„Lass mich noch mal schlecken!“ – Nötigung?

Nötigung
Foto: Symbolbild

Das Amtsgericht Wolfratshausen musste sich mit einem kuriosen Fall der Nötigung beschäftigten: Verantworten musste sich ein Mann, der eine Radfahrerin dazu nötigte, ihn an ihrem Sattel schlecken zu lassen. Das Verfahren wurde schließlich gegen Zahlung einer Geldauflage an die Frau eingestellt.

Die Betroffene: Eine 24-Jahre junge Radfahrerin, die erst einmal einen Tag brauchte, um das Erlebte bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Es war im März 2017, als die Frau auf einer Trainingsrunde mit dem Rad auf einer Straße bei Linden (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) an einem Holzstapel Pause machen wollte, als in dem Moment auch ein junger Mann mit seinem Auto bei ihr anhielt und auf sie zuging. Zuerst stellte der Fremde eine unverfängliche Frage nach dem Weg. Doch dann fragte er, ob er ihren Sattel abschlecken dürfe. Obwohl die Studentin den Mann noch mit dem Arm wegdrücken wollte, schleckte dieser bereits am Sattel.„Dann hat er sich vorgebeugt und von vorne bis hinten den Sattel abgeschleckt“, berichtete sie. „Ich war total perplex“, gab die Frau bei Gericht an. „Ich weiß nur noch, dass ich unbedingt weg wollte.“

Doch der Mann hatte noch nicht genug: „Lass mich noch mal schlecken“, soll er gesagt haben. Die junge Frau machte eine Abwehrbewegung mit dem linken Arm und fuhr weg. Dabei habe sie die ganze Zeit den Eindruck gehabt, dass der Angeklagte tatsächlich nur an ihrem Sattel lecken wollte – um sexuelle Handlungen sei es ihm nicht gegangen. Auf ihrem Handy habe sie sich später dessen Autokennzeichen notiert. Bei darauf folgenden Touren war sie nur noch in Begleitung unterwegs, erst später traute sie sich wieder allein zu fahren. Drei bis vier Mal sei sie dem Mann begegnet, als er mit dem Auto unterwegs an ihr vorbeigefahren sei.

Doch damit nicht genug: Ein paar Monate später – Mitte September – wurde die Radfahrerin wieder vom Angeklagten belästigt.
Mehrmals überholte der Mann sie mit dem Auto und hielt immer wieder an. Erst als die Frau auf eine für Auto gesperrte Straße einbog, konnte sie den Angeklagten abschütteln. Auch diesen Vorfall wollte die Frau bei der Polizei anzeigen, doch wurde ihr dort geraten, den Fall direkt in der Verhandlung zu schildern.

Amtsrichter Helmut Berger stellte das Verfahren schließlich ein. Er verpflichtete den gelernten Maurer aber, 500 Euro an die Frau zu zahlen und ein Jahr lang keinen Kontakt zu der Studentin aufzunehmen. Der Mann äußerte sich zur Tat nicht. Über seinen Verteidiger räumte er den Tatvorwurf aber ein. Eine Entschuldigung für sein Verhalten fiel ihm schwer. Zuerst nuschelte der Angeklagte nur „Tschuldigung„, auf Ermahnung des Richters gab es dann doch einen ganzen Satz.

Fundstelle:
sueddeutsche.de

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  • Manche Leute haben schon abartige Vorlieben. Kann der nicht einfach wie jeder vernünftige Durchgeknallte ins Dominastudio gehen? Man, man, man!