leisten.

Auch die Freundin des Mannes musste sich vor Gericht verantworten, da sie als für die „Haarscharf GmbH“ vermeintliche Inhaberin auftrat und in dieser Funktion Arbeitsverträge mit ihrer Kollegin unterzeichnete, sie aber bei keiner der zuständigen Stellen anmeldete. Die 28-Jährige sagte aus, ihr sei nicht klar gewesen, dass „alles erstunken und erlogen sei“. Das Verfahren gegen sie wurde schließlich eingestellt, auch wenn Richterin Barbara Roßdeutscher nicht vollkommen von ihrer Ahnungslosigkeit überzeugt war.

Für die neue „Angestellte“ kam es schlimmer, nachdem sie anfangs noch keinen Verdacht geschöpft hatte. Nach einem Besuch beim Arzt wurde aber klar, dass sie gar nicht krankenversichert war. Da die Frau herzkrank ist, hätte dies schlimm enden können. Die Betrogene fragte beim Angeklagten an, der aber wahrheitswidrig beteuerte, sie wäre längst angemeldet und sie solle sich doch an die „Buchhaltung“ wenden. Vor Gericht sagte die Betroffene als Zeugin aus: „Das war dann nicht mehr witzig“. Nicht mehr witzig fanden das auch die Sozial- und die Krankenversicherung, die mittlerweile von beiden Angeklagten nicht bezahlte Versicherungsbeiträge einfordern. Da beide Angeklagten hoch verschuldet sind, dürfte dies wenig erfolgreich sein, auch für die vermeintliche Angestellte und eine weitere Geschädigte.

Der Angeklagte finanzierte mit den eingenommenen Geldern seinen gehobenen Lebensstil und Reisen. Dazu bot er der 30-Jährigen auch unter falschem Namen eine Mietwohnung an und verlangte für die Kaution und Möbel, die sie übernehmen wollte und für die erste Miete insgesamt 1190 Euro. Doch dem „Vermieter“ gehörte die Wohnung nicht. Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte bei den beiden Frauen, „auch wenn’s nichts bringt“.

Erhebliche kriminelle Energie bescheinigte der Anklagevertreter dem Mann, es sei „phänomenal“, auf welche Gedanken der Angeklagte gekommen sei und damit einen beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Auch die Rückfallgeschwindigkeit und das lange Vorstrafenregister sprechen gegen jegliche günstige Sozialprognose, so dass trotz des Geständnisses nur eine Haftstrafe in Betracht käme. Diese soll bei einem Jahr und zehn Monate liegen.

Seine Verteidigerin Anja Mack trat dem entgegen und sprach sich für deutlich niedrigere Strafen aus: „Ich denke, er hat’s verstanden“, sagte sie und führte aus, dass der Angeklagte zumindest im Fall der „Haarscharf GmbH“ außer Ärger und Verdruss nichts von seinen Lügen gehabt habe. Richterin Barbara Roßdeutscher berücksichtigte das bei der Urteilsfindung dem Grunde nach, aber auch die Tatsache, dass der Angeklagte die Betroffenen ins Unglück gestürzt habe. Da die beiden Frauen keine Krösusse seien, sei der finanzielle Verlust für sie sehr schmerzhaft. „Sie hatten eigentlich die besten Chancen“, sagte sie zu dem Angeklagten. Doch mit seinem Verhalten fühlten sich nun diejenigen bestätigt, die ohnehin Vorbehalte gegenüber ehemaligen Häftlingen hätten.

Der Angeklagte wurde schließlich wie vom Staatsanwalt beantragt zu einer 22-monatigen Haftstrafe verurteilt. Richterin Roßdeutscher fand deutliche Worte. „Irgendwann ist Schluss“, sagte sie. „Ich kann nur hoffen, dass Sie endlich verstehen, dass man so nicht durchkommt – außer im Gefängnis. Es kann nicht weniger werden, Mengenrabatt gibt es hier nicht.“

Fundstelle:
augsburger-allgemeine.de
vom 25.11.2016

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