Notruf zu höflich: Polizist wimmelt Opfer ab

Notruf
Foto: Symbolbild

Der Sachverhalt klingt kaum nachvollziehbar: Ein Jugendlicher fühlt sich bedroht und setzt einen Notruf ab. Der Polizeibeamte, der das Telefonat entgegennahm, wimmelte den Anrufer einfach ab. Der junge Anrufer sei einfach zu höflich gewesen. Nun folgte die Verurteilung des Beamten.

Ein Jugendlicher fühlte sich akut bedroht von anderen jungen Männern. Er wählte daher die Notruf-Nummer 110 und landete bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Schwaben Nord. Als er dem 53-jährigen Beamten am anderen Ende der Leitung seine Situation schildert, passiert das unfassbare – der Beamte wimmelt den Anrufer in seiner Notlage einfach ab, statt Hilfe auszusenden. Kurze Zeit später wurde der Jugendliche tatsächlich von mehreren Tätern zusammengeschlagen und verletzt.

Der beschuldigte Beamte erhielt zunächst einen Strafbefehl über 4.800 Euro (80 Tagessätze). Gegen diesen legte er Widerspruch ein, sodass es zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Augsburg wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Körperverletzung im Amt durch Unterlassen kam. Vor Gericht legte der Beamte dar, er habe den Notruf völlig falsch eingeschätzt. Der Anrufer hätte völlig entspannt geklungen und er habe seine Notlage nicht ernst nehmen können. Auch der Vorgesetzte des Polizisten bezeichnete den Anruf als „absolut ungewöhnlich“. Der Geschädigte fand in der Gerichtsverhandlung deutliche Worte: „Das war einfach Scheiße.“

Anders als der Polizeibeamte interpretierte die Vorsitzende Richterin das Geschehen. Der Beamte habe bewusst falsche Tatsachen vorgeschoben, um den Anrufer aus der Leitung bekommen. Damit habe er einen „immensen Schaden für das Ansehen der Polizei“ herbeigeführt. Im Urteil erhöhte die Richterin das Strafmaß auf 100 Tagessätze zu je 60 Euro. Der Angeklagte hatte vorher mit dem Anrufer ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro vereinbart und sich für sein Fehlverhalten entschuldigt.

Quelle:
sz.de vom 16.02.17

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