Reichsbürger verliert bei Streit fast beide Arme

Reichsbürger
Foto: Symbolbild

Ein 37-jähriger Mann aus Werdohl (Märkischer Kreis) verletzte einen der Reichsbürgerszene zugehörigen Mann aus Schalksmühle (54) so schwer mit einer Kettensäge, dass dieser mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden musste. Der 54-Jährige, der sich trotz neuer Eigentumsverhältnisse weiterhin am Hof aufhält, erschien mit einer Eisenstange auf dem Grundstück, als der vermutlich neue Miteigentümer gerade Arbeiten an einem Zaun durchführte. Es kam zum Streit, der schließlich eskalierte. Polizei und Staatsanwaltschaft haben umfangreiche Ermittlungen aufgenommen.

„Der Schalksmühler ist schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt“, gab Marcel Dilling, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis gegenüber der Zeitung „come-on.de“ an. Das Opfer erlitt bei der Auseinandersetzung massive Verletzungen an beiden Unterarmen mit hohem Blutverlust. Knochen und Gewebebereiche sind geschädigt. Hintergrund sind Liegenschaftsstreitigkeiten über einen früheren Hof im Bereich Schnarüm/Römerweg in unmittelbarer Nähe des Autobahnanschlusses Lüdenscheid-Nord.

Mehrfach wehrte sich der Schalksmühler nach Auskunft des Amtsgerichts Lüdenscheid gegen die Zwangsversteigerung seiner Immobilie. 2015 erhielt eine Frau aus Werdohl mittlerweile rechtskräftig den Zuschlag. Doch der 54-Jährige weigerte sich weiterhin, den Hof zu verlassen. Zwangsmaßnahmen finden nur auf Antrag statt: „Wann nach dem Urteil ein Antrag auf Zwangsräumung gestellt wird, liegt im Ermessen des Ersteigerers. Ob das in diesem Fall passiert ist, kann ich nicht sagen“, erklärte Amtsgerichts-Direktorin Anke Ditzler gegenüber „come-on.de“.

So war der Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hagen auch am Tattag in dem Gebäude, als der wohl neue Miteigentümer zusammen mit seinem Sohn Demontage-Arbeiten an einem Zaun durchführte und hierbei auch eine Kettensäge als Werkzeug zum Einsatz kam. „Der 54-Jährige kam daraufhin aus dem Haus gelaufen und hatte eine Eisenstange in der Hand. In der Folge kam es zu einer Auseinandersetzung und den schweren Verletzungen des Schalksmühlers“, gibt Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli an.

Bestätigen wollte die Staatsanwaltschaft bisher noch nicht, dass es sich bei dem Verletzten um einen Reichsbürger handelt. Der Staatsschutz sei aber an den Ermittlungen beteiligt. Der 54-Jährige ist Mitglied der „Justiz-Opfer-Hilfe Deutschland“. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Personen, welche der Szene angehörige Unterstützer vor Gericht – selbstverständlich mit den einschlägigen Thesen – „vertreten“.

Das Opfer soll zudem unter der Bezeichnung „König von Preußen“ und „Markgraf des Märkischen Kreises“ für die Organisation unter anderem Urkunden, die mit der Ortsbezeichnung Schalksmühle versehen sind, unterzeichnet haben. „Wir werden sicherlich auch die in der Klinik liegende Person vernehmen, sobald ihr Gesundheitszustand entsprechend stabil ist. Das wird aber etwas dauern“, so Pauli. Auch eine Notwehrreaktion mit der Kettensäge durch den 37-Jährigen sei nicht auszuschließen, es werde in alle Richtungen ermittelt.

Wie die Staatsanwaltschaft ebenfalls bestätigte, wurde der Tatverdächtige nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen ohne Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Ob es bereits zuvor polizeilich bekannte Auseinandersetzungen zwischen den Kontrahenten gab, konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht mitteilen.

Fundstelle:
come-on.de vom 25.02.2017

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