Kurioser Prozess um Juristin und falschen McDonald’s-Gutschein

MCDonald´s
Foto: Symbolbild

Eine jahrelange Auseinandersetzung findet ihren Höhepunkt in einem Prozess wegen versuchten schweren Betruges gegen eine Juristin in Wien. Die Beteiligten: Eine bis dahin unbescholtene 41-jährige Juristin und ein genervter McDonald´s Kundendienst.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, in einer McDonald’s-Filiale mit einer gefälschten Mail des Kundendiensts zu zwei 25-Euro-Gutscheinen zu kommen. Es könnte aber auch eine Racheaktion sein. Nun muss ein technischer Gutachter ran.

“Ich beschwere mich auch, wenn die Pommes zu salzig oder zu kalt sind, und bestehe auf neuen”, erklärt die 41-Jährige vor Richter Hartwig Handsur. Vor Verhandlungsbeginn bittet ihr Verteidiger Johannes Wolf den Richter, laut zu sprechen, da seine Mandantin schwerhörig sei. Dieses Kriterium spielt in der Auseinandersetzung eine wichtige Rolle, denn seine Mandantin habe bereits 2013 die Gleichbehandlungskommission eingeschaltet, nachdem sie ihrem Eindruck nach in einer McDonald’s-Filiale wegen dieser Einschränkung diskriminiert worden sei.

Was die E-Mail mit den Gutschein betrifft, ob diese nun eine Fälschung sei oder nicht, seine Mandantin sei jedenfalls von ihrer Echtheit überzeugt gewesen. “Es wäre doch erstaunlich, wenn eine Juristin, die wissenschaftliche Fachartikel schreibt, ihre Zukunft wegen McDonald’s-Gutscheinen aufs Spiel setzt.”

Richter Handsur will wissen: “Was ist der Hintergrund für die Troubles?” und die Frau führt aus: “Im Jahr 2013 war ich mit meinem damaligen Freund in meiner Stammfiliale und bekam versalzene Pommes. Ich wollte neue, es ist zu einem Streit gekommen. Der Geschäftsführer hat mich dabei extremst diskriminiert! Mein Freund hat danach die Beziehung beendet, da er sehr konservativ ist”.

Es folgen erfolglose Beschwerden beim Kundenservice und schließlich eine Eingabe bei der Gleichbehandlungskommission, auch mit keinem verwertbaren Ergebnis: Das dortige Verfahren wurde entweder eingestellt oder ergab, dass keine Diskriminierung vorlag, gibt die Angeklagte zu. Doch auf Fastfood wollte die Angeklagte weiterhin nicht verzichten. Nach dem Wechsel der Geschäftsführung ging sie entweder wieder in ihre Stammfiliale oder in eine fünf Minuten weiter entfernte Niederlassung.

“Ich schreibe dort meine Artikel”, führte sie aus. “Und, gab es nach 2013 auch irgendwelche Zwischenfälle?”, fragt Handsur nach. “Zwischenfälle hat es quasi ständig gegeben”, hört er. “Es wurde mir verboten, mein mitgebrachtes Cola zu trinken, ein anderes Mal hat man mich gefragt, warum ich so oft da bin”, klagt die Frau ihr Leid. Zwischen 2013 und 2017 habe sie sich rund zwanzigmal beschwert und danach eine Entschuldigung oder Gutscheine erhalten. Nachdem Emails ignoriert wurde, habe sie 20 bis 30 täglich beim Kundendienst angerufen. Momentan befinde sie sich in Pflegekarenz und bekomme 570 Euro.

Es liegt demnach nicht fern, dass die McDonald’s-Mitarbeiter durch das Vorgefallene mittlerweile etwas gereizt wirken. Ein Beispiel dafür liefert die neu ausgestellte Stammkundenkarte. “Ich habe die alte verloren und eine neue beantragt. Erst später habe ich registriert, auf welchen Namen die ausgestellt ist, das sieht man nur im Internet!” Die Frau nimmt ihr Handy, tritt vor den Richter und zeigt ihm einen Screenshot. Der Richter diktiert fürs Protokoll: “Unter Vorname steht: ‘Leck mich am’, unter Nachname: ‘Schwanz’.”

Es ist also nicht vollständig auszuschließen, dass die Mail mit dem Gutschein eine Racheaktion ist. Richter Handsur fällt auf, dass das Schreiben in der Mail an einen anderen Namen adressiert ist und befragt die Frau dazu. “Ich habe im Sommer 2017 bemerkt, dass mich diese fiesen Mitarbeiter loswerden wollen. Ich habe beim Automaten einen Teufelsburger bestellt, der ist zehn Minuten auf der Theke gelegen, ohne dass die Abholnummer auf der Anzeige aufgeschienen ist!”, behauptet sie.

Es hagelte also eine weitere Beschwerde beim Personal. “Ich bin ein ziemlich emotionaler Mensch, der Mitarbeiter hat mich in Rage gebracht.” Schließlich habe er in aller Öffentlichkeit verkündet: “Wir dokumentieren Sie seit Jahren schon!” Das was dokumentiert werde, sei demütigend gewesen: Die Frau betätige nach dem Exkrementieren nicht die Toilettenspülung, sondern würde den Kot im Gegenteil noch verteilen. “Das stimmt nicht!”, wendet sie jetzt ein. Damals verlangte sie eine Herausgabe dieser angeblichen “Dokumentation” und gab die nun im Strafverfahren wichtige Mailadresse an.

Zuerst gab es wieder keine Reaktion auf die Beschwerde. Als aber erneut mit der Gleichbehandlungskommission und dem Gang in die Medien gedroht wurde, sei das inkriminierte Schreiben von der Adresse kundenservice@mcdonalds.at plötzlich eingetroffen.
Das sei aber ein Ding der Unmöglichkeit, erklärt der nun anwesende Zeuge aus der Rechtsabteilung von McDonalds. Weiter führt er aus, dass Reklamationen an sich Sache der “Communications-Abteilung” sind, er sich aber die Informationen besorgt habe. Er übergibt dem Richter ein Konvolut, aus dem sich ablesen lässt, wie Antwortmails auszusehen haben. Zu den Vorgaben zählen beispielsweise: Man muss “Restaurant” statt “Filiale” schreiben, und es werden nur Warengutscheine versandt. Faktoren, die in der betroffenen Mail nicht berücksichtigt worden sind.

Schließlich berichtet der Zeuge noch, dass es Mails von der Angeklagten erst ab dem Jahr 2016 gebe und es im Mai 2017 schon einmal zu einem Betrug wie dem nun angeklagten gekommen sei. Damals habe es eine firmeninterne Warnung davor gegeben.
Fest stünde: “Wir können ausschließen, dass die Mail von uns kommt, da sie nicht im System ist.” Der Verteidiger hakt nach: “Ist es technisch möglich, dass ein Mitarbeiter in eine Antwortmail etwas anderes schreibt als vorgesehen? Also nicht, ob er es darf, sondern ob er es kann?”, fragt er. Das sei möglich, muss der Zeuge zugeben. “Und kann man Mails aus dem System wieder löschen?” Herr B. ist sich nicht ganz sicher, glaubt aber nicht.

Es geht somit in die nächste Runde: Verteidiger Wolf beantragt zum Zwecke des Beweises, dass die Mail entweder doch von McDonald’s stammt oder zumindest eindeutig nicht von seiner Mandantin ein Gutachten eines EDV-Sachverständigen. Richter Handsur gibt dem Antrag statt und vertagt den Prozess auf unbestimmte Zeit.

Fundstelle:
derstandard

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11 Kommentare zu Kurioser Prozess um Juristin und falschen McDonald’s-Gutschein

  1. Da kann man nur hoffen das die, die sich als angebliches Opfer darstellt mal eine ordentliche Packung vom Rechtsstaat bekommt.

    Ich kenne solche Gäste, die suchen immer ein Grund sich aufzuregen um sich dadurch Kompensationen zu erschleichen.
    Alleine die Tatsache das sie angibt, sie bekommt knapp 500 Euro, davon kann man für gewöhnlich nicht so häufig bei McDonalds essen gehen, alleine aus Erfahrung sage ich das geht zu schlimm ins Geld.
    Lösung? Sich Kompensationen durch unnötige Beschwerden erschleichen.

    Wenn ich schon lese, zu salzige Pommes… Da schwillt mir als ehemaliger Gastronomie Angestellter der kamm.

    Solche Leute..

    • Salzige Pommes sind natürlich lebensgefährlich. Weil man das allgemein glaubt, muss ich mir seit 20 Jahren 3 Päckchen Salz über meine Pommes ergiessen, damit ich noch was merke. Es ist so glänzend.

  2. In der österreichischen Presse gibt es dazu tolle Kommentare – nett ist es wenn sich Wiener und Nicht-Wiener streiten, wer jetzt schlimmer sei …

  3. Hier gibt’s ein 25 minütiges, Domian-ähnliches Gespräch mit der Dame:
    http://fm4.orf.at/player/20180110/BT (Ab ca. Minute 13:30)

    Der Moderator macht das sehr gut, die Frau hat aber absolut keine Einsicht. Sie wettert gegen den Journalisten, der das Ganze ausgegraben hat (berührt aber auch tatsächlich gute Punkte) und wann immer der Moderator ihr einen Rat zum Fall geben will (“Deeskalation”) greift sie mit “Es geht mir jetzt nicht um den Fall” ein. Ohrenscheinlich erhofft sie sich einen Tipp, wie man nun gegen den Journalisten vorgehen kann (“Verstoß gegen den Kodex”) oder ob der Moderator da nicht Beziehungen hat.

    Der Moderator hat aber auch einen recht lustigen Humor:

    Moderator: Gibt’s mehr als den einen Bericht?
    Frau: Das steht in jedem Tagblatt.
    Moderator: Zumindest die BILD-Zeitung sollte darauf anspringen.
    Frau: Ohne Bilder machen die nix.
    Moderator: Das kann man ja alles noch nachreichen und stellen, das ist nicht das Problem.

  4. Hm, Justillon mag anscheinend keine Links – auch nicht, wenn sie zum öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunk gehen.

    Mein Beitrag war eigentlich:

    Hier gibt’s ein 25 minütiges, Domian-ähnliches Gespräch mit der Dame:
    (Link zu FM4, Sendung: Bonustrack)

    Der Moderator macht das sehr gut, die Frau hat aber absolut keine Einsicht.
    Sie wettert gegen den Journalisten, der das Ganze ausgegraben hat
    (berührt aber auch tatsächlich gute Punkte) und wann immer der Moderator
    ihr einen Rat zum Fall geben will (“Deeskalation”) greift sie mit “Es
    geht mir jetzt nicht um den Fall” ein. Ohrenscheinlich erhofft sie sich
    einen Tipp, wie man nun gegen den Journalisten vorgehen kann (“Verstoß
    gegen den Kodex”) oder ob der Moderator da nicht Beziehungen hat.

    Der Moderator hat aber auch einen recht lustigen Humor:

    Moderator: Gibt’s mehr als den einen Bericht?
    Frau: Das steht in jedem Tagblatt.
    Moderator: Zumindest die BILD-Zeitung sollte darauf anspringen.
    Frau: Ohne Bilder machen die nix.
    Moderator: Das kann man ja alles noch nachreichen und stellen, das ist nicht das Problem.

    • Erstaunlich, jetzt nach zwei Tagen ist der andere Beitrag mit Link dann doch noch veröffentlicht worden. Falls ich das System falsch bedient haben sollte: Sorry.

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