89-Jährigem verrutscht die Badehose: Strafprozess

Badehose
Foto: Symbolbild

In München fand ein Strafprozess gegen einen 89-Jährigen statt. Ihm wurden exhibitionistische Handlungen in einem Schwimmbad vorgeworfen, weil ihm die Badehose verrutscht war. Der Rentner verteidigte sich damit, dass ihn der Ischias-Nerv plage und er sich deswegen gerne an den Düsen des Schwimmbades die Pobacken massiere.

Der pensionierte Ingenieur besucht seit über 20 Jahren das Ottobrunner Phönix-Bad. Er ist Witwer und hält sich durch Schwimmen fit. Zum ersten Mal in seinem Leben muss er deswegen jetzt auf der Anklagebank eines Gerichts Platz nehmen. Er soll am 20. Februar 2017 mit heruntergezogener Badehose mit dem Rücken an einer Massagedüse gestanden haben. Eine Frau, die dort gerade einen Unterwasserhandstand machte, zeigte den Rentner wegen „exhibitionistischer Handlungen“ an. Der 89-Jährige soll sich vor ihr entblößt und unsittlich berührt haben. Die Frau gab außerdem an, der Senior habe dabei „so einen entspannten Gesichtsausdruck“ gehabt.

Staatsanwaltschaft bejaht „öffentliches Interesse“

Gemäß § 183 StGB wird ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Die Tat wird grundsätzlich nur auf Antrag verfolgt. Die Frau hatte zunächst Anzeige bei der Polizei erstattet. Diese zog sie jedoch wieder zurück, als sie von dem hohen Alter des Mannes hörte. Eigentlich wäre der Fall damit eingestellt worden. Doch die Staatsanwaltschaft sah ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung und setzte den Prozess durch.

Mit Gehstock und in Begleitung seines Anwalts musste der Ottobrunner deshalb vor Gericht erscheinen. Der 89-Jährige war fassungslos als er ihm die Anklage präsentiert wurde und schüttelte den Kopf: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich finde das weit hergeholt, was die Dame behauptet.“

Da ihn der Ischias-Nerv plage, massiere er sich an den Wasserdüsen im Schwimmbad die Pobacken. Da könne es passieren, dass die Hose verrutsche. „Vielleicht ist meine Hose durch den Wasserstrahl etwas heruntergerutscht“, sagte er. „Aber das spielte sich unter gekräuseltem Wasser ab. Man müsste sich schon intensiv dafür interessieren, um da etwas zu erkennen.“

„Ich habe genug Spaß in meinem Leben gehabt und war dreimal verheiratet.“

Letztendlich beseitigte sein Anwalt nach 30-minütiger Befragung auch noch die letzten Zweifel. „Können Sie noch eine Erektion bekommen?“ Das hatte die Zeugin nämlich behauptet. Der Angeklagte meint daraufhin: „Nein. Das letzte Mal vor fünf oder sechs Jahren.“

Die Amtsrichterin stellte den Prozess schließlich gegen eine Geldauflage ein. Der Senior muss 500 Euro an eine Hilfsorganisation für Frauen zahlen. Die Richterin empfiehlt ihm außerdem, in Zukunft die Badehose komplett anzulassen.

Der 89-Jährige will auch weiterhin regelmäßig zum Schwimmen gehen. Er macht aber deutlich: „Alle sexuellen Absichten sind bei mir längst vorbei. Ich habe genug Spaß in meinem Leben gehabt und war dreimal verheiratet.“

Fundstelle:
tz.de

Schlagworte:
, , , , ,
  • Choellion

    Die letzten Zweifel wurden beseitigt und der Rentner muss trotzdem 500€ an eine Hilfsorganisation für Frauen zahlen? Warum wird die Frau nicht wegen einer Falschaussage oder Verfolgung unschuldiger belangt?

    • Marion Overbeck

      Die Frau hat die Anzeige doch zurückgezogen als sie vom Alter des Rentners gehört hat – die Staatsanwaltschaft hat den Prozess durchgezogen.
      Zumal muß es ja auch keine Falschaussage sein, für sie wirkte es eben so als würde sich der Mann unsittlich berühren.

      • Karl-Otto Schultze

        Die Staatsanwaltschaft ist eine Person, die eigenverantwortlich die Anklage erhebt. Hier ist es mal interessant, ob das eine männliche oder weibliche Person war und ob der Richter, der die Anklage überhaupt zugelassen hat!!!, ein Richter oder eine Richterin war.
        Wer so einen Pipifax strafrechtlich ernsthaft verfolgt, hat nach meiner grundgesetzlich geschützten Meinung einen Furz im Gehirn.

    • Caron

      Weil sie nichts Falsches ausgesagt hat (die Hose war ja wohl und und zum Vorsatz, an dem gezweifelt wurde, hat sie wohl nichts gesagt) und weder Unschuldige verfolgt hat, noch das überhaupt kann?

      Davon absehen kann man Anzeigen nicht zurückziehen. Sie hat den Strafantrag zurückgenommen. Kann man nichtmal das von einer Seite für „Rechtsnachrichten“ erwarten?

  • Einar von Fiehlen

    Gibt es eigentlich einen plausiblen Grund, warum in § 183 StGB ausschließlich von einem „Mann“ die Rede ist? Ich bin der Ansicht, hier liegt keine Gleichbehandlung der Geschlechter vor.