Wie viele Raf­fa­ellos sind in einer Packung?

Raffaelos
Foto: VladiMens - Wikimedia Commons - CC BY-SA 3.0 (bearbeitet)

Wie viele Raffaellos sind eigentlich in einer Packung? Diese Frage stellte sich ein hessischer Verbraucher, fand aber nur das Gesamtgewicht von 230 Gramm auf der Packung. Er wandte sich an die Verbraucherzentrale Hessen, die Ferrero erfolglos auf Unterlassung in Anspruch nahm. Nach EU-Recht ist die Angabe der Anzahl von Einzelverpackungen erforderlich. Das Landgericht Frankfurt gab der Verbraucherzentrale Hessen Recht.

Hersteller müssen bei vorverpackten Lebensmitteln, die aus mehreren nicht zum Einzelkauf bestimmten gleichartigen Packungen bestehen, die Gesamtzahl der enthaltenen Einzelverpackungen angeben. Das geht aus einem am Mittwoch bekannt gewordenen Urteil des Landgerichts (LG) Frankfurt hervor (Urt. v. 11.10.2017, Az. 2-06 O 245/17).

Vorausgegangen war der Entscheidung eine Beschwerde eines hessischen Verbrauchers, der sich darüber ärgerte, dass er auf der Verpackung von Raffaello nur das Gesamtgewicht von 230 Gramm finden konnte. Wie viele Konfektkugeln tatsächlich in der Verpackung zu finden sind sowie das Einzelgewicht einer Kugel, war nicht angegeben.

Der Süßwarenhersteller Ferrero argumentierte, dass es zu minimalen Schwankungen beim Gewicht der Raffaellos komme – beispielsweise durch mehr oder weniger Kokosraspeln pro Kugel – und die Angabe daher nicht möglich sei. Mit dieser Argumentation konnte Ferrero aber bei der Verbraucherzentrale Hessen, welche die Interessenvertretung übernommen hatte, nicht durchgreifen. Sie mahnte Ferrero ab.

Doch bei Ferrero weigerte man sich, die geforderte Unterlassungserklärung abzugeben, so dass ein Gerichtsverfahren notwendig wurde. Nach Anhang IX Nr. 3, 4 der EU-Lebensmittelinformationsverordnung sind Hersteller verpflichtet, neben der Nettofüllmenge auch die Stückzahl offenzulegen, wenn sie mehrere einzeln verpackte Pralinen, Schokoriegel oder Eisportionen in einer Verpackung anbieten.

Die Richter mussten sich nunmehr mit der Frage beschäftigen, ob die Umhüllung der Raffaellos als Einzelverpackungen oder als bloße Trennhilfen – vergleichbar etwa mit dem Einwickelpapier von Bonbons – anzusehen sind. Das war nämlich die Argumentation von Ferrero. Das Landgericht folgte aber der Argumentation der Verbraucherzentrale und sprach den Verbraucherschützern den geltend gemachten Unterlassungsanspruch nach §§ 8 Abs. 3 Nr. 3, 3a des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) zu.

Nach Ansicht der Kammer kann nicht mehr von einer Trennhilfe gesprochen werden, wenn die Verpackung in zerstörerischer Weise geöffnet werden müsse. Einer Verpackung komme nämlich eine Schutzfunktion in dem Sinne zu, dass dem Verbraucher durch ihre Unversehrtheit signalisiert werde, dass das Lebensmittel nicht schon von Dritten geöffnet worden sei, argumentierten die Richter.

Dies sei bei den Umhüllungen von Bonbons und Pralinen anders. Diese Entwicklungen könnten leicht gelöst werden, geht aus dem Urteil hervor. Bei solchen mit Trennhilfen umhüllten Produkten müsse die Unversehrtheit durch die Umverpackung gewährleistet werden. Die Raffaelos dagegen seien eingeschweißt und könnten nur entnommen werden, wenn die Umhüllung aufgerissen oder aufgeschnitten, also zerstört werde, so Gericht.

Die Verbraucherzentrale Hessen zeigte sich mit dem Urteil zufrieden: „Verbraucher müssen die Anzahl entweder sehen können oder sie muss auf der Verpackung stehen. Nur so können sie unserer Ansicht nach die Menge richtig einschätzen“, so die Referentin für Marktbeobachtung, Wiebke Franz.

Fundstellen:
lto.de
Landgericht Frankfurt am Main, Urt. v. 11.10.2017, Az. 2-06 O 245/17

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  • Mikel Friess

    Ernsthaft jetzt? Konnte man da klagen? Ja klar. Muss das sein? NEIN!

    Wird jetzt ein Raffaelo mehr in der Packung sein als vorher? Wird die Welt besser? Ne….

  • Christian

    Was will Ferrero mit dem Argument „… minimalen Schwankungen beim Gewicht der Raffaellos …“ sagen? Das würde doch bedeuten, daß …
    (1) entweder mal eine Raffaello mehr oder mal eines weniger in der Packung ist, um exakt auf die 230 Gramm zu kommen. Dies erscheint nicht vorstellbar, da das Gewicht eines Raffaellos sicher deutlich höher ist als die Schwankung durch unterschiedlich viel Kokosraspel ausmacht.

    (2) durch die Schwankungen die 230 Gramm nicht genau erreicht werden, und es in der Praxis mal 228 Gramm sind und mal 234 Gramm. Dann wäre aber immer die gleiche Anzahl an Raffaello in der Packung und lediglich das Gesamtgewicht würde leicht variieren.

    Versteht das Argument von Ferrero jemand?

    • Ja. Es gibt natürlich pro Kugel gewisse positive wie negative Abweichungen. Über 20 Kugeln sollte sich das aber dann gegen Null aufwiegen, so dass eine Angabe von 230 g durchaus gegeben werden kann. Aber ich verstehe nicht, dass es ein Problem ist, die Anzahl der Einzelstücke anzugeben.

      • Christian

        OK, sorry, ich habe mich ein wenig unpräzise ausgedrückt. Ich verstehe das Argument, daß – wenn die einzelnen Raffaello *substantiell* unterschiedlich schwer wären – unter Umständen eines mehr oder weniger in der Packung sein müßte, um das Gesamtgewicht von 230 Gramm zu erreichen.

        Da sich die Abweichungen pro Raffaello im Bereich von Gramm oder darunter bewegen dürften, empfinde ich das Argument als Pflanzerei, denn es wird immer die gleiche Anzahl in der Packung sein.

        Leider schmecken mir die Raffaello nicht, denn sonst würde ich mich doch jetzt glatt zu einer kleinen Studie hinreißen lassen und einige Raffaello-Packungen kaufen und die Anzahl und das durchschnittliche Gewicht ermitteln. Wenn es Ferrero Rocher wären, wäre ich dabei! :-)

  • Raoul

    Yeah, eines der besten First-World-Problems ever.

    Bonuspunkte gibt es im Verlauf: Sowohl die Argumentation von Ferrero („Aber aber die Kokosraspeln“) als auch die des Gerichts („Ist die Siegelfolie zum zerreißen gespannt, gehört ne Stückzahl draufgebrannt“) sind an Unsinn kaum zu überbieten. Die Verbraucherzentrale dient allerdings meiner Meinung nach nur dazu, die Geschichte voranzutreiben. Wesentlich zur Handlung trägt sie nicht bei, da könnte man noch etwas nachbessern. Aber ansonsten sehr schön.

  • Gewichtsangaben pro Kugel halte ich auch für sinnfrei. Aber die Anzahl sollte Ferrerrerrero doch bekannt sein, nicht wahr? Also ist das Aufdrucken selbiger kein großer Akt. Dann kann man mit Vorschulmathematik berechnen, wie schwer im Mittel eine einzelne Kugel ist, wenn alle zusammen 230 g Masse besitzen.

    • Raoul

      Es ist vermutlich auch kein Problem. Für Ferrerrerrero (vielen Dank für diesen schönen Namen!) könnte es trotzdem schöner sein, keine Anzahl draufgedruckt zu sehen: So sieht man nicht, daß da ziemlich wenig Stück drin sind und man kann künftige Packungsverkleinerungen unauffälliger vornehmen.

      Außerdem arbeitet Ferrerrerrero vermutlich gerade an massiv verdichteten Kokosraspeln, um das Gewicht bei verringerter Kugelanzahl gleichhalten zu können und das soll nicht herauskommen.