Häftlinge zweigen Fleischprodukte aus JVA-Küche ab

Wurst-Gate

Fleischprodukte
Foto: Symbolbild

Dass im Gefängnis mit Zigaretten gehandelt wird, ist altbekannt. Im Hochsicherheitsgefängnis Celle sorgten jetzt jedoch mehrere Häftlinge für Aufmerksamkeit, die mit Schnitzeln und Würstchen gedealt haben sollen. Nun wird den Männern vor dem Amtsgericht Celle deswegen der Prozess gemacht.

Vier Insassen der JVA sollen über mehrere Monate hinweg verschiedene Fleischprodukte aus der JVA-Küche gemopst haben. Das Fleisch verwahrten sie dann in eigenen Gefrierfächern, um es später an andere Häftlinge weiterzugeben. Unter den 42 bis 57 Jahre alten Angeklagten befindet sich auch ein Doppelmörder. Aus Sicherheitsgründen wurde die Verhandlung deswegen in den großen Saal des Oberlandesgerichtes verlegt. Dort mussten drei der Angeklagten gemeinsam mit fünf Wachleuten in einem Kasten aus Panzerglas Platz nehmen. Im Gerichtssaal stand außerdem ein Kühlschrank mit den beschlagnahmten Wurstwaren.

Küchenchef half den Wurst-Dealern

Aufgeflogen sind die Wurst-Dealer wohl nur deswegen, weil einer der Beteiligten die anderen bei der JVA-Leitung verpetzte. Wegen Beihilfe mitangeklagt ist außerdem ein 42 Jahre alter Justizbeamter. Der Küchenchef des Gefängnisses soll beim Portionieren und Einschweißen geholfen haben. Gegen den Beamten läuft deswegen auch ein Disziplinarverfahren.

Aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ergibt sich, dass es im Prozess um 30,6 Kilogramm Fleisch, 10,2 Kilogramm Bratwürste und 4,7 Kilogramm Mettenden gehen soll. Die Häftlinge sollen die Fleischportionen in Kisten auf Transportwagen auf ihre jeweiligen Stationen gebracht und in eigenen Gefrierfächern „zum Verzehr und zur Weiterveräußerung“ deponiert haben. Nach dem Auffliegen der Wurst-Dealer wurden die Bandenmitglieder in unterschiedlichen Gefängnissen untergebracht. Die Anwälte fordern eine Einstellung des Verfahrens. Die Staatsanwältin ist dagegen. Sie will die Rolle des Justizbeamten aufklären, der geholfen haben soll. Ein Urteil  wird für den 16. November erwartet. Die Angeklagten müssen mit (zusätzlichen) Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren rechnen.

Fundstelle:
lto.de

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  • Martin Morgenstern

    Wie kann man den als Gefangener ein eigenes Kühlfach haben? Wie groß ist den der Schaden? Die etwa 45 kg Fleisch schätze ich auf nicht mal 300 EUR ein…