Bier-Prozess: Streit um Auto aus Kronkorken-Gewinnspiel

"Gemeinsamer Umtrunk“ als Zweck einer GbR?

Kronkorken-Gewinnspiel
Foto: Symbolbild

Ein junger Mann gewinnt in einem Brauerei-Gewinnspiel ein Auto. Den Bierkasten mit dem Gewinner-Kronkorken hatte er jedoch gemeinsam mit Freunden gekauft, nun wurde er verklagt.

Eine Clique aus fünf guten Freunden aus Schmallenberg im Sauerland reiste im Frühjahr 2015 ein Wochenende an den nordhessischen Edersee. Vier Personen fuhren mit ihren Motorrädern zum gemeinsamen Wochenendhaus, während eine Person mit dem Auto anreiste und auf dem Weg zwei Kästen Bier an einer Tankstelle kaufte. Als die Freunde am Abend zusammensaßen, fand der jetztige Beklagte ein Autosymbol auf der Innenseite eines achtlos auf den Tisch geworfenen Kronkorkens einer Flasche, die einer der Beteiligten für den Beklagten geöffnet hatte.

Der Kronkorken war Teil eines Gewinnspiels „Öffnen, gewinnen, abfahren“ der Brauerei Krombacher. Verlost wurden insgesamt 111 Audi A3 Sportback im Wert von jeweils ca. 30.000 €. Wer einen der Kronkorken mit dem Auto-Symbol vorzeigen kann, gehört zu den glücklichen Gewinnern.

Die Krombacher Brauerei übergab daraufhin dem jungen Mann seinen Gewinn. „Für uns ist der der Gewinner, der den Kronkorken besitzt“, sagt Brauereisprecher Franz-Josef Weihrauch. Die Brauerei habe sich keine Gedanken darüber gemacht, dass es bei einer Bierkiste mit mehreren Flaschen zu einem Streit kommen könnte.

„Gemeinsamer Umtrunk“ als Zweck einer GbR?

Daraufhin zog eine der Mitreisenden vor Gericht. Die Klägerin ist der Meinung, dass die Freunde bereits vor Fahrtantritt eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gebildet hätten. Zweck der GbR sei der „gemeinsame Umtrunk“. Vor dem Ausflug habe man sich darauf geeinigt, alle Kosten untereinander aufzuteilen. Vor der Rückfahrt hätten die Freunde alle Ausgaben für Essen, Ferienwohnung und Getränke addiert und durch fünf geteilt. Dabei sei sogar das Pfand für die Bierkästen berücksichtigt worden, macht die Klägerin geltend. Sie fordert ihren gerechten Anteil von 5736 Euro. „Es habe keine gemeinsame Freude gegeben. Vielmehr sei der gemeinsame Umtrunk am Abend nicht mehr gemütlich, sondern sehr schnell beendet gewesen, weil die Mitfahrer des Beklagten offensichtlich neidisch auf den Gewinn gewesen wären“, zitierte der Gerichtssprecher aus der Argumentation des Beklagten.

Der Fall hört sich an, wie aus einem Jura-Lehrbuch. Eine Entscheidung des Gerichts liegt noch nicht vor. Gerichtssprecher Johannes Kamp meint aber, dass die Argumentation nicht vollkommen abwegig sei: „Es ist nur die Frage, inwieweit man solche rechtlichen Konstrukte auf ganz normale Lebenssituationen übertragen kann.“ Ob die Freunde nach diesem Vorfall noch Freunde sind, ist nicht bekannt. Im Februar 2017 werden sie sich jedenfalls vor dem Landgericht Arnsberg treffen, wenn der Fall verhandelt wird.

Fundstellen:
spiegel.de
LTO.de

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