Jobcenter muss Hartz-IV-Empfänger keine Börsentermingeschäfte finanzieren

Börsentermingeschäfte
Foto: Symbolbild

Das Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen hat entschieden, dass ein Grundsicherungsempfänger nach dem Sozialgesetzbuch II. Buch (SGB II) keinen Anspruch auf Förderung einer Selbständigkeit hat, die im erhofften Gewinn aus Börsentermingeschäften besteht.

Ein langjähriger Hartz-IV-Empfänger aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont begehrte von seinem zuständigen Jobcenter 60.000,00 € Startkapital für die Ausübung eines sog. „Day-Trading mit Index-Futures“ als selbständige Tätigkeit. Er meinte, an monatlich 10 Arbeitstagen und einer Erfolgsquote von min. 80 % Einnahmen in Höhe von 6.400,00 € erzielen zu können. Nach Abzug aller Abgaben, Steuern und Darlehensraten würde noch immer ein Gewinn von monatlich 2.200,00 € für den Lebensunterhalt verbleiben. Seine Markteinschätzung beruhe auf der bereits im Mittelalter bekannten „Candlestick Charting Technique“. Die Einzelheiten des Day-Trading seien in Büchern von Joe Ross beschrieben. Nach seiner Einschätzung sei das Vorhaben daher wirtschaftlich tragfähig, krisensicher und stelle einen verlässlichen Vorgang dar, mit dem der Lebensunterhalt von zu Hause aus verdient werden könne. Ein besonders hohes unternehmerisches Risiko sei nicht gegeben.

Das Landessozialgericht vermochte sich dieser Argumentation nicht anzuschließen. Das von dem Grundsicherungsempfänger beabsichtige Geschäftsmodell des Termingeschäfts sei mit dem Förderungssystem des SGB II grundsätzlich nicht vereinbar. Nach dem Gesetz bestehe vielmehr ein erwerbszentriertes Leistungssystem, in dem die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit mit Bezug zum Arbeitsmarkt angestrebt werde. Eine rein private Vermögensverwaltung zur Vermögensbildung und zur Erzielung regelmäßiger Einnahmen sei hingegen insgesamt nicht förderungsfähig. Eine solche Tätigkeit führe weder zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses noch zu einem selbständigen Gewerbebetrieb.

Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Sozialgerichts Hannover wurde im Ergebnis zurückgewiesen.

Quellen:
Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen: Urteil vom 13.12.2016 – L 7 AS 1494/15 -, veröffentlicht bei www.sozialgerichtsbarkeit.de; Vorinstanz Sozialgericht Hannover (S 70 AS 1754/14).
Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Pressemeldung vom 15.02.2017.

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  • Sonny White Sommerwind

    Was es für Prozesse alles gibt… der nächste kommt mit Business Plan als Hütchenspieler oder Antänzer

    • Manuel Brückner

      Frechheit
      Meine Finanzierung haben se vor einem Jahr auch nicht bewilligt. Nicht mal ein Führerschein bekomme ich bezahlt

  • Franz Strauß

    Ich möchte auch meine Zockerei bezahlt haben ,statt 10% sind sogar 360%drin. System Roulette