AGB: Internetanbieter verpflichtet 22.000 User zum Kloputzen

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Foto: Symbolbild

Der britische WLAN-Anbieter „Purple“ aus Manchester hat seine User mit den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ (AGB) des Unternehmens hereingelegt. Der Internetanbieter hat sich die weit verbreitete User-Faulheit zunutze gemacht und so 22.000 Kunden vertraglich zum Kloputzen verpflichtet! Denn wer liest schon die kompletten AGB?

Für zwei Wochen versteckte der Anbieter eine Klausel in seinen AGB, die den meisten Kunden nicht gefallen hätte. Wenn sie die AGB denn gelesen hätten! Inmitten des Paragraphendschungels stand da:

„Im Ermessen von ,Purple‘ kann der Benutzer dazu verpflichtet werden, 1000 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Dies kann folgendes beinhalten: Örtliche Parks von Tierdreck säubern. Streunende Hunde und Katzen umarmen. Verstopfte Abwasserrohre mit der Hand reinigen. Dixi-Klos auf Festivals putzen. Schneckenhäuser bemalen, um das Leben der Tiere fröhlicher zu machen. Kaugummis von den Straßen kratzen.“

Diesen skurrilen AGB stimmten insgesamt 22.275 Menschen zu ohne es zu bemerken. Unter ihnen waren hauptsächlich User, welche die von „Purple“ betriebenen WLAN-Hotspots nutzen wollten. Dazu gehören unter anderem die Hotspots im Legoland, in den Lokalen von Kentucky Fried Chicken und in diversen Hotel-Ketten.

„Überraschende Klausel“ unwirksam

Doch der Unternehmenschef Gavin Wheeldon (41) kann die User beruhigen. Bei der Aktion der Firma handle es sich lediglich um einen Scherz, der zeigen soll, wie leichtsinnig viele Benutzer mit ihren Rechten umgingen:

„Mit diesem Test wollten wir nicht gemein sein oder uns über die User lustig machen. Wir wollten zeigen, wie kritisch es ist, dass die AGB nicht gelesen werden. Mit was erklären sich die Nutzer einverstanden? Wie viele ihrer persönlichen Daten legen sie offen? Für gewöhnliche Kunden ist es zu einfach, eine Box anzuklicken und damit unwissentlich ihre Privatsphäre im Austausch für freies WLAN aufzugeben.“

Die Aktion war außerdem mit einem Gewinnspiel verbunden. Wer die fiese Klausel entdeckt und dem Unternehmen meldet, konnte einen Amazon-Gutschein im Wert von 100 Pfund gewinnen. Nach Angaben von „Purple“ meldete sich genau eine Person!

In Deutschland wäre so eine Klausel, die den Vertragspartner eines WLAN-Anbieters zum Kloputzen verpflichtet, übrigens unwirksam. Nach § 305 c BGB sind sogenannte „überraschende Klauseln“, die nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht, ungültig. Die überraschende Passage wird dann nicht Vertragsbestandteil. Die restlichen AGB bleiben aber wirksam.

Fundstelle:
welt.de

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    Auch in Großbritannien dürfte das unwirksam sein – schließlich liegt dort (noch) ebenfalls die AGB-Richtlinie zugrunde.