Spieler wegen Cheatnutzung verklagt

Urheberrecht gegen unfaires Spielen

Spieler
Foto: Screenshot: epicgames.com

Viele Onlinespiele – insbesondere auf dem PC – leiden unter Cheatern – Spieler, die sich einen unfairen Vorteil durch die Benutzung von externen Programmen erschleichen. Dies führt einerseits zu einem Imageverlust des entsprechenden Spiels (WoW? Da trifft man ja nur noch auf Bots!) und schwindenden Spielerzahlen. Beides ist natürlich vom Hersteller nicht gewünscht und so hat sich nach Blizzard, welche die Bot-Hersteller bereits mehrfach verklagte und einigen anderen Publishern nun auch Epic Games Inc. dafür entschieden, diese Unsitte gerichtlich unterbinden zu lassen – mittels einer urheberrechtlichen Klage. Denn, unerlaubte Eingriffe in das Spiel bzw. den Code stellen regelmäßig Urheberrechtsverletzungen dar, wie auch der BGH im Fall Blizzard gegen Bossland ausurteilte.

Fortnites Battle Royal Modus gehackt

Das Spiel Fortnite ist ein Third-Person Build & Survive Shooting Game, welches seit kurzem auch eine sogenannte Battle Royal Multiplayerfunktion hat. Dieser Modus steht allen Nutzern kostenlos zur Verfügung. Hier bekämpfen sich Spieler gegenseitig, bis nur noch einer übrig ist und den Sieg bzw. Gewinn mit nach Hause nimmt. Zur Bewerbung dieses neuen Modus´ finden regelmäßig hochdotierte Turniere statt. Wer in solch einem Spiel betrügt, vermiest auch den Mitspielern nicht nur das Spielerlebnis, sondern die Gewinnmöglichkeit und damit die Motivation zum Spielen insgesamt. Also entschied sich der Publisher ein Exempel zu statuieren und gegen die Cheater vorzugehen.

Neu ist: Spieler werden verklagt

Der Unterschied bei den vorliegenden Klagen eines US-Gerichtes zu den bisherigen Anti-Cheat oder Anti-Bot Klagen: Hier werden tatsächlich auch die Spieler verklagt! Und zwar auf Schadenersatz in einer vom Gericht zu bestimmenden Höhe. In aller Regel werden Spieler, die bei einer Cheatnutzung erwischt werden lediglich gebannt. Epic Games geht einen Schritt weiter, sie möchte, dass es den Spielern so richtig weh tut, in ihr Spiel rechtswidrig eingegriffen zu haben.

Schädigung des Publishers als Motivation

Mag man auf Grund der Sachlage zunächst vielleicht Mitleid mit den Erwischten bekommen, so darf man dieses Gefühl gleich wieder beerdigen. Den Cheatern ging es nicht einmal ums Gewinnen, sondern rein um die Störung des Spielbetriebs. So hat einer der beiden Verklagten in einem Forum, in welchem er die Software stark bewarb, verlauten lassen: „goal is to use the cheats to create unwanted chaos and disorder in Fortnite.“ Man sei darauf aus, Streamer während einer Live-Sendung abzuknallen, so dass diese das Spiel hassen lernen. Weitere Äußerungen lassen darauf schließen, dass es nicht nur am Rande, sondern vor allem gerade um die Schädigung des Publishers ging. Ob die Fälle mit den kürzlichen Streitigkeiten der Players Unknown Battlegrounds (PUBG)* Vorwürfe gegenüber Epic Games in Verbindung stehen, ist derzeit nicht bekannt.

Verhandelt wird am Unternehmenssitz

Besonders prekär für die Verklagten aus Canada und Minnesota: Sie müssen aufgrund des von der Klägerin festgelegten Gerichtsstands vor dem Gericht in North Carolina verhandeln, was natürlich zusätzlich Zeit und Geld kostet. Reaktionen auf die erhobenen Klagen sind derzeit noch nicht bekannt.

Wir werden den Fall (unter www.gameslaw.online) weiterverfolgen, insbesondere, da die Klage weitreichende Auswirkungen auf künftige Cheatsoftwarenutzer haben kann.

„Nobody likes a cheater. And nobody likes playing with cheaters.“

*ebenfalls ein Battle Royal Spiel, welches sich in einer kostenpflichtigen Alpha Phase befindet. Die Hersteller von PUBG beschuldigten Epic Games kürzlich des Ideenklaus.

Ein Beitrag von Michael Scheyhing
Michael Scheyhing ist Gründer und Herausgeber von GamesLaw.online - In seinem Blog schreibt er über Rechtliches zum eSport, Gaming und über andere medienrechtliche Themen. Er ist Referendar am OLG Nürnberg und ist nebenbei in der Kanzlei Dr. Kreuzer & Coll. im Bereich IT-, Medien- und Gamesrecht tätig. GamesLaw bei Twitter: @gameslaw
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