Der angehende Anwalt und die Stripperin

Stripperin
Foto: Symbolbild

Ein 32-jähriger Rechtsassessor musste sich vor dem Amtsgericht Würzburg wegen des Vortäuschens einer Straftat verantworten. Das Gericht hatte eine Stripperin als Zeugin geladen, die aber trotz mehrmaliger Ladung nicht erschien. Das Gericht konnte den Sachverhalt auch so aufklären. Für den angehenden Anwalt kann die Verurteilung aber die Versagung seiner Anwaltszulassung bedeuten. Am Schluss stand eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro.

Warum die Stripperin nicht als Zeugin vor Gericht erschien, blieb unaufgeklärt. Richter Thomas Behl hatte die Zeugin nun insgesamt dreimal geladen. Man brauche sie aber nicht unbedingt, gab Behl an und behielt Recht. Der Angeklagte hatte in einer Partynacht sein Smartphone in einem Bordell verloren. Den Diebstahl zeigte er aber erst Wochen später unter Angabe falscher Umstände an: So sei der Tatort in der Straßenbahn oder an einer Haltestelle gewesen, und zwar um fünf Uhr Morgens, wobei sich am Tatort auch eine Gruppe Disko-Besucher herumgetrieben haben soll. Die Polizei ermittelte und bat den Netzbetreiber um Auskunft, der mitteilte, dass sich eine Frau mit dem Pseudonym „Party-Schnecke“ schon vor Wochen auf dem Gerät eingeloggt habe.

Hinter dem Pseudonym verbarg sich die Stripperin, die bei ihrer polizeilichen Vernehmung angab, dass sie das Gerät im Raucherbereich eines Würzburger Clubs, genauer in der Ritze einer Couch, gefunden habe. Dann habe sie beim Türsteher nachgefragt, ob ein Gast das Gerät vermisse. Dies war nicht der Fall, so dass sie sich dachte: „Entweder der meldet sich noch oder ich behalte es, nachtragen müssen wir dem das nicht.“

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Peter Moekesch, fuhr für seinen Mandanten schwere Geschütze auf: mit Entscheidungen des Bundesgerichtshofes und Anmerkungen aus Kommentaren, versuchte er eine günstige Entscheidung für den Juristen zu erreichen. Bei der Aufnahme der Anzeige bei der Polizei seien zwei „Alpha-Tiere“, ein dynamischer Jurist an der Schwelle zum Rechtsanwalt und ein „alter Cowboy“ im Rang eines Polizeihauptkommissars aneinander geraten. Er verglich die Situation mit Experimenten im Chemie-Unterricht: Da habe es Substanzen gegeben, die beim Mischen zwangsläufig einen Knall auslösten.

So hätte der Beamte beim Abruf der Daten zum Anzeigeerstatter festgestellt, dass es gegen den sehr selbstbewusst auftretenden jungen Juristen schon wiederholt Ermittlungen gegeben hatte und dabei hätte er sich gedacht: „Und so einer will Anwalt werden, dem Bürschle zeige ich es mal.“ Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten schließlich das Verlustdatum bei der Anzeige. Der Polizist habe, so der Anwalt, den 5. Dezember als Datum eingetippt, weil das Programm eine Datumseingabe erfordere. Auf dieses Datum habe man sich geeinigt. Das Smartphone war zu diesem Zeitpunkt aber schon längt im Besitz der Stripperin.

Verständlich sei es, dass der Angeklagte „gestohlen“ statt „im Puff verloren“ angegeben habe, das würden viele andere Männer genauso machen. Dabei sei für seinen Mandanten im Vordergrund gestanden, wieder an die SIM-Karte und damit an wichtige Daten zu kommen. Versicherungsbetrug sei nie im Raum gestanden. Am vierten Verhandlungstag wurden schließlich noch zwei schon etwas ältere Polizeibeamte vernommen, die mit dem Kollegen, der die Anzeige voreingenommen aufgenommen haben soll, in einem Zimmer arbeiten. Sie sollten das allgemeine Arbeitsklima beschreiben.

An den konkreten Fall könne man sich aber „bei Hunderten von Anzeigen, die wir aufnehmen“ nicht mehr erinnern. Richter Thomas Behl bezweifelt, dass der Polizeihauptkommissar, den er bereits aus vielen anderen Vernehmungen kenne, dem Angeklagten einfach „eine reinwürgen wollte“. Die beiden Beamten gaben aber an, dass ihr Kollege schlecht höre und lauter als üblich spreche. Beim Anzeigeerstatter könne so fälschlicherweise der Eindruck einer feindseligen Grundeinstellung entstanden sein.

Der Angeklagte wurde schließlich wegen Vortäuschens einer Straftat zu einer Geldstrafe von 3000 Euro (50 Tagessätze zu je 60 Euro) verurteilt. Das Verfahren für die Zulassung als Anwalt bei der Rechtsanwaltskammer Bamberg ist bereits über ein Jahr ausgesetzt. Dort wird man erst nach rechtskräftigem Abschluss des Verfahrens weiter entscheiden. Das kann noch etwas dauern, zudem laufen weitere Ermittlungen gegen den Juristen, weil er bei der Anzeigenerstattung als Beruf „Rechtsanwalt“ angegeben habe, was er aber noch nicht ist.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt.

Fundstelle:
mainpost.de

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