JVA Tegel: Flucht mit Attrappe aus Kleidern und Klopapier

Gefängnis
Foto: Symbolbild

Erst Anfang Januar schrieb die Berliner Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee Schlagzeilen, weil innerhalb kürzester Zeit neun Häftlinge entkommen konnten. Jetzt hat es wieder ein Berliner Gefängnis zu traurigem Ruhm geschafft. Einem Häftling gelang die Flucht aus der JVA Tegel mit Hilfe eines aufwändigen Täuschungsmanövers:

Der Mann schaffte es, die Bediensteten der JVA mit einer Attrappe in seinem Bett zu täuschen. Laut Angaben des Berliner Justizsenators habe der Gefangene die Umrisse seines Körpers unter der Bettdecke aus Kleidung, Toilettenpapier und Stoffresten sowie einer Mütze geformt. Bei der Zählung der Insassen nach einer Freistunde habe er so den Eindruck erwecken können, dass er in seinem Bett liege. Das Fehlen des Häftlings wurde in der Justizvollzugsanstalt erst einen Tag später bemerkt. Zunächst wurde das gesamte JVA-Gelände erfolglos durchsucht. Auf welchem Weg der Gefangene die JVA Tegel letztendlich verlassen konnte, ist nicht bekannt.

Filmreife Flucht unter einem LKW?

Die Justizverwaltung prüft jetzt, ob der 24-Jährige mit einem Lastwagen entkam, der am Mittwoch Waren in die JVA lieferte. Der Mann sollte bis 2022 eine vierjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung verbüßen. Für die Flucht ist eventuell auch die angespannte Personalsituation in den Berliner Haftanstalten verantwortlich. Für Dirk Behrendt (Grüne) steht die Aufklärung des Vorfalls im Vordergrund. Er werde dem Parlament diesbezüglich Rede und Antwort stehen.

Bis Ende 2019 scheiden allein in Berlin altersbedingt 614 Bedienstete aus dem Vollzugsdienst, wie aus einer aktuellen Antwort der Justizverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der CDU hervorgeht. Im Januar 2018 waren von rund 2.840 Stellen in den Berliner Gefängnissen über 300 Stellen nicht besetzt. Die JVA Tegel verfügt über ca. 900 Haftplätze und über 600 Mitarbeiter.

Von den neun Häftlingen, die aus der JVA Plötzensee entkommen konnten, sind inzwischen acht Gefangene wieder hinter Gittern. Nach einer Person wird noch gesucht. Auch an dieser Stelle sei angemerkt, dass der Ausbruch aus dem Gefängnis in Deutschland nicht unter Strafe steht.

Fundstelle:
spiegel.de

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