Mörder hat Recht auf Toupet im Gefängnis

Toupet
Foto: Symbolbild

Ein zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder in Neuseeland hat Anspruch auf Rückgabe seines Toupets, welches die Gefängnisleitung nach seiner Inhaftierung einzog, entschied der New Zealand High Court in Auckland. Die weitergehende Klage auf Schadenersatz wies das Gericht allerdings zurück.

Bereits seit 1996 sitzt der weitgehend kahlköpfige Mann wegen Mordes im Gefängnis. Der Mann hatte im Alter von 17 Jahren einen Jungen missbraucht und Jahre später dessen Vater erstochen. Während eines Freigangs im November 2014 setzte sich der Mann mit einem gefälschten Pass samt Toupet auf dem Kopf nach Rio de Janeiro ab. Später wurde er gefasst und die Justizvollzugsanstalt zurück verbracht. Wegen der Flucht wurde er zu weiteren 33 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Gefängnisleitung ließ das Toupet bei der Wiederinhaftierung beschlagnahmen.

Vergeblich forderte der Verurteilte die Behörde auf, ihm das künstliche Haupthaar zurück zu geben. Schließlich erhob der Mann selbst Klage gegen die Gefängnisbehörde nach dem New Zealand Bill of Rights Act 1990, ein Gesetz, welches zur Sicherung der Menschenrechte und Grundrechte in Neuseeland verabschiedet wurde. Vor Gericht sagte der Häftling aus, die Jahre nach seiner Rückführung ins Gefängnis waren die schlechtesten in seinem Leben, weil die Medien in Neuseeland damals Fotos von ihm mit Glatze auf den Titelseiten verbreitete: „Ich fühlte mich niedergeschlagen, degradiert und gedemütigt“ gab er an.

Der Haarausfall sei bei ihm bereits in den frühen Zwanzigern zum Vorschein getreten. Außerdem sei das Haarteil ein Kunstwerk und damit durch das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit geschützt. Die Gefängnisbehörde wurde von Vicki McCall von der Generalstaatsanwaltschaft vertreten: Sie gab an, bei der Entscheidung der Gefängnisleitung handelte es sich um eine „interne organisatorische Angelegenheit“, über die Gerichte nicht entscheiden sollen. Doch das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Entscheidung der Gefängnisleitung gegen das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit verstoße.

Die Gefängnisleitung hat nun zwei Wochen Zeit, ihre damalige Entscheidung zu überdenken. Der Richter argumentierte, die Behörde habe keinen vernünftigen Grund anführen können, warum ein Gefangener kein Toupet tragen könne. Sicherheitsbedenken seien jedenfalls nicht ersichtlich. Die Forderung nach 5000 neuseeländischen Dollar (etwa 3270 Euro) Schadensersatz wies das Gericht jedoch zurück.

Ein Sprecher der Gefängnisbehörde sagte, man erkenne das Urteil an und werde die Entscheidung zum „Toupet-Bann“ überprüfen.

Fundstellen:
spiegel.de vom 16.03.2017
nzherald.co.nz vom 16.03.2017

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