Schafherde überfrisst sich und stirbt – Schäfer klagt

Schäfer
Foto: Symbolschaf

Eine Geschichte der Kategorie „traurig kurios“, die sich bereits vor vier Jahren ereignete und nun vor Gericht endete. Hunderte Schafe brachen eines Nachts vom Weideplatz aus und fraßen sich sprichwörtlich zu Tode. Der eine Schäfer verklagte seinen Kollegen auf Schadensersatz – immerhin eine 6-stellige Summe.  Das angerufene Gericht machte jedoch kurzen Prozess.

Es wurde spät an einem Sommerabend im Münchner Stadtteil Fröttmaning. Auf der Panzerwiese, einer großen Heidefläche, kampierten die Schäfer Hermann S. und Josef R. im Wohnwagen. Zusammen mit einer 1200 Tiere fassenden Schafsherde. Vier, fünf oder sechs Bier seien schon geflossen, genau wisse man es nicht mehr. Als man gegen drei oder vier Uhr nachts nochmal nach dem Rechten sehen wollte, hat man die Katstrophe entdeckt:

Die Schafe haben ihren Nachtpferch niedergetrampelt und haben zielstrebig einen nahen Futterspeicher angesteuert. Der komplette Haufen Getreide wurde auf einen Schlag vertilgt. Es war der Vorrat für die nächsten eineinhalb Wochen. Eine so große Menge an Getreide ist für die Wiederkäuer jedoch nicht verträglich. Ein großer Teil der Herde erkrankte daher an der sogenannten Pansenazidose. Mehr als 550 Schafe überlebten die Folge des Fressgelages nicht.

Auf über 170.000 Euro beziffert Hermann S. den ihm entstandenen Schaden. Dieses Geld wollte er klageweise vom Kollegen R, respektive dessen Tierhalterversicherung erstreiten. Der Hund des R. sei aus dessen PKW ausgebrochen, über den Stromzaun gesprungen und habe dadurch die Herde in Panik versetzt. Dadurch hätten die Tiere den Zaun niedergetrampelt und in der Folge den Getreidevorrat vernichtet. Auslöser sei folglich der Hund des R. gewesen und der Schäfer sei somit Schadensersatzpflichtig, so der Vortrag von Schäfer S.

Vor dem Landgericht gab es jedoch mehr Fragen, als Antworten. Hat tatsächlich der Hund die Panik ausgelöst oder hätte es zum Beispiel ein Jogger sein können, der sich einen Streich erlaubt hat? Vielleicht ein anderes, streunendes Tier? Beobachtet hat das nächtliche Geschehen niemand und der Gehilfe des Klägers konnte nicht als Zeuge vernommen werden, da diese kaum Deutsch spricht, was dem Gericht nicht mitgeteilt wurde. Ein Dolmetscher stand somit nicht bereit.

Zeugenvernehmungen oder einem ausführlichen Vortrag des Beklagten bedurfte es aber ohnehin nicht. Das Gericht teilte schnell mit, dass es den Klägervortrag vollumfänglich als nicht bewiesen ansah. Eine Dokumentation der Vorfälle hätte nicht stattgefunden, es gäbe keine Fotos und man habe mit Alkohol gefeiert. Die Erwiderung des Klägers „anders kann es nicht gewesen sein“ konnte da nichts mehr dran rütteln.

Die Gerichtsverhandlung endete schließlich mit einer Rücknahme der Klage, nachdem der Richter die Situation mit den Worten „das wird nix“ bewertet hatte. Schäfer S. bleibt somit nicht nur auf dem Sachschaden sitzen, er hat auch die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Fundstelle:
SZ vom 06.04.17

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  • Torbinat0r

    der arme richter. man kann das ständige augenrollen direkt herauslesen.