Aggressiver Hahn greift Bauarbeiter an – 37.500 € Entschädigung

Hahn
Foto: Symbolbild

Am heutigen Mittwoch endete ein kurioser Prozess vor dem OLG München in zweiter Instanz mit einem Vergleich. Weil ein aggressiver Hahn einen Bauarbeiter angegriffen hatte, müssen die Eigentümer des Tieres nun Schmerzensgeld und Schadensersatz von insgesamt 37.500 Euro zahlen – genauer gesagt wohl deren Haftpflichtversicherung.

Der Vorfall geschah im Juli 2013. Der 53-jährige Straßenbauarbeiter war in der Nähe des Grundstückes der Beklagten in Egmating im oberbayerischen Landkreis Ebersberg tätig. Er behauptete vor Gericht, dass er von dem Hahn angegriffen worden sei und dadurch bei dem Versuch, auszuweichen, rückwärts über die Bordsteinkante stolperte. Unter starken Schmerzen konnte er sich mit Mühe in das Nachbarhaus retten, während er immer weiter von dem Hahn angegriffen wurde. Das Resultat: Ein gebrochener Lendenwirbel, mehrere Wochen in stationärer Behandlung, einen Monat Reha und eine langwierige physiotherapeutische und orthopädische Behandlung, in der sich der Kläger nach eigenen Angaben nach wie vor befindet. Er könne noch immer nicht lange sitzen und ohne Schmerzen keine schwereren Gegenstände wie beispielsweise einen Bierkasten heben. Er habe seine Arbeitszeit um wöchentlich vier Stunden verkürzen müssen, könne nur noch im Innendienst eingesetzt werden und seine Nebentätigkeit als Hausmeister für eine Kirche nur noch eingeschränkt ausüben.

In erster Instanz hatte das Landgericht die Eigentümer des Hahns zur Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld von insgesamt 10.000 Euro verurteilt, aber zugleich festgestellt, dass die beiden Beklagten dem Kläger sämtliche künftige materielle und immaterielle Schaden aus dem Unfall zu ersetzen haben. Den Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalles erachtete das Landgericht als unbegründet an, weil der Kläger nicht substantiiert vorgetragen habe, was ihm durch den Unfall entgangen sei. Der Betrag von 10.000 Euro reichte dem Kläger nicht, weswegen er Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt hat.

Die Beklagten gaben zu, dass der Hahn und die Hühner grundsätzlich auf ihrem Grundstück frei herumliefen – was in der Gegend üblich sei. Dass ausgerechnet ihr Hahn den Sturz und die Verletzungen verursacht haben soll, sei jedoch von dem Kläger nicht nachgewiesen worden. Nun einigten sich die Parteien vor dem OLG München auf einen Betrag von 37.500 Euro, mit dem sämtliche Ansprüche zwischen den Parteien abgegolten sein sollen. Der Betrag setzt sich aus einem Schmerzensgeld von 10.000 Euro und einem Schadensersatz von 27.500 Euro zusammen.

Die versicherten Beklagten können den Vergleich jedoch noch bis zum 21. Februar widerrufen – falls die Haftpflichtversicherung das Vergleichsergebnis nicht mittragen sollte. Aufgrund des Vorfalls haben sie die Tierhaltung aufgegeben und den aggressiven Hahn mittlerweile geschlachtet.

Quelle:
Süddeutsche.de

Schlagworte:
, , , , , , , , , ,