Künstler muss wegen Liegestütze auf Altar zahlen

Liegestütze
Foto: „Pressure to Perform“ Alexander Karle

Der Künstler Alexander Karle ist vom Amtsgericht Saarbrücken wegen Hausfriedensbruch und Störung der Religionsausübung zu einer Geldstrafe von 700 Euro (70 Tagessätze zu je 10 Euro) verurteilt worden. Vorausgegangen war dem noch ein Strafbefehl in Höhe von 1500 Euro, gegen den der Künstler Einspruch einlegte. Karle hatte für eine Performance auf dem Altar der Basilika St. Johann 30 Liegestütze gemacht. Er kündigte an, das Urteil in der Berufung prüfen zu lassen.

Was war passiert?

Der 38-Jährige bestieg im Januar 2016 den Altar der Basilika St. Johann in Saarbrücken um Liegestütze zu machen. Die Aktion, mit der er nach eigenen Angaben Kritik an der Leistungsgesellschaft üben will, hielt er auf Video fest:

Nachdem die Kirchenverantwortlichen davon Kenntnis erlangt hatten, erstatteten sie Strafanzeige und stellten Strafantrag wegen Hausfriedensbruch (§ 123 StGB). Die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelte nach Angaben des Südwestrundfunks zudem wegen Störung der Religionsausübung (§ 167 StGB) und beantragte beim Amtsgericht Saarbrücken den Erlass eines Strafbefehls gegen Karle in Höhe von 1500 Euro. Der Künstler wehrte sich mittels Einspruch gegen die Entscheidung und verwies auf die Kunstfreiheit, so dass das Gericht Termin zur mündlichen Verhandlung bestimmte.

In seiner Entscheidung machte das Gericht klar, dass auch der Kunstfreiheit durch das Strafrecht Grenzen gesetzt sind. Auch die Staatsanwältin Carola Hilgers-Hecker äußerte sich in diese Richtung: „Die Kunst- und Meinungsfreiheit hat nicht uneingeschränkt Geltung. Sie findet auch ihre Grenzen, zum Beispiel im Strafgesetz und im Grundrecht anderer.“

Alexander Karle sagte aus, er bereue die Tat und wollte keine Gefühle verletzen. Er habe der Symbolkraft des Altars „ein anderes Symbol zufügen“ wollen. Nun will der Künstler das Urteil mit der Berufung anfechten. Sein Verteidiger Robin Sircar: „Es mag Unfug gewesen sein, aber ein beschimpfender Charakter war es nicht“. Richterin Judith Simon sagte, dass dem Angeklagten im Umgang mit anderen das Gespür dafür fehle, was angemessen ist und was nicht. Wenn ein Altar einer Turnmatte gleichgesetzt werde, bringe dies objektiv eine Missachtung zum Ausdruck. Ob es sich bei der Aktion um Kunst gehandelt habe, könne deshalb dahinstehen. Auch die Kunstfreiheit könne nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort verwirklicht werden.

Das Video der Aktion ist nach wie vor online abrufbar. Es gibt auch positive Reaktionen: So ist unter anderem eine Ausstellung und Diskussion in einer Kirche der Pfarrgemeinde St. Johann geplant.

Fundstellen:
sr.de vom 17.01.2017
LTO.de vom 17.01.2017
Amtsgericht Saarbrücken. Urteil vom 17.01.2017, Az.: 115 Cs 192/16

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