SUV-Mutter ist selber schuld

SUV-Mutter
Foto: Symbolbild

Fahrer großer Automobile müssen selbst beurteilen, ob eine Tiefgarage von den Abmessungen her für derartige Fahrzeuge geeignet ist und welche Gefahren zu erwarten sind, entschied das Landgericht Nürnberg-Fürth in einem aktuellen Urteil

Die Klägerin ist Halterin eines Porsche Cayenne, welchen sie an die Fahrerin verleast hatte. Diese fuhr mit dem Fahrzeug in die Tiefgarage eines Nürnberger Hotels, wobei die Einfahrt problemlos verlief. Beim Ausfahren bemerkte die Fahrerin, dass es aufgrund der Abmessungen des Fahrzeuges zu einer Kollision mit der hochgezogenen Bordsteinkante kommen musste. Sie fuhr so vorsichtig wie möglich aus, konnte aber nicht vermeiden, dass die Felgen des Porsches hinten links und vorne rechts beschädigt wurden.

Die Klägerin hat Klage gegen die Hotelbetreibergesellschaft zum Landgericht Nürnberg-Fürth erhoben und verlangt 5.281,26 Euro Schadensersatz. Sie argumentiert, dass die Beklagte durch Hinweisschilder auf die engen Verhältnisse in der Tiefgarage hätte aufmerksam machen müssen.

Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Zur Begründung führt die Kammer aus, dass eine Verkehrssicherung, welche jegliche Schädigung ausschließt, nicht erreichbar sei. Es sei nur vor solchen Gefahren zu schützen, welche andere bei Anwendung der jeweils zu erwartenden Sorgfalt nicht erkennen und vermeiden können. Im konkreten Fall hätte sich die Fahrerin, welcher die Abmessungen des Fahrzeugs bewusst waren, vorher davon überzeugen müssen, ob die Tiefgarage für ihr Fahrzeug geeignet ist oder nicht.

Hinzu kommt nach Ansicht des Landgerichts, dass die Fahrerin Hilfe hätte holen können. Beispielsweise wäre es möglich gewesen, über die Gegensprechanlage jemanden von der Rezeption zu verständigen, der sie evtl. hätte einweisen können oder ihr eine Ausfahrt über die Einfahrspur ermöglicht hätte.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle:
Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 16.05.2017, Az. 8 O 5368/16

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  • Raoul

    Abgesehen davon, daß die Frau a) Hilfe holen und b) durch die Einfahrt hätte rausfahren können (müssen) – Wer ist denn auch so dämlich und baut eine Tiefgarage, bei der die Ausfahrt nicht die gleiche Höhe wie die Einfahrt hat? Damit rechnet ja nun wirklich keiner.

    • Schulle

      Von der Höhe ist keine Rede. Sie ist lediglich gegen den Bordstein gefahren. Und wie wir alle wissen, ist es für die meisten SUV-Fahrer ja schon zuviel, mal über einen abgesenkten Bordstein zu fahren.

      • Mikel Friess

        Na hallo, die haben Allradantrieb, grobstollige Reifen und teilweise sogar Sperrdifferenzial, wie sollen die denn über einen Bordstein kommen?

        (Warnung; Dieser Beitrag könnte Spuren von Sarkassmus enthalten)

        • 7eggert

          SUV sind Pseudo-Geländewagen, die auf einem üblichen Radweg in ihre Einzelteile zerfallen.

  • Steffen Sacher

    Das erinnert mich an einen anderen Fall. Vor Jahren habe ich mal gelesen, das ein Transportunternehmen einen neuen Sattelzug gekauft hat und einen neuen Fahrer eingestellt hat. Die Knalltüte ist an einer zu niedrigen Brücke hängen geblieben. Das Gericht entschied, das die Firma zu 100% haftet, weil der Chef den neuen Fahrer nicht auf die Höhe des Fahrzeugs hingewiesen hat.

  • Rudolf Polzer

    5000 Euro für zwei Felgen? Die Teile für den Cayenne liegen so im Bereich von 200 bis 700 Euro. Zwei davon sind maximal 1400. Reifen aufziehen ist deutlich unter 50 pro Rad. Auch mit viel gutem Willen komme ich da nicht über 2000.

    Vermutlich wollte sie auch bei den drei anderen Rädern die Felgen getauscht haben, damit die wieder „alle gleich aussehen“. Dann ist der Preis wohl in etwa OK. Aber für die „Vergolderei“ habe ich kein Verständnis. Wenn ich ein Rad kaputt mache, zahle ich doch nicht die vier anderen! Die müssen eh irgendwann getauscht werden, sicher nicht gleichzeitig. Ist normal.

    Im konkreten Fall kann man ja auch sicher die neuen Felgen links und die alten rechts montieren – aus keiner Perspektive kann man dann sehen, dass sie unterschiedlich sind.

    Davon mal ganz abgesehen, dass die Schuldfrage hier wirklich klar ist. Selbst wenn es hier der Fall wäre, dass sie unfallfrei rein kam aber nicht mehr raus konnte, was an sich schon mal unwahrscheinlich ist, aber durch Federungseffekte passieren kann – dann hätte man das Fahrzeug dennoch schon irgendwie „bergen“ können, und um diese Kosten hätte man sich dann evtl. streiten können.