Erpresser fordern Geld mit eigenen Kontodaten

Kontodaten
Foto: Symbolbild

Zwei junge Männer aus Ungarn mussten sich vor dem Amtsgericht Heilbronn wegen zweifacher versuchter Erpressung gegen einen großen Lebensmittelhändler verantworten. Dabei verhielten sie sich bei der Tatausführung so dilettantisch, dass es für die Polizei ein Leichtes war, sie festzunehmen.

Ein Ermittler sagte im Prozess aus, dass er solch naive Erpresser in seiner ganzen Karriere noch nie erlebt habe. Der Richter betitelte den Plan der jungen Männer als „eine ziemlich bescheuerte Idee“. 1,5 Millionen Euro wollten sie von einem großen Lebensmittelhändler erpressen. Sollte der Forderung nicht nachgekommen werde, werde man Bilder von angeblich unhygienischen Zuständen in einem Zentrallager der Firma veröffentlichen.

Die heute 21 und 22 Jahre alten Männer aus Ungarn hatten zuvor über eine Leihfirma in dem Lager gearbeitet. Mit Bildern von kaputtgefahrenen Konserven und Mäusekot im Lager fassten sie den Plan, es mit einer Erpressung zu versuchen. Dabei gingen sie unglaublich naiv vor. Die E-Mail mit der Zahlungsaufforderung an das Unternehmen versandten sie mit echten Kontodaten.

Als darauf keine Reaktion folgte, suchten sie einige Wochen später das Firmengelände auf, zitierten die Lagerchefs zu einem dringenden Gespräch auf den Mitarbeiter-Parkplatz und bekräftigten ihre Forderungen. Die Angestellten gaben an, sie bräuchten noch etwas Zeit, um das Geld aufzutreiben. Die beiden „Erpresser-Profis“ warteten brav vor Ort und waren ganz überrascht, als nicht das Geld, sondern die Polizei kam und sie festnahm. Mit dem Geld wollten sie nach eigenen Angaben ein Auto kaufen und Schulden der Familie abzahlen. Viereinhalb Monate saßen die Möchtegern-Erpresser anschließend in Untersuchungshaft.

Das Heilbronner Amtsgericht verurteilte das Duo schließlich zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe. Die Untersuchungshaft sei bereits eine „fühlbare Strafe“ gewesen, bilanzierte Richter Stephan Blatz. Vor dem Hintergrund, dass die jungen Männer nicht vorbestraft sind, alles zugaben, Reue zeigten und nicht gerade als professionelle Verbrecher eingestuft werden könnten, setzte das Gericht die Freiheitsstrafen zur Bewährung aus. Beide Angeklagte versicherten, nach diesen Erfahrungen ganz schnell wieder nach Hause nach Ungarn fahren zu wollen.

Die vorgelegten Lichtbilder stufte der Hauptermittler der Polizei als nicht schwerwiegend ein. In einem Lager dieser Größe sei es nach Aussagen von Experten aus der Branche nicht unüblich, dass dort auch mal eine Konserve von einem Fahrzeug überfahren werde oder irgendwo Mäusekot auf dem Boden liege.

Fundstelle:
stimme.de vom 25.10.2017

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  • Ally

    Warum vier Monate Untersuchungshaft bei so einem einfachen Fall?