Island: Frauen dürfen „oben ohne“ ins Schwimmbad

oben ohne
Foto: Symbolbild

Nach Einschätzung des isländischen Anwalts Unnar Steinn Bjarndals gibt es in Island keine rechtliche Grundlage für einen Bikini-Zwang in öffentlichen Badeanstalten.

Der „Sports and Leisure Council“, also der Rat, der sich mit Sport- und Freizeitfragen beschäftigt, hatte angefragt, ob es rechtlich möglich wäre, Frauen dazu zu zwingen, beim Schwimmen in öffentlichen Bädern einen Bikini oder einen Badeanzug zu tragen. Die Verantwortlichen wollten damit klarstellen, inwiefern Bekleidungsvorschriften in Schwimmbädern rechtlich durchzusetzen seien und welche Anforderungen an solche Regelungen gestellt werden müssten.

Bisher ist es in Island genauso wie in vielen anderen Ländern eine „ungeschriebene Regel“, dass Frauen ihre Brüste in der Öffentlichkeit verdecken müssen, während Männer oberkörperfrei Sport betreiben dürfen.

Aufgrund der Einschätzung des Anwalts haben die Städte Reykjanesbær und Reykjavík inzwischen eine öffentliche Stellungnahme abgegeben. Demnach dürfen Männer und Frauen beim Baden in der Öffentlichkeit tragen, was sie wollen, solange sie – auch aus hygienischen Gründen – eine Badehose oder ein Bikiniunterteil tragen.

Unnar Steinn Bjarndals geht davon aus, dass eine Bikini-Pflicht gegen die Gleichbehandlung von Mann und Frau verstoßen würde. Eine solche Regelung würde Frauen diskriminieren.

Auch in Deutschland ist die öffentliche Nacktheit nicht explizit verboten. Durch einige gerichtliche Entscheidungen ist „oben ohne“ Baden und Sonnen in Strandnähe faktisch legalisiert. An anderen Orten in der Öffentlichkeit kommt es darauf an, ob sich hierdurch jemand belästigt fühlen könnte. Ob Frauen barbusig ins Freibad dürfen, hängt hierzulande von der Hausordnung der Badeanstalt ab. Der Bademeister kann bei Zuwiderhandeln ein Hausverbot aussprechen.

Eine Kuriosität des deutschen Rechts stellt in diesem Zusammenhang § 183 StGB dar. Darin heißt es: „Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Der Deutsche Gesetzgeber hat also nur exhibitionistische Handlungen von Männern unter Strafe gestellt. Frauen gehen demnach straffrei aus.

Eine Erregung öffentlicher Ärgernisse im Sinne des § 183 a StGB können aber beide Geschlechter begehen: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 183 mit Strafe bedroht ist.“

Fundstelle:
grapevine.is

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  • Torbinat0r

    das foto ^^

  • Heiko-Gerhard Hacker

    Da ist also das NICHT tragen eines Oberteils von Frauen bereits eine Sexuelle Handlung?