Eine Anklageschrift ist nicht genug

Anklageschrift
Foto: Symbolbild

Das Landgericht Verden hat einen Prozess gegen fünf Männer um eine tödliche Prügelattacke in Dörverden kurz nach der Eröffnung aussetzen müssen, weil ein Verfahrenshindernis vorliegt. Es lagen zwei unterschiedliche Anklageschriften vor. Die Staatsanwaltschaft hatte in der mündlichen Verhandlung eine andere Version der Anklageschrift verlesen als die, welche zur Eröffnung des Hauptverfahrens zugelassen wurde.

Beide Versionen der Anklageschrift beinhalten unterschiedliche Angaben zur Todesursache des Opfers. „So was habe ich auch noch nicht erlebt„, wunderte sich der Vorsitzende Richter und setzte das Verfahren im Einvernehmen der Beteiligten aus. Nun soll die Hauptverhandlung am 20. Juni neu eröffnet werden. Fünf Männer im Alter von 21 bis 30 Jahren müssen sich auf der Anklagebank wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Ihnen wird vorgeworfen, in der Silvesterparty am 1. Januar 2016 in Dörverden auf einen 42-jährigen Mann eingeschlagen zu haben, weil sich dieser zuvor in einen Streit zwischen den Angeklagten und einer Frau eingemischt hatte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft umringten die Männer den 42-Jährigen und schlugen ihm unter anderem mit dem Griff einer Schreckschusspistole auf den Kopf. Das Opfer verstarb beim Transport ins Klinikum.

Zwar stimmen beide Versionen der Anklage im Kern überein, wie der Richter angab, doch gibt es Differenzen bei den Angaben zur Todesursache. In einer Version heißt es danach, dass das Opfer kurz vor Erreichen des Klinikums nach einem Herzstillstand nicht mehr wiederzubeleben gewesen sei.In der zweiten Version heißt es dagegen, das Opfer sei „an einem leichten Schädel-Hirn-Trauma infolge Zusammentreffens seiner Alkoholisierung mit einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen verstorben, wobei die Angeschuldigten sein Versterben hätten vorhersehen können.“

Die fünf Angeklagten gaben zu erkennen, dass sie sich in dem Verfahren zunächst nicht zu dem Vorgang äußern wollten.

Fundstelle:
lto.de vom 09.06.2017

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  • Der Spezi

    Leider ist der Bericht inhaltlich nicht korrekt – wenn er auch vielleicht mit den üblichen Presseberichten übereinstimmt.
    In der Verfahrensakte, die dem Gericht vorlag, und der Handakte der StA ist die gleiche Anklageschrift vorhanden. Die anderen Exemplare, nämlich die, die den Verteidigern und den Angeklagten zugestellt wurden – und das „Überstück“, das der Richter in der Hand hatte, waren davon abweichende Anklageschriften.
    Es ist daher die richtige Anklage eröffnet worden – es ist aber die falsche an Verteidiger und Angeklagte zugestellt worden.

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