Eltern drohen Krampus mit juristischen Konsequenzen

Krampus
Foto: Symbolbild

Der Auftritt eines Krampus aus dem Landkreis München bei einer Nikolausfeier hatte nun ein böses Nachspiel: Per Brief forderten ihn die Eltern eines Kindes auf, sich für einen Klaps mit der Rute zu entschuldigen. Die Eltern argumentieren mit dem „Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung“ (1631 Abs. 2 BGB), welches es den Personensorgeberechtigten verbietet, ein Kind zu schlagen oder ihm auch nur einen Klaps zu geben. Der Mann, der den Krampus spielte, sieht für eine Entschuldigung jedoch keinen Anlass.

Der Advent 2016 wird Georg Loidl noch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Anfang Dezember veranstaltete die Spielvereinigung Höhenkirch eine Nikolausfeier für die Junioren-Fußballerinnen. Einen Monat nach seinem Auftritt wurde ihm ein Beschwerdebrief vorgelegt. Für seinen Einsatz der Rute soll er sich bei den Eltern eines Mädchens entschuldigen. Bereits seit 26 Jahren tritt Loidl als Krampus auf, doch sowas hat er noch nie erlebt.

Zu der Veranstaltung waren auch die Eltern eingeladen. Für die jungen Kickerinnen im Alter zwischen neun bis zehn hatten die Vereinstrainer jeweils kleine Verse und Geschenke vorbereitet. Wie es Tradition ist, war auch der Nikolaus samt Krampus anwesend. Während der Nikolaus die Kinder lobte, verteilte der kettenrasselnde Krampus auch ab und zu einen Klaps mit der Rute. „So wie es eben Brauch ist“, gab Loidl gegenüber der Zeitung an. Dass er einem Kind einmal zuviel Angst gemacht hätte, daran kann Loidl sich nicht erinnern. Das gilt auch für die besagte Veranstaltung, dort hätte es keinerlei Anzeichen gegeben, dass ein Kind Angst gehabt hätte.

Doch dann kam der Beschwerdebrief, in dem stand: „Wir möchten Sie hiermit darauf hinweisen, dass es in Deutschland gesetzlich verboten ist, ein Kind zu schlagen oder ihm auch nur einen Klaps zu geben (siehe BGB § 1631 sowie das „Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung“ aus dem Jahr 2000)“. So formulieren es die Eltern eines Mädchens, das einen Klaps mit der Rute vom Krampus bekommen hat. Weiter heißt es: „Wir erwarten, dass sich der Krampus bei uns meldet, sich entschuldigt und versichert, dass er von solchen gesetzeswidrigen Maßnahmen künftig Abstand nimmt.“

Das Schreiben ging zuerst an den Burschenverein als Organisator des Auftritts. „Ich werde mich dafür nicht entschuldigen“, sagt Loidl gegenüber dem Merkur.„Der Krampus ist ein Stück bayerisches Brauchtum.“ Der Trainer der jungen Mädchen, Thomas Körwien, bedauert den Vorfall und hatte bereits vergeblich versucht, mit den Eltern ein klärendes Gespräch zu führen. Loidl will seinen Dienst als Krampus nicht aufgeben. Das bayerische Brauchtum hat für ihn einen wichtigen Stellenwert.

Juristisch gesehen hat der Krampus wenig zu befürchten: § 1631 Abs. 2 BGB richtet sich an die Eltern, die (im Regelfall) Inhaber der elterlichen Sorge (§ 1626 BGB) sind, nicht an den Krampus. Ein Klaps mit der Rute kann zwar grundsätzlich je nach Intensität eine Körperverletzung darstellen, sofern man mit der Teilnahme an einer Nikolausfeier in Bayern nicht bereits eine Einwilligung des (einsichtsfähigen) Kindes oder jedenfalls der Eltern (§ 228 StGB) annimmt, weil dort im Rahmen des Brauchtums mit solchen Klapsern zu rechnen ist, ist ein Absehen der strafrechtlichen Verfolgung wegen Geringfügigkeit (§ 153 StPO) naheliegend.

Fundstelle:
merkur.de vom 02.01.2017

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  • Schlarnhaufer

    Arme Eltern,
    mental retardiert und ein Schiefauge in der Interpredation von realen Dingen.
    Dabei merken sie es nicht wie armselig sie daherkommen.
    Arme Tradition
    Arme Kinder

  • Thomas

    Der nicht zulässige Klaps bezeichnet doch wohl eine verniedlichte Form von Schlagen.
    Das, was der Krampus gewöhnlich tut, scheint mir eher ein -gespielter- Klaps zu sein.

    Ich nehme an, viele Regisseure haben damit zu kämpfen, dass ihnen die Eltern ihrer Darsteller Briefe schicken und darauf hinweisen, dass Mord in Deutschland verboten ist.