Ex-„Mister Germany“ von Verhandlung ausgeschlossen

Mister Germany
Foto: Symbolbild

Der frühere „Mister Germany“ Adrian Ursache, den die Staatsanwaltschaft der Reichsbürgerbewegung zurechnet, muss sich derzeit vor dem Landgericht Halle u.a. wegen versuchten Mordes verantworten. Da Ursache aber die Beweisaufnahme des Gerichts massiv stört, setzte ihn der Vorsitzende Richter Jan Stengel vor die Tür.

„Es wird ohne den Angeklagten weiterverhandelt“, gab der Vorsitzende Richter Jan Stengel am Donnerstag bekannt. Der Angeklagte hindere das Gericht an der Beweisaufnahme. Nicht zum ersten Mal stellte der Angeklagte einen Befangenheitsantrag und schimpfte, das Gericht sei unehrlich und voller Lüge. Ursache wurde aus dem Saal geführt.

Ein Anwalt, der überraschend im Saal auftauchte, beantragte die Entlassung eines der beiden Pflichtverteidiger des Angeklagten, weil das Vertrauensverhältnis zu dem Verteidiger endgültig erschüttert sei. Beide Pflichtverteidiger wiesen die Vorwürfe zurück. Sie betonten, dass es sich nicht um ein politisches Verfahren handele, sondern um ein Strafverfahren. „Wir unterstützen keine politische Meinung. Wir konzentrieren uns auf das Tatgeschehen. Wir wollen dem Angeklagten helfen, dass die Wahrheit in diesem Gerichtssaal ans Licht kommt„, so die Pflichtverteidiger.

Die Anklage wirft Ursache versuchten Mord, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Ursache soll bei einem Polizeieinsatz am 25. August 2016 in Reuden (Burgenlandkreis) gezielt auf den Kopf eines SEK-Beamten geschossen und ihn verletzt haben, was dieser allerdings bestreitet. Ursache selbst wurde bei dem damaligen Polizeieinsatz nach Angaben der Verteidigung selbst lebensgefährlich verletzt. Das Sondereinsatzkommando (SEK) wurde vom Gerichtsvollzieher um Amtshilfe gebeten, um eine Zwangsräumung des Grundstücks des Angeklagten durchzusetzen. Eine hohe Überschuldung soll dafür ausschlaggebend gewesen sein,.

Seit Beginn des Prozesses am 9. Oktober stellte der Angeklagte mehrfach Befangenheitsanträge, die alle als unbegründet und unzulässig abgelehnt wurden. Wie in der Reichsbürgerszene üblich, stellt der 42-Jährige Angeklagte immer wieder die Rechtmäßigkeit und Zuständigkeit des Gerichts in Frage. Dazu zitiert er ausführlich aus dem Grundgesetz, dem Strafgesetzbuch und verwies auch auf die Bibel. „Ich verlange nur die Einhaltung der verfassungsmäßigen Rechte“, sagte der Ex-„Mister Germany“. Mutter und Ehefrau des Angeklagten versuchten beruhigend auf ihn einzuwirken.

Für den Prozess gelten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Der Angeklagte wird stets von drei bewaffneten Justizbeamten bewacht, insgesamt sind neun Beamte im Saal. Der Prozess wird fortgesetzt.

Fundstelle:
lto.de

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