5 Millionen geklaut, 1 Million in Free2Play-Spiel investiert

Free2Play
Foto: gameofwarapp.com

Ein Arbeitnehmer des im US-Bundesstaat Kalifornien angesiedelten Baumaschinenhändlers „Holt“ konnte jahrelang unentdeckt das Geld seines Arbeitgebers in den Fortschritt seines Smartphonespiels „Game of War“ investieren. Innerhalb von knapp sieben Jahren betrog er seinen Arbeitgeber dabei um knapp 5 Millionen US-Dollar. Dabei schaffte es der leitende Angestellte in nur zwei Jahren, die Spielehersteller um 1 Million US-Dollar reicher zu machen. Das Spielemodell Free2Play (F2P) ist nicht zwingend mit Gratisspiel gleichzusetzen, das musste fast jeder Smartphone-Nutzer schon einmal feststellen.

Unentdeckt Geld abgezweigt

Dass ein Arbeitgeber hierzulande nicht merken würde, wenn er um 5 Millionen Euro betrogen würde, ist anhand solch spektakulärer Kündigungsprozesse wegen Stromklau im Wert von 0,02 Euro, um das Smartphone aufzuladen, 1,30 Euro wegen eines Pfandbons oder eines heimlich gefutterten Brötchens kaum vorstellbar. In den USA geht so etwas scheinbar problemlos. In Kalifornien gab es wieder einmal einen unspektakulären Prozess zu einer spektakulären Tat: 5 Millionen US-Dollar hat der Angestellte nach seinem eigenen Schuldeingeständnis am Arbeitgeber vorbei erwirtschaftet.

Der Angeklagte, Kevin Lee Co, bekannte sich des Überweisungsbetrugs und der Geldwäsche für schuldig. Das Strafmaß ist derzeit noch nicht bekannt, eine Rückzahlung jedoch unausweichlich. Sein Betrugsmodell sah relativ simpel aus. Der Controller überwies nach eigenen Angaben zwischen Mai 2008 und Dezember 2015 monatlich Beträge in Höhe von jeweils unter 10.000 US-Dollar (Meldegrenze für Banken) von der unternehmensinternen Kreditkarte, welche ihm überlassen wurde. Er bezahlte mit der Kreditkarte zudem für Luxusautos, Football-Eintrittskarten, Mobiliar, eine Mitgliedschaft im örtlichen Golfclub, Schönheitsoperationen und gab bei Machine Zone Inc., dem kalifornischen F2P-Hersteller etwa eine Million US-Dollar für sein offensichtliches Lieblingsspiel Game of War aus.

Free2Play Games hoch umstritten

Machine Zone Inc. ist nicht nur für Game of War bekannt, auch das einem ähnlichen Spielprinzip unterliegende „Mobile Strike“ stammt aus deren Spieleschmiede. Wieviel Gewinn das Unternehmen aus dem Prinzip F2P zieht, wird einem spätestens dann bewusst, wenn Supermodels in der Halbzeitpause des Megaevents „Superbowl“ für das Spiel Werbung machen. Diese Werbeplatzierung gilt als die teuerste weltweit. So sollen 2016 die Kosten für 30 Sekunden Werbespots bei 5 Millionen US-Dollar gelegen haben. Das Prinzip dieser Spiele ist simpel: Man baut in immer gleichen Mustern – aber mit jeweils unterschiedlich aufgehübschten Grafiken – strategische Kommandoposten um gegen feindliche Angriffe von anderen Spielern gewappnet zu sein oder versucht durch hochzurüstende Truppen dem Gegner sein Gold, Holz, Öl, oder was im Spiel sonst für Ressourcen nötig sind um den Ausbau der eigenen Landkarte voranzutreiben, abzuluchsen. Der einzige Zweck des Spiels liegt darin, den Spieler so lange am Fortschritt zu hindern, bis dieser die ständig eingeblendeten Kaufoptionen endlich wahrnimmt.

Auch in Deutschland sind F2P-Modelle höchst umstritten. So fordert inzwischen auch die Verbraucherzentrale NRW vom Gesetzgeber, dass F2P-Modelle konsequent preistransparent gestaltet werden müssen und man im Vorfeld bereits über die möglicherweise anfallenden Kosten des „Gratis“-Spiels informiert wird.

Ein Beitrag von Michael Scheyhing
Michael Scheyhing ist Gründer und Herausgeber von GamesLaw.online - In seinem Blog schreibt er über Rechtliches zum eSport, Gaming und über andere medienrechtliche Themen. Er ist Referendar am OLG Nürnberg und ist nebenbei in der Kanzlei Dr. Kreuzer & Coll. im Bereich IT-, Medien- und Gamesrecht tätig.
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