Mann furzt vor Polizistin – Anklage wegen Beleidigung

Anklage
Foto: Symbolbild

Das Amtsgericht Tiergarten erließ einen Strafbefehl wegen Beleidigung gegen einen Mann, der während einer Polizeikontrolle zweimal in der Nähe einer Polizistin gefurzt haben soll. Der Gruppenleiter der Polizeieinheit stellte Strafanzeige wegen Beleidigung. Christopher S. wehrte sich mittels Einspruch. Doch der Prozess vor dem Amtsgericht Tiergarten wurde zur Luftnummer.

Nur wenige Minuten dauerte einem Bericht der taz zufolge der Prozess im Raum 370 im Amtsgericht Tiergarten. Das Verfahren wurde von der zuständigen Richterin ohne Auflagen auf Kosten der Staatskasse eingestellt. Dabei freuten sich etwa 40 Zuschauer aus der linken Szene bereits auf eine interessante Verhandlung. „Ich hatte auf eine Stunde Kabarettprogramm gehofft“, so eine Besucherin enttäuscht über die Entscheidung.

Im Prozess wäre die Frage zu klären gewesen, ob der Angeklagte Christopher S. durch Flatulenz eine Polizistin beleidigt und damit in ihrer Ehre verletzt hatte. Nicht die betroffene Polizistin erstatte Anzeige, sondern der Gruppenleiter der 32. Polizeieinheit. Diese kontrollierte im Februar 2016 eine Personengruppe im Gefahrengebiet der Rigaer Straße im Friedrichshainer Nordkiez, darunter auch den Angeklagten. „Das Prozedere dauerte eine Dreiviertelstunde in klirrender Kälte und war durch ständige Videoaufnahmen, umfangreiche Taschenkontrollen und verbale Auseinandersetzungen begleitet“, beschrieb S. die Situation gegenüber der taz.

Dabei will der Gruppenleiter der Polizeieinheit mitbekommen haben, wie der Angeklagte zweimal in der Nähe einer Polizistin gefurzt haben soll. Aufgebracht vom Verhalten des Mannes, folgte die Anzeige wegen Beleidigung, was von S. und seinen Begleitern noch spaßeshalber zur Kenntnis genommen wurde. Doch der Spaß war weg, als knapp zwölf Monate später einen Strafbefehl von 900 Euro ins Haus flatterte. S. legte Einspruch ein und wurde von einer Soligruppe unterstützt, die unter dem Motto „Viel heißer Wind um nichts“ zum Prozess mobilisierte.

Rechtsanwalt Daniel Werner verteidigt S. und glaubt, dass bei den Gründen, die zur Einstellung führten, wohl auch das rege Interesse der Anwesenden eine Rolle gespielt hat. „Es gab keine Auflagen, und das Gericht übernimmt auch sämtliche Kosten, was sehr selten ist“, so der Jurist gegenüber der taz. „Dass ein Gruppenleiter der Polizei die Ehre einer Kollegin durch einen Furz verletzt sieht und Anzeige erstattet, ist die eine Sache. Dass dann aber die Staatsanwaltschaft und das Gericht die Anklage zulassen, ist ein klarer Fall von behördlichem Versagen“, gibt Werner gegenüber der taz an.

Wäre es trotzdem zur Verhandlung gekommen, hätte Werner ins Feld geführt, dass die 32. Polizeieinheit sonst nicht so prüde sei. Im Juni 2017 sorgte sie für Schlagzeilen und wurde im Vorfeld des G20-Gipfels aus Hamburg zurück nach Berlin geholt, weil sie bei einer Feier unter anderem in der Öffentlichkeit uriniert haben soll.

Fundstelle:
taz.de vom 06.09.2017

Schlagworte:
, , , , , , , , , ,
  • Hao-Yi Chen

    Das war nur heiße Luft 😂