Klage trotz Lizenzerteilung – Warum „The Wanderer“ vor Gericht 1 Million wert ist

The Wanderer
Foto: Screenshot Fallout 4 Trailer

Sänger Dion DiMucci, ist bekannt für 60er Hits, besonders für seinen Titel „The Wanderer“. Der Künstler nimmt Bethesda – Produzentin des Computer- und Videospiels Fallout 4 – vor Gericht über die Verwendung eben jenes Songs in Anspruch auf Schadenersatz. In einem Werbespot, den er vorgeblich als „abstoßend“ einstuft, sieht DiMucci seine Rechte verletzt und fordert – trotz bestehender Lizenzvereinbarung – eine Million US-Dollar von der Spieleschmiede.

Um was geht es?

Für alle, die sich nicht mehr so genau an den Titel erinnern und sich darüber hinaus gleich informieren möchten, um was es in diesem Beitrag geht, hier das Video dazu:

DiMucci lizenzierte sein Lied für Filmsequenzen jedweder Art an das Unternehmen Universal. Umfasst waren also auch Nutzungen wie die jetzt in Frage gestellten. DiMucci selbst findet die Szenen, die mit seinem Lied verbunden werden, abstoßend und versucht daher, seine Altersrente etwas aufzubessern. Eine Million US-Dollar plus die üblichen Litigation-Costs hätte man gerne für die Nutzung des Titels in dem Werbespot, der seit 2015 – dem Veröffentlichungsjahr des Spiels – maßgeblich über YouTube Verbreitung fand.

Warum wird geklagt?

Hintergrund der Klage, welche bei einem kalifornischen Gericht eingereicht wurde, ist eine Vertragsklausel, die für eine separate Nutzung des Titels Zusatzverhandlungen vorsehen sollte. So konnte die Rahmenvereinbarung mit Universal, welche die Nutzung des Liedes für so ziemlich alle filmischen Zwecke vorsah, doch noch etwas eingeschränkt und DiMuccis persönliche Wünsche respektiert werden.

Diese Zustimmung hätte man nicht eingeholt, so der Vorwurf. Der Trailer beinhalte „widerwärtige und moralisch unhaltbare Bilder“, er hätte zu dieser Verwendung niemals seine Zustimmung erteilt. Der Kläger hätte durch die Handlungen der Beklagten nicht nur die Lizenzgebühren eingebüßt, sondern auch das höchsteigene Recht als Urheber, die Zustimmung zu einer nicht gewünschten Verwendung zu verweigern.

Moralapostel DiMucci?

Seinen Titel „The Wanderer“ beschreibt DiMucci als eine Geschichte eines traurigen jungen Mannes, der von Stadt zu Stadt wandert, ohne sich selbst oder die Fähigkeit für eine dauerhafte Beziehung zu finden. Das Lied beschreibe die Isolation während des Alterns. Passend irgendwie auf Fallout 4 – könnte man meinen.

DiMucci fand es allerdings abstoßend, geradezu widerwärtig und moralisch verwerflich, vielfältige Tötungsdelikte in einer dunklen, dystopischen Landschaft in der Gewalt als Sport verharmlost würde mit seinem Lied in Verbindung zu bringen. Seiner Ansicht nach seien die Tötungen und die übrige Gewalt nicht notwendig, um sich etwa selbst zu verteidigen, sondern reißerisch gerichtet an junge Spieler, die Gewalt zelebrieren sollten. Man übe Jagd auf menschliche Opfer aus und verharmlose diese, man verherrliche Mordtaten.

In Deutschland würde man bei solchen Vorwürfen „Killerspiel“ skandieren, gar eine Strafbarkeit nach § 131 StGB prüfen. Wäre DiMucci in Vertragsverhandlungen involviert gewesen, hätte er versucht, den Werbespot in eine andere Richtung zu lenken oder eben die Verwertung untersagt. Die weltweite Verfügbarkeit und weite Verbreitung der Clips auf YouTube rechtfertige einen Anspruch wegen dauerhafter Beeinträchtigung seiner Rechte.

Ein Beitrag von Michael Scheyhing
Michael Scheyhing ist Gründer und Herausgeber von GamesLaw.online - In seinem Blog schreibt er über Rechtliches zum eSport, Gaming und über andere medienrechtliche Themen. Er ist Referendar am OLG Nürnberg und ist nebenbei in der Kanzlei Dr. Kreuzer & Coll. im Bereich IT-, Medien- und Gamesrecht tätig.
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  • Raoul

    „hätte er versucht, den Werbespot in eine andere Richtung zu lenken“

    Man kann es sich richtig vorstellen: „Muß das denn sein mit diesen Axtschlägen und den explodierenden Luftschiffen? Tut’s nicht ein auf der Wiese sprießendes Blümelein genauso?“

  • wolfi

    Als ich das Lied vor fast 60 Jahren das erste Mal auf AFN gehört habe, da habe ich allerdings auch an andere Dinge gedacht als an Krieg und Tod …