Seniorin hortet mehrere hunderttausend Euro – Polizei schreitet ein

Seniorin
Foto: Polizei Aachen

Der Sachverhalt, über den die Polizei Aachen im Folgenden berichtet, gehört ohne Zweifel in die Kategorie „hatten die Beamten auch noch nicht“. Ein Einsatz, bei dem Nachbarn die Polizei alarmieren, weil sie merken, dass eine alleinstehende alte Frau zunehmend verwirrter wird. Die Nachbarn helfen, finden Geld, sehr viel Geld in dem Haus und rufen die Polizei. Aber der Reihe nach.

Die alte Dame lebt seit Jahren alleine in dem Einfamilienhaus. Ehemann und Sohn sind vor geraumer Zeit verstorben. Nahe Verwandte gibt es offenbar keine. Sie versorgt sich bisher alleine, so gut es eben geht. Nette Nachbarn greifen ihr unter die Arme, wenn sie merken, es wird der alten Frau alles etwas zuviel. Oder sie hat sich mal wieder ausgesperrt. Dann rufen sie meist den Schlüsseldienst oder klettern durch ein offen stehendes Fenster ins Haus.

So auch dieser Tage. Es war wieder soweit. Die Dame kam nicht mehr ins Haus. Stand draußen in der Kälte. Die Nachbarn bekamen dies mit, sprachen mit ihr und halfen – wie immer. Einer kletterte durch ein Fenster und öffnete die Hauseingangstür.

Und dennoch war es anders als sonst. An dem Tag stellten sie bei der Seniorin eine wesentlich stärkere Verwirrtheit fest. Sie sprach von Menschen in weißen Masken, die im Haus seien. Die Nachbarn schauten – zur Beruhigung der alten Dame nach – und stolperten in einem Raum über Rücksäcke und Tüten, die mitten im Raum lagen. Die waren prall gefüllt mit Geld. Fein gebündelt und beschriftet in großen und kleinen Euro-Scheinen. Buchhalterhaft die Beschriftung der Umschläge mit den jeweils enthaltenen Geldbeträgen. Sofort war klar, ein Fall für die Polizei. Zum einen, wegen des vielen Geldes, das unmöglich weiter hier im Haus aufbewahrt werden durfte, und zum anderen, weil die alte Dame dringend Unterstützung braucht.

Die treuen Nachbarn warteten schon auf die Polizei. Gleich zeigten sie den Beamten die Tüten und das Geld. Die alte Frau sagte den Beamten, dass sie und ihr Mann ihr ganzes Leben lang gespart hätten. Urlaub hätten sie so gut wie nie gemacht. Sie seien immer sparsam gewesen. Einmal hätten sie sich ein Auto gegönnt. Mit dem sei aber nur der Sohn gefahren. Mit der alten Frau zusammen und mit den Nachbarn als objektive Zeugen überschlugen die Beamten die Summe der Scheine und den Beträgen, die auf den Umschlägen standen. Schon bei der ersten Rechnerei kam man bereits auf einen Betrag von mehreren hunderttausend Euro.

Ein Nachbar hatte sich zwischenzeitlich mit dem zuständigen Ordnungsamt in Verbindung gesetzt. Die Mitarbeiter kümmerten sich fortan um die alte Dame. Sie war sichtlich erleichtert, als alle Umstehenden ihr sagten, die Polizei stelle das Geld sicher und bringe es zur Bank. Unter der Asservatennummer 343 wurde der Betrag erfasst. Die Quittung über die genaue Summe sollte die Besitzerin dann bekommen, wenn die Scheine gezählt sind.

Folglich führte der Weg zu einem Kreditinstitut. Unter Zeugen war das Geld zuvor in einen kurzerhand besorgten Aluminiumkoffer umgepackt worden. In der Bank ratterte die Zählmaschine geraume Zeit. Geldbündel um Geldbündel wurden eingezogen bis letztendlich feststand: Mehrere hunderttausend Euro; alle Scheine echt!

Das Geld kam auf das Konto der alten Dame. Unterlagen über ihre Kontoverbindung hatten die Beamten zuvor in ihrem Haus gefunden. Die Stadt und -natürlich- eine Nachbarin kümmern sich nun um die alte Dame. Sie wirkte erleichtert. Eine Last schien von ihr abgefallen…

Wir möchten den Nachbarn ein Riesenlob und unsere höchste Anerkennung aussprechen. Nicht nur, dass sie den Geldfund gemeldet haben. Unsere Anerkennung haben sie sich schon weit vorher verdient…weil Sie nicht weggeschaut, sondern der alten Dame immer geholfen haben. Hut ab!

Liebe Medienvertreter, bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir über das Geschriebene hinaus keine weiteren Angaben zum Sachverhalt machen. Ich glaube, Sie wissen warum. Unliebsame Zeitgenossen – sprich Erbschleicher und Gangster – würden Jagd auf die alte Dame, die Nachbarn und die Kommune machen. Das möchten wir nicht. Wir haben länger überlegt, bringen wir den Sachverhalt überhaupt nach außen? Dann haben wir uns gedacht – doch! Weil es das Leben ist und auch aus dem Polizeialltag heraussticht.

Quelle:
Pressemitteilung der Polizei Aachen

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  • Torbinat0r

    nächster besuch ist dann von der steuerfahndung….

    • Newty

      Nö. Vermögenssteuer wird seit 20 Jahren nichtmehr erhoben. Auch ohne nun im Detail Fristen zu wälzen: Das Ding ist durch.

  • Jan Bauer

    Wie ist in solchem Fall eigentlich die Rechtsgrundlage für das Eingreifen der Polizei? Mit §§ 3 u. 1 PolG (Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung) kann hier meiner Meinung nach nicht argumentiert werden.

    Würde mich als 1. Semester Student der Verwaltungswissenschaften schon interessieren.

    • Ich

      §§ 3, 1 PolG (B-W?) wären als Auffangtatbestand sicher nicht ganz falsch, da die Gefahren für die Rentnerin vor Verlust ihres Geldes (z.B. durch Einbruch oder (Trick-)Diebstahl) durchaus als Gefährdung der öSiuO gesehen werden könnten. Allerdings dürfte § 32 PolG (Sicherstellung einer Sache zum Schutz des Eigentümers vor Verlust) wohl einschlägiger sein.