„Batman“ wegen Umsatzsteuerbetrugs vor Gericht

Batman
Foto: Symbolbild

Einem Briten wird vorgeworfen, den deutschen Fiskus um 125 Millionen Euro betrogen zu haben. Dies gelang dem Mann, der sich „Batman“ nennt, mithilfe von Mitarbeitern der Deutschen Bank. Nun steht er deswegen vor Gericht.

Am 10. Januar wurde der Brite Peter Singh Virdee am Flughafen London Heathrow festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft ihm vor, der Drahtzieher eines Umsatzsteuerkarussells zu sein. Der Geschäftsmann, der sich selbst „Batman“ nennt, kam mit dem Flugzeug aus Abu Dhabi und wollte offenbar zu seinem Firmensitz nach London weiterreisen. Gegen eine Kaution von 150.000 Pfund kam er kurz nach seiner Festnahme wieder auf freien Fuß. Der Westminster Magistrates Court muss jetzt über seine Auslieferung nach Deutschland entscheiden, wo ihm eine lange Freiheitsstrafe droht, sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als wahr erweisen.

Umsatzsteuerbetrug mit CO2-Zertifikaten

Peter Singh Virdee soll der Drahtzieher eines Umsatzsteuerkarussells sein. Ihm wird vorgeworfen, den deutschen Staat um 125 Millionen Euro betrogen zu haben. Laut SPIEGEL ONLINE funktioniert die Masche so: „Eine Truppe von Geschäftsleuten importierte CO2-Zertifikate steuerfrei aus einem EU-Land nach Deutschland, schleuste sie durch zahlreiche Scheinfirmen und führte sie über die Deutsche Bank wieder aus Deutschland aus. Der Trick bestand darin, sich bei der Ausfuhr vom Fiskus 19 Prozent Umsatzsteuer erstatten zu lassen, die in Wahrheit nie entrichtet worden war.“

Auf die Spur der Betrüger gelangten die Ermittlungsbehörden wohl auch, weil diese mit ihrem Reichtum protzten und es so richtig krachen ließen. Eine Gruppe britischer Staatsbürger indischer und pakistanischer Abstammung feierten regelmäßig am Rande von Formel-1-Rennen in Abu Dhabi rauschende Partys. Dazu charterten man unter anderem die Luxusjacht „Moonlight“ und ließ dort die Champagnerkorken knallen. Auf einer Leinwand über der Bar stand „Thanks to carbon credits“„Dank Emissionszertifikaten“.

„Es gehört in Dubai zum Allgemeinwissen, dass mit Umsatzsteuerhinterziehung in Europa eine Menge Geld zu verdienen ist“, wird ein Gast der Party zitiert. Emissionszertifikate sind einfach zu kaufen, blitzschnell online handelbar und es fallen keinerlei Transport- oder Lagerkosten an.

Peter Virdee Singh soll sich mit diesem Handel besonders gut auskennen. „Batman“ brachte es so zu großem Reichtum. Er gehört zur britischen High Society und hat sogar schon der Queen die Hand schütteln dürfen. Auf diversen Veranstaltungen plauderte er mit Popsternchen Rihanna und Hollywoodstar Al Pacino.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ist sich sicher, dass zumindest ein Teil seines immensen Reichtums aus dem Umsatzsteuerbetrug stammt. Peter Singh Virdee wird vorgeworfen, Kopf der Bande von Geschäftsleuten zu sein, die den Betrug rund um die CO2-Zertifikate perfektioniert hat. Andere Angeklagte sagen aus, dass „Batman“ bereits im Jahr 2000 in den Emissionshandel involviert war. Außerdem soll das gesamte Kapital für die späteren Betrügereien von ihm zur Verfügung gestellt worden sein. Auch Bestechungsgelder sollen gezahlt worden sein.

Deutsche Bank involviert

Der Gewinn betrug logischerweise immer 19 Prozent, nämlich die Höhe der Umsatzsteuer. Davon gingen angeblich drei Prozent an die Bank und vier Prozent waren als Provisionen in der betrügerischen Lieferketten gedacht. Ein Prozent stellten die Bankgebühren dar. Die restlichen elf Prozent waren Reingewinn. Ein lohnendes Geschäft!

Nun muss der Westminster Magistrates Court über die Auslieferung von Peter Virdee Singh nach Deutschland entscheiden, damit er dort von der Staatsanwaltschaft angeklagt werden kann. Wieso sich Peter Virdee Singh als „Batman“ bezeichnet, ist nicht bekannt.

Andere Mitglieder der Bande wurden bereits vom Frankfurter Landgericht zu langen Freiheitsstrafen wegen Betrugs verurteilt. Außerdem laufen Verfahren gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank, ohne deren Hilfe die Betrugsmasche nicht möglich gewesen wäre. Die Urteile gegen die Bankangestellten sind noch nicht rechtskräftig.

Fundstelle:
spiegel.de

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  • wolfi

    Die „Deutsche Bank“ ist ja in so viele Skandale weltweit verwickelt …
    Wie fühlt man sich denn da als normaler Kunde – einfach nur verarscht, oder?