Die Sado-Maso-Mami

Sado-Maso
Foto: Symbolbild

Ein Beitrag aus der Reihe Rechtsgeschichte(n) von Prof. Dr. Arnd Diringer

Bei Sorgerechtsstreitigkeiten kommt es oft zu Vorwürfen, die „unter die Gürtellinie gehen“. Ziemlich wörtlich genommen hatte das ein Antragsteller in einem vom OLG Hamm entschiedenen Fall (Beschl. v. 1.2.2006 – 10 UF 147/04). Nach seiner Meinung war seine geschiedene Frau aufgrund der von ihr bevorzugten Sexualpraktiken nicht erziehungsgeeignet. Und er belegte diese Behauptung mit zahlreichen einschlägigen Fotos von seiner Ex.

Die Beteiligten des Verfahrens waren weniger als 14 Monate verheiratet. Nach einer darauf folgenden kurzen Versöhnungsphase zog die Frau mit den gemeinsamen Kindern zunächst zu ihrem ersten Ehemann. Später hat sie eine eigene Wohnung angemietet – in 500 Meter Entfernung von ihrem zweiten Ehemann, mit dem sie sich nun vor Gericht stritt.

Dieser vertrat die Ansicht, dass seine Ex-Frau nicht erziehungsgeeignet sei. „Sie habe ständig wechselnde Männerkontakte sowie perverse sexuelle Neigungen, da sie sado-masochistische Praktiken ausübe“.

Belegen konnte er dies durch Foto-Ausdrucke sowie ca. 3.500 weitere Aufnahmen seiner geschiedenen Frau, die sich auf einer CD-Rom befinden.

In dem Besitz der Bilder kam er durch einen Einbruch. Nach der Trennung von einem anderen Lebensabschnittsgefährten hatte seine ehemalige Gattin ihm mitgeteilt, „dass es pikante Fotos von ihr und Herrn I gäbe“. Ihr (zweiter) Ex-Ehemann brach daraufhin „in die Wohnung des Herrn I ein und entwendete den Computer, auf dessen Festplatte die Fotos gespeichert waren, die während der einjährigen Beziehung zwischen Herrn I und der Antragsgegnerin entstanden waren. Er brannte die Fotos auf CD-Rom und zerstörte sodann den Computer.“

Aber ihre sexuellen Neigungen waren nicht das Einzige, das nach Meinung des Mannes gegen die Erziehungsgeeignetheit seiner ehemaligen Frau sprach. Er warf ihr auch vor, dass sie hysterisch sei und zum Suizid neige. Ihr Leben sei „von großer Diskontinuität geprägt“ und sie spräche erheblich dem Alkohol zu.

Seine Ex konterte diese Vorwürfe mit der Behauptung, ihr ehemaliger Gatte sei „erziehungsunfähig auf Grund seines übermäßigen Alkoholkonsums und seiner starken Depressionen.“ Welche sexuellen Neigungen sie habe, sei ihre Privatsache. Auf das Wohl der gemeinsamen Kinder würden sich diese nicht auswirken.

Das OLG Hamm beließ es bei der gemeinsamen Sorge. Es konnte nicht feststellen, dass das Sexualleben der Frau Auswirkungen auf die Kinder hat. Sie ist nach Meinung des Gerichts auch “keine Alkoholikerin, ist nicht krankhaft hysterisch oder suizidgefährdet“. Umgekehrt fand es „weder erhärtende Hinweise auf einen möglichen Alkoholismus des Antragstellers noch auf Depressionen.“

Die gegenseitigen Vorwürfe waren also teilweise nicht wahr, teilweise für die Entscheidung irrelevant. Dennoch kann man wohl nur hoffen, dass die Kinder nie die Bilder ihrer Mama irgendwo finden. Und auch den Beschluss des OLG Hamm, in dem die Sexualpraktiken der Frau beschrieben sind, sollten die Beteiligten wohl besser für die Kinder unzugänglich aufbewahren.

Noch wichtiger erscheint allerdings ein Rat, den das Gericht ihnen für die weitere gemeinsame Erziehung der Kinder mit auf den Weg gab: Beide Elternteile sollen zu deren Wohl „alle die Kinder betreffenden Sachverhalte, Fragestellungen, Entscheidungen und Probleme ausschließlich auf der Elternebene, losgelöst von der Paarebene, diskutieren“.

Das mag schwerfallen, sollte aber möglich sein. Denn nach den Feststellungen des Gerichts sind beide „ihren Söhnen gleichermaßen gegenüber liebevoll verbunden und erkennen an, dass die Kinder auch den jeweils anderen Elternteil lieben.“ Und genau darauf kommt es letztlich an: Dass Eltern ihre Kinder lieben!

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1 Kommentar zu Die Sado-Maso-Mami

  1. “Dieser vertrat die Ansicht, dass seine Ex-Frau nicht erziehungsgeeignet
    sei. „Sie habe ständig wechselnde Männerkontakte sowie perverse sexuelle
    Neigungen, da sie sado-masochistische Praktiken ausübe“.”

    Reingefallen. In der Psychologie wird SM nicht als Krankheit oder Perversität gesehen. Damit sollte es auch vor Gericht als zwar nicht universal verständliche aber dennoch als Art der Liebesbeziehung einzuordnen sein.

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