Sexspielzeug-Hersteller zahlt Entschädigung für spionierenden Vibrator

Vibrator
Foto: Standard Innovation

Zur Zahlung von insgesamt 3,75 Millionen Dollar an US-Kunden hat sich der Sexspielzeughersteller Standard Innovation im Rahmen einer Sammelklage bereit erklärt. Der Grund: Die smarten Vibratoren schickten heimlich Daten über die Steuerungs-App an den Hersteller über die Einstellungen der Kunden. Zwei Kunden klagten daraufhin vor einem Bundesbezirksgericht auf Entschädigung, die der Hersteller nun in unterschiedlicher Form anbietet.

Damit wird der Streit um die Sammelklage durch die Parteien beigelegt, wie aus dem 60-seitigen Gerichtsdokument hervorgeht. Standard Innovation ist Hersteller von sogenannten We-Vibe-Vibratoren, welche sich via App am Smartphone steuern lassen. Dabei fanden allerdings Sicherheitsexperten heraus, dass die für die Steuerung der Vibratoren benötigte App auch heimlich Nutzerdaten aufzeichnete und diese an den Firmenserver schickte. Erfasst wurden darunter die Intensität der Vibrationen, die eingestellte Temperatur und die Frequenz der Nutzung. Der verbundene Vibrator kann über das Internet gesteuert werden und der Nutzer kann über Video- und Textchat mit dem Partner kommunizieren. Das läuft jedoch über die Server des Herstellers, zudem verlangen viele Funktionen eine Registrierung mit einer Mail-Adresse.

Auf der Hacker-Konferenz Defcon brachten die Experten vor, dass das Sex-Spielzeug einfach manipuliert werden könne. Der Hersteller entgegnete zwar, dass es keine Hacks des Sexspielzeugs gegeben habe und der einzelne Nutzer nicht identifiziert werden könne, trotzdem klagten aber zwei Kunden vor dem zuständigen Gericht. Das Sammeln verstoße untere anderem gegen mehrere Gesetze im US-Bundesstaat Illinois und gegen ein Überwachungsgesetz auf Bundesebene. Die gesammelten Daten könnten nach Ansicht der Kläger sehr wohl eine Identifikation der Nutzer ermöglichen. Zudem hätten die Käufer vor dem Kauf nicht wissen können, dass für die Verwendung des Vibrators das Sammeln und Überwachen dieser Daten notwendig sein würde. Zur Einigung und Beilegung der Sammelklage hat der Hersteller nun eine gestaffelte Lösung angeboten: Diejenigen, die beweisen können, dass sie die App zur Kontrolle des Vibrators verwendet haben und ihren Namen und ihre Telefonnummer angeben, erhalten bis zu 10.000 Dollar Schadenersatz, wobei sich die genaue Höhe nach der Anzahl der betroffenen Kunden berechnet. Diejenigen, die nur die Rechnung einreichen, sollen bis zu 200 Dollar bekommen. Der Vibrator war wegen seiner Datensammlung auch für die Big Brother Awards nominiert.

Standard Innovation zeigte sich in einem Statement erleichtert über die Beilegung der Sammelklage und verwies auf seine verbesserte App: So kläre man nun deutlicher über die Datensammlung auf, die Sicherheit der App sei erhöht worden und der Nutzer habe mehr Möglichkeit zum Steuern der Datenübertragung. Seit Oktober müssen Nutzer unter anderem kein Konto mehr anlegen und können das Teilen der Daten unterbinden. Darüber hinaus „arbeitete man mit führenden Experten für Sicherheit und Datenschutz weiter an der Verbesserung der App.“

Fundstelle:
futurezone.at vom 12.03.2017
Heise.de vom 11.03.2017

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  • Christian Krause

    Wenn ich eine Nachricht ueber fehlenden Datenschutz lese reagiere ich immer sehr erregt. Sowas sollte nicht vorkommen, aber scheinbar finden es Hersteller geil, orale oder schriftliche Beschwerden einfach so wegzublasen und zu tun, als sei das nix wert.