„Sie können mich mal…“ – Ja was denn?

Sie können mich mal
Foto: Symbolbild

Ein Beitrag aus der Reihe Rechtsgeschichte(n) von Prof. Dr. Arnd Diringer

„Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“. Um dieses berühmte Zitat aus Goethes Werk „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“ ging es in einem vom OLG Karlsruhe (Beschluss vom 1. 6. 2004 – 1 Ss 46/04) entschiedenen Fall. Oder auch nicht.

Denn der Angeklagte hatte nicht genau die Worte des Götz von Berlichingen benutzt, sondern gegenüber einer im Streifendienst eingesetzten Gemeindevollzugsbeamtin lediglich geäußert: „Wissen Sie was, Sie können mich mal …”. Und damit stellte sich die Frage, ob diese Äußerung eine strafbare Beleidigung darstellen kann.

Für die Karlsruher Richter stand außer Frage, dass der Satz „Sie können mich mal …” in Verbindung mit dem „Götz-Zitat“ – „von situativ- oder regionalbedingten Besonderheiten im Einzelfall einmal abgesehen“ – durchaus beleidigend sein kann. Allerdings sei die Redewendung „Sie können mich mal …” mehrdeutig, weil sie im Sprachgebrauch nicht nur in Verbindung mit dem Zitat aus Goethes Werk als Nachsatz verwendet und verstanden wird, sondern auch andere Bedeutungsinhalte haben kann.

Das Gericht wies darauf hin, dass die Formulierung auch „i.S. des Zusatzes „… gern haben” verbreitet“ ist, „wobei dieser Äußerung umgangssprachlich auch der Bedeutungsinhalt „Lass mich zufrieden! Lass mich in Ruhe” beigemessen wird. Selbst der Äußerung „Du kannst mich mal … kreuzweise” kann – regional verschieden – ein nicht strafrechtlich relevanter Inhalt i.S. von „Ohne mich! Da mache ich nicht mit! Lass mich zufrieden” zukommen.“ Entscheidend sei daher, wie der Satz „Sie können mich mal…“ in der konkreten Situation zu verstehen ist.

Im vorliegenden Fall liegt nach Auffassung des Karlsruher Gerichts zwar nahe, „dass der wegen der beinahe erfolgten Beanstandung eines Parkverstoßes emotional sehr aufgeregte Angeklagte die ihm zuvor nicht bekannte Gemeindevollzugsbeamtin durch seine Bemerkung maßregeln und – ungeachtet der sozialen Wichtigkeit ihrer Tätigkeit für die Sicherheit und Ordnung des Straßenverkehrs – in ihrer Ehre herabwürdigen wollte“. Es sei aber „nicht auszuschließen, dass nach Beendigung der straßenverkehrsrechtlichen Maßnahme die Bemerkung des Angeklagten auch i.S. eines „Lass mich zufrieden, lass mich in Ruhe, die Sache ist auch für mich erledigt” gemeint gewesen sein könnte“.

Das klingt schlüssig – wirft aber die Frage auf, wie man denn in der konkreten Situation feststellen kann, dass der Satz „Sie können mich mal…“ i.S.d. „Götz-Zitats“ gemeint ist. Rechtssicherheit hat wohl nur derjenige, der durch die Nachfrage „Ja was kann ich Sie denn genau?“ auf Konkretisierung dringt.

Aus rechtlicher Sicht ideal ist es natürlich, wenn die Aussage von vornherein eindeutig ist. Insofern ist das „Götz-Zitat“ zwar nicht unbedingt der Umgangston, den man sich wünscht. Es kann aber auch durchaus stilvoll vorgetragen, oder besser vorgesungen werden: dank Wolfgang Amadeus Mozarts Werken „Leck mich im Arsch“ (Köchelverzeichnis 231) und “Leck mir den Arsch fein recht schön sauber“ (Köchelverzeichnis 223).

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1 Kommentar zu „Sie können mich mal…“ – Ja was denn?

  1. Korrektur: KV 233 (382d), nicht 223. Na gut, mit nummerierten Referenzen auf Werke oder Ausschnitte von Werken (z.B. Gesetzbücher) haben es Juristen ja nicht so ;)

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