United Airlines-Passagier gewaltsam aus überbuchtem Flugzeug geschleift

United Airlines
Foto: @JayseDavid / twitter.com

Airlines haben das Hausrecht in ihren Flugzeugen. Benehmen sich Fluggäste daneben, machen Piloten davon regelmäßig Gebrauch und lassen die entsprechenden Personen aus dem Flugzeug entfernen – notfalls auch gewaltsam. Bei United Airlines wurde vorliegend jedoch scheinbar grundlose Gewalt angewandt.

United Flug 3411 von Chicago nach Louisville in Kentucky war überbucht. Dies wird von Fluggesellschaften regelmäßig so gehandhabt, um die Plätze von nichterscheinenden Passagieren nicht leer zu lassen. Kommen entgegen der Statistik jedoch alle gebuchten Passagiere, muss die Airline Freiwillige suchen, die einverstanden sind, den nächsten Flug zu nehmen. In diesem Fall ging es jedoch um eine vierköpfige United-Crew, die laut Airline unbedingt mit diesem Flieger mit musste. United suchte daher vier Personen, die gegen eine 400 Dollar Prämie sowie einer kostenlosen Hotelübernachtung wieder aussteigen würden. Dann verdoppelte man das Angebot sogar auf 800 Dollar. Dennoch fanden sich keine Freiwilligen.

Zur Lösung des Problems lies United Airlines per Computer vier zufällige Personen auswählen und bat diese, das Flugzeug wieder zu verlassen. Während ein Paar das Flugzeug darauf verließ, leistete ein Arzt erheblichen Widerstand. Er begründete dies mit einem wichtigen Patiententermin in Louisville, den er wahrnehmen müsse. Die Flugzeugbesatzung ließ sich nicht auf weitere Diskussionen ein und alarmierte Sicherheitskräfte. Diese zogen den Mann gewaltsam aus dem Flugzeug.

Der Vorfall wurde von anderen Passagieren per Smartphone gefilmt. Die Videos zeigen entsetze und laut protestierende Fluggäste, während der Arzt von den Sicherheitskräften regelrecht über den Flugzeuggang geschleift wird. Auch im Fernsehen wird vom Vorfall berichtet, bei CNN bestimmen die Videos die Berichterstattung des nächsten Tages. Man kann sehen, wie der Arzt mit blutüberströmtem Gesicht entsetzt seine Worte an die verbliebenen Fluggäste richtet. Er sei ein ganz normaler Passagier mit bezahltem Ticket.

Der Vorstandsvorsitzende von United Airlines entschuldigte sich für den Vorfall. „Das ist ein Vorfall, der uns bei United alle ärgert“, sagte  Oscar Munoz  laut einer Mitteilung vom Montag. Die Videos vom Geschehen im Flugzeug wurden in den sozialen Netzwerken vielfach geklickt und geteilt. Der Imageschaden für die Fluggesellschaft dürfte beträchtlich sein.

Quelle:
faz.net vom 10.04.17

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  • wolfi

    Das Flugzeug war nicht überbucht – die Fluggesellschaft musste vier Leute vom fliegenden Personal ans Ziel bringen, sonst hätte eine Maschine am nächsten Morgen nicht starten können.

    Übrigens hätte man auch das finanzielle Angebot erhöhen können, so weit ich weiß kann ein „ausgesetzter Passagier“ 1350$ plus Spesen verlangen – anbieten darf die airline natürlich auch mehr, aber United ist wohl etwas knauserig bei solchen Sachen …

    Raubtierkapitalismus eben!

    Oder um einen alten Witz zu bringen:

    Flugpassagiere sind dumm und frech – dumm, weil sie teure tickets kaufen, freich weil sie erwarten, pünktlich an ihr Ziel befördert zu werden …

    Etwas OT:
    Mich hat man mal bei Lufthansa gefragt, ob ich einen späteren Flug akzeptieren würde (aber natürlich bereits beim Checkin, nicht erst im Flugzeug …) – Ergebnis war, dass ich mit Umstieg in Frankfurt und einem kurzen Aufenthalt in der lounge etwa zwei Stunden später nach Hause gekommen bin.
    Dafür hatte ich aber Coupons, von denen ich mir einen schönen LH-Kofferset gekauft habe – kein schlechter Stundensatz!

  • Raoul

    >>> „Das ist ein Vorfall, der uns bei United alle ärgert“

    Absolut! Künftig werden alle Mitarbeiter besser geschult und werden mitfilmenden Passagieren sofort das Handy entreissen, damit es zu solchen Aufnahmen in Zukunft nicht mehr kommen kann.