Rechtshänder darf sein Testament mit der linken Hand schreiben

Testament
Foto: Symbolbild

Die Geschwister eines verstorbenen Mannes hatten die Echtheit seines Testaments angezweifelt, das dieser mit der linken Hand verfasst hatte. Der Mann war eigentlich Rechtshänder, musste sein Testament aber auf Grund einer Lähmung mit der linken Hand verfassen. Die Geschwister wurden darin nicht bedacht und zogen vor Gericht.

Der Fall landete schließlich vor dem Oberlandesgericht (OLG) Köln (Beschl. v. 03.08.2017, Az. 2 Wx 149/17). Dieses entschied, dass das Testament gültig sei. Im Gesetz sei nämlich nicht geregelt, ob ein Testament mit der linken oder der rechten Hand verfasst werden müsse. In § 2247 BGB ist lediglich die „Eigenhändigkeit“ vorgeschrieben: „Der Erblasser kann ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten.“

Außerdem soll der Verfasser Tag, Monat, Jahr und Ort auf dem Dokument angeben. Seine Unterschrift soll den Vornamen und den Familiennamen des Erblassers enthalten. So weit die gesetzlichen Vorgaben.

Im vorliegenden Fall hatten die Ärzte bei dem 62-Jährigen Lungenkrebs diagnostiziert, der wenig später Lähmungen im rechten Arm verursachte. Nach seinem Tod wurden zwei als Testament überschriebene und mit dem Namen des Erblassers unterzeichnete Schriftstücke aufgefunden. Eines der Schriftstücke setzte seine Nachbarn als Erben ein. Das andere Testament fiel zu Gunsten eines anderen Verwandten des  Verstorbenen aus. Liegen zwei Testamente vor, ist grundsätzlich das aktuellere – also das zuletzt verfasste – gültig, § 2258 BGB. Die Nachbarn beantragten die Erteilung eines Erbscheins auf der Grundlage des ersten Testaments.

Zweites Testament war gefälscht

Wie schon das erstinstanzlich befasste Amtsgericht bestätigte auch das OLG schließlich die Gültigkeit des die Nachbarn begünstigenden Testaments. Dieses hatte der 62-Jährige mit der linken Hand verfasst. Die Geschwister hatten die Echtheit des Dokuments angezweifelt, da ein mit einer schreibungewohnten Hand geschriebenes Testament wesentlich unregelmäßiger aussehen müsse.

Dieses Argument überzeugte das OLG allerdings nicht. Vielmehr gebe es auch Menschen, die mit ihrer schreibungewohnten Hand ein durchaus regelmäßiges Schriftbild erzeugen könnten. Um alle Zweifel auszuräumen befragte das OLG verschiedene Zeugen, hörte den behandelnden Arzt des Verstorbenen an und zog ein graphologisches Gutachten zu Rate.

Dabei kam auch heraus, dass das Testament zu Gunsten des Verwandten des Verstorbenen eine Fälschung war. Es stamme sicher nicht vom Erblasser. Das Schriftstück war ohne Absender beim Nachlassgericht eingegangen und ausweislich seines Datums später erstellt worden. Es konnte schon aufgrund des Schriftbildes nicht vom Erblasser stammen, weil der 62-Jährige zu diesem späteren Zeitpunkt mit der linken Hand nur noch krakelig schrieb. Wer dieses Testament gefälscht hatte, konnte im Nachlassverfahren nicht geklärt werden.

Das Urteil ist wenig überraschend. Denn grundsätzlich ist es nicht einmal erforderlich, dass tatsächlich mit der Hand geschrieben wird. Auch das Schreiben mit Mund, Fuß oder einer Prothese ist zulässig. Denn wenn dies – etwa aufgrund einer Behinderung – die für den Erblasser übliche Art zu schreiben ist, kann man auch anhand dieses Textes die Identität nachweisen. Gleiches gilt also auch für das Schreiben mit der schreibungewohnten Hand auf Grund einer Erkrankung.

[ Änderung vom 17.10.2017: Es handelt sich um einen korrigierten Text. In der ursprünglichen Version dieses Artikels war fälschlich ausgeführt, dass das zweite Testament die Geschwister begünstigt habe und dass diese auf dieser Grundlage die Erteilung eines Erbscheins beantragt hätten. Diese Information war unzutreffend und beruhte auf einer Pressemeldung des OLG Köln, welche mittlerweile ebenfalls korrigiert wurde. ]

Fundstelle:
lto.de

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  • Soweit die Theorie. Aber was ist, wenn man das Testament in Sütterlin oder in Katakana schreibt? Gilt das dann auch noch?

    • Egon

      Warum soll das nicht gelten, sind doch „geläufige“ Schriftarten.
      Ob es Sinn macht steht auf einem anderen Blatt (ebenso wie das Testament im Safe, zu dem nur der Erblasser die Kombination kennt …) ;-)