90.000 Euro Schmerzensgeld für vertauschtes Baby

Baby
Foto: Symbolbild

In Österreich bekommt eine Familie 90.000 Euro, weil ihre Tochter als Baby im Krankenhaus kurz nach der Geburt vertauscht worden war.

Doris Grünwald kam am 31. Oktober 1990 im Grazer LKH als Frühchen zur Welt. Erst mit Mitte 20 hatte sie bei einer Routineuntersuchung erfahren, dass ihre Blutgruppe nicht zu der in ihren Geburtsunterlagen passte. Doris konnte nicht das leibliche Kind ihrer Eltern sein. Ihre Mutter Evelin hatte per Kaiserschnitt entbunden und ihr Baby erst nach rund 20 Stunden das erste Mal gesehen. In diesem Zeitraum wurde ihre Tochter wohl versehentlich mit einem anderen Baby vertauscht.

Das Landgericht Graz sah es im darauffolgenden Prozess als erwiesen an, dass es 1990 im Landeskrankenhaus zur Verwechslung zweier Babys gekommen war. Den drei Familienmitgliedern wurden jeweils 30.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, weil die Klinik nach der Geburt des Mädchens „grob fahrlässig“ gehandelt habe. Hinzu kommt, dass die Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) die Kosten für die Adoption der Tochter in Höhe von etwa 2000 Euro übernehmen muss.

Trotz weiterer Nachforschungen und DNA-Tests wurde bisher kein zweites Mutter-Tochter-Paar ausfindig gemacht, das an der Verwechslung beteiligt gewesen sein könnte.

Erst letztes Jahr hatte der Fall zweier vertauschter Babys in Frankreich für Schlagzeilen gesorgt. Zwei Frauen bekamen vor zwanzig Jahren in Cannes zwei Töchter. Die Säuglinge Manon und Mathilde hatten beide eine Neugeborenen-Gelbsucht. Zur Behandlung holte einen Kinderkrankenschwester die Mädchen ab und legte sie nebeneinander unter ein UV-Licht. Dort wurden die beiden Babys wohl versehentlich vertauscht.

Acht Jahre lang wuchsen die Mädchen bei den falschen Eltern auf, bevor die Verwechslung bei einem Vaterschaftstest entdeckt wurde. Monate später konnte die Polizei die zweite Familie mit Hilfe der Krankenhausakten finden. Die Klinik weigerte sich eine Entschädigung zu zahlen, sodass die Familien vor Gericht zogen. Erst zwanzig Jahre später, wurde den beiden inzwischen 20-jährigen Mädchen je 400.000 Euro zugesprochen. Da auch weitere Familienmitglieder entschädigt wurden, beläuft sich die Summe insgesamt auf knapp zwei Millionen Euro.

Fundstellen:
beck.de
derstandard.at
liliput-lounge.de

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